Abschied von Hugo: Wirt von legendärer Kiezkneipe plant den Ruhestand
Hamburg. Hamburgs Amateurfußballer haben in dem Lokal auf St. Pauli seit Jahrzehnten ihren Treffpunkt. Nun wird dringend ein Nachfolger gesucht.
https://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article412566924/blaue-nacht-in-hamburg-wirt-plant-abschied-was-wird-aus-kiezkneipe.htmlDie Kult-Kneipe Blaue Nacht auf St. Pauli ist seit Jahrzehnten Treffpunkt für Hamburgs Amateurfußballer. "Hugo" (Ugur Demir) prägte die Blaue Nacht über 21 Jahre, seine Kneipe wirkt wie ein kleines Museum. Seine Familie möchte das Lokal nicht weiterführen, hofft aber, dass ein Nachfolger das Flair der Kneipe erhält.
Was für viele Stammgäste wohl unvorstellbar klingen mag: Auf den legendären Wirt werden sie bald verzichten müssen. Denn Hugo möchte in den Ruhestand gehen – „am besten so schnell wie möglich“, sagt er. Denn auch wenn man es dem stabil gebauten Kerl nicht ansieht, ist er mittlerweile 65 Jahre alt. Da schmerzen schon mal die Knie und auch der Rücken. Außerdem gefällt ihm der Gedanke, mehr Zeit in der Sommerwohnung in seiner türkischen Heimat zu verbringen und den Strand zu genießen.
Einst hatte Hugo das Erbe seines Bruders angetreten – im wahrsten Sinne des Wortes. Bruder Ismail „Isi“ Kiziltan war eine Legende auf der Reeperbahn und hatte dort mehr als 40 Jahre gearbeitet, als er im Jahr 2005 unerwartet an einem Herzinfarkt starb. Dieser Schicksalsschlag machte Hugo Demir, der zuvor in der Türkei als Theaterdirektor und Musiker und in Wilhelmsburg in einem Jugendzentrum gearbeitet hatte, zum Kiez-Wirt: Er übernahm die Blaue Nacht, die damals noch in der Gerhardstraße zu finden war. Doch nach acht Monaten wurde der Mietvertrag plötzlich gekündigt – und die Blaue Nacht war heimatlos.
Nach längerer Suche ging es in der Friedrichstraße weiter. Dort öffnet Hugo seitdem jeden Freitag und Sonnabend um 22 Uhr die Türen, durch die nicht nur Amateurfußballer den Weg ins schummrige Innere finden. Unter den Gästen war in all den Jahren aber auch der ein oder andere Profi, wie etwa Felix Magath und Otto Rehhagel oder Lokalmatadore vom FC St. Pauli wie Holger Stanislawski und Timo Schultz.