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 Corona - "The Days After"

Autor Thema: Corona - "The Days After"  (Gelesen 49129 mal)

hbo

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #225 am: 31. Oktober 2020, 00:37:42 »

Hbo, habe ich mich unklar ausgedruckt? Natürlich ist es unstrittig, dass die getroffenen Maßnahmen hinterfragt werden können. Kritiker sind völlig ok. Wenn sie dann auch noch sinnvolle, sozial vertragliche Vorschläge haben, die auch bundesweit den Menschen helfen, wäre das noch besser. Erst dann kann man ernsthaft abwägen, was richtig oder falsch sein könnte. Ich habe allerdings ein Problem damit, wenn die Gesundheitsgefährdung und teilweise vorhandene lebensbedrohliche Entwicklung als Farce dargestellt oder ignoriert wird - und das unterstelle ich Dir nicht hbo.
Kurz noch zu andi, wir haben in der LL tatsachlich erst drei Spiele "geschafft". Und ich bin sehr gespannt, ob diese Saison überhaupt zu einem vernünftigen Ende gebracht werden kann. Schaum mer mal.

Ich hatte Dich, mein lieber Karotte, gar nicht angesprochen. Deine Ausführungen sind fundiert und nachvollziehbar. Es ging mir einzig darum, dass Menschen, die Dinge hinterfragen, sofort in eine Ecke gestellt werden - wie in diesem Fall von das Eckige muss ins Runde -.--
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2020, 00:40:25 von hbo »
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hbo

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #226 am: 31. Oktober 2020, 01:04:58 »

Dass Du uns wirklich zutraust und indirekt unterstellt, den Schwachsinn der QAnon-Bewegung zu glauben, ist schon ein starkes Stück.

Tja, nun. Leuten, die dummes Zeug glauben, traue ich eben ohne weiteres zu, nach ein paar weiteren Runden YouTube-Universität auch noch ganz anderes dummes Zeug zu glauben. Wenn dem nicht so ist, fein, aber das kann ich ja nicht wissen.

Internationale Vergleiche (USA, Brasilien, Frankreich etc.) sind insofern hilfreich, weil wir dabei erkennen können, dass wir in Deutschland medizinisch besser aufgestellt sind.

Sicher. In dieser Richtung schon. In der anderen gibt es aber noch sehr viel Luft nach oben. Hier hat mal jemand verglichen:

https://blog.fefe.de/?ts=a1679a87
https://blog.fefe.de/?ts=a1674b06

Nachdem ich nun meinen staatlich anerkannten Abschluss an der YouTube-Universität für Idiotie erhalten habe, lieber Altona-Fan (willkommen in der Oberliga-Saison 2021/2022), bewerbe ich mich für eine Teilnahme an der von Dir geführten Uni-Arbeitsgruppe zum Thema: Die Dynamik des Denkens ist abhängig von der Dynamik des Dramatischen. Zum Einstand bringe ich eine Tüte Buchstabensuppe mit. Und solltest Du nach dem Kurs noch fragen haben, wende dich gerne an mich. Ich bin der Nazi mit dem Gauland-Sakko vor der Uni, der mit einem Alu-Hut auf seinem hässlichen Schädel gegen die Preiserhöhung der 250-Gramm-Packung Butter (23,5 Prozent Fett) protestiert.
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Kev1895

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #227 am: 31. Oktober 2020, 09:43:59 »

Moin in die Runde!

In der Vergangenheit wurde gegen Andis (und inzwischen hbo) haltloser und uninformierter Polemik gut gegen gehalten, sodass sich das Ganze noch halbwegs in Grenzen hielt und schnell Ruhe war. Nach den Entscheidungen der letzten Woche wurde von den Herren aber noch einmal ein Gang höher geschaltet, sodass die bisher leisen Vernünftigen dringend mal Farbe bekennen müssen meiner Meinung nach.

Lieber Andi, ich kann verstehen, dass du Angst hast. Angst um dein Hobby, Angst vor der Zukunft, Angst um Freunde/Angehörige und deren berufliche Existenzen. Angst löst Stress aus, blockiert die kognitiven Fähigkeiten, die Emotionen übernehmen wahllos. Aber bitte, "ehemals freiheitlich demokratischer Staat" u.ä. entbehrt jeglicher Grundlage, und das weißt du auch.
Du kannst in Deutschland weiterhin ohne Probleme deine meiner Meinung nach gefährlichen faktenfreien Takes raus hauen. Und das einzige, wovor du dabei Angst haben musst? Nichts, außer, dass andere Menschen dich darauf aufmerksam machen, wie gefährlich und faktenfrei sie sind. Keine Zensur, keine Hausdurchsuchungen, keine Internierungslager, nichts.

Was du als "Totschlagargument" bezeichnest, verwechselst du schlicht und einfach mit einem äußerst stichhaltigen Argument: Wir sehen in anderen Ländern, die im Frühjahr und danach nicht so konsequent waren (obwohl Deutschland da auch einfach viel Glück hatte und die Einschränkungen im Vergleich recht harmlos waren), dass es noch weitaus schlimmer gehen kann als hier.

Es geht bei weitem nicht darum, alle Maßnahmen abzufeiern. Ich persönlich kann v.a. die Signalwirkung des Schließens von Gastro & Co durchaus nachvollziehen, kann aber auch damit leben, wenn man anders abwägt und Kritik übt. Aber bitte dabei auf dem Boden der Tatsachen bleiben (s. oben).

Diese Krise ist die größte globale Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Das muss man so anerkennen und akzeptieren. Trauer um liebgewonnene Gewohnheiten, Hobbies etc. ist normal und nachvollziehbar. Dabei aber bitte nicht die Gesamtsituation aus dem Blick verlieren und die Relationen beachten: Eine Maske tragen müssen und nicht mehr in die Kneipe/zum Fußball etc. gehen können ist nicht schön, aber immer noch kein Vergleich zu vollständigen Lockdowns etc.

Soweit meine Gedanken zur Diskussion hier. Ich befürchte, damit auf taube Ohren zu stoßen. Mir ist aber wichtig deutlich zu machen, dass hier noch einige einfach "nur" mitlesen, die eben nicht angsterfüllt den Boden der Vernunft verlassen.

Bleibt alle gesund!
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Altonase

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #228 am: 31. Oktober 2020, 10:34:17 »

Wenn ich Prof. Drosten richtig verstehe, soll das jetzt der Versuch sein, die Infektionsrate im November soweit zu drücken, dass keine Überlastung des Gesundheitssystems mehr droht (das ist deswegen entscheidend, weil die Überlebensrate bei schweren Verläufen ganz maßgeblich von der Qualität der medizinischen Versorgung abhängt) und dann möglichst unter Kontrolle zu halten, bis ein Impfstoff einigermaßen breit zur Verfügung steht. Wenn das so klappt, halte ich das - ohne jetzt, wie manch andere hier, im Besitz einer Glaskugel zu sein - auch für den richtigen Versuch. Das wäre im Moment wohl das Best-Case-Szenario.

Auch berechtigt finde ich allerdings die Frage, wie die Strategie aussieht, wenn das nicht klappt? Menschen sind nicht für dauerhaftes Social Distancing gemacht und werden das irgendwann nicht mehr mitmachen - nicht aus Dumm- oder Bosheit, sondern weil sie es psychisch schlicht nicht mehr aushalten.
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Kev1895

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #229 am: 31. Oktober 2020, 14:09:44 »

Die Frage ist natürlich berechtigt, wird aber vom Virus vorgegeben: Lockdown. Herr Drosten erklärt das im aktuellen NDR-Podcast ganz gut. Man kann sich über Lockdowns ärgern, sich verständlicherweise Sorgen ob der Folgen machen, aber verhandeln mit dem Virus geht halt nicht. Und die einzige bisher bekannte Möglichkeit eine unkontrollierte Verbreitung auch in den vulnerablen Altersgruppen mitsamt Zusammbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden bzw zu stoppen ist nunmal leider die radikale Einschränkung von Kontakten. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass die light Variante die gerade beschlossen wurde genügend bremst um wieder Herr der Lage zu werden.

Und wir Menschen gehen täglich mit Dingen um bzw lassen sie zu, für die wir nicht geschaffen sind (Kriege, Leben in Konkurrenz, Armut etc). Ich würde den Virus als Naturkatastrophe ansehen. Nach einer Überschwemmung beschwert sich ja auch keiner, dass er nicht zurück in sein Haus in dem das Wasser drei Meter hoch steht zurück kehren kann.
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Karotte Krause

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #230 am: 31. Oktober 2020, 15:38:52 »

Moin Kevin, danke für Deine sachlich Unterstützung und Bestätigung meiner Ausführungen.
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olsen

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #231 am: 31. Oktober 2020, 17:38:47 »

Das Problem der "Corona-Leugner" ist leider, dass sie mit einigen Argumenten auch jenseits von Corona durchaus Recht haben, aber durch völlig sinnbefreite Verschwörungstheorien und "Merkel muss weg"-Parolen diese durchaus validen Argumente komplett unglaubwürdig erscheinen lassen. Natürlich ist es kritisch zu sehen, dass die Corona-Regeln am Parlament vorbei entschieden werden, gelebte Demokratie sieht da bissl anders aus. Auch haben die Corona-Leugner dahingehend Recht, dass die Unabhängigkeitsfunktion der Medien heutzutage doch sehr eingeschränkt ist, auch das hat mit Demokratie wenig zu tun. Oder warum habe ich noch nie etwas positives über Donald Trump und die AfD in irgendeinem deutschen Medium gelesen? Weil die 100% ihrer Sachen schlecht machen? Ich bin kein AfD-Wähler oder Befürworter, aber wenn man sich mal deren Anträge im Bundestag anschaut, dann sind da mindestens 20% von absolut mehrheitsfähig, warum berichtet man nicht darüber? Weil es sich nicht gehört, etwas positive über die AfD zu schreiben, das ist medialer Einklang. Warum nicht 80% negativ schreiben, wie es sich über die Partei wahrscheinlich auch gehört, aber dann zumindest 20% positiv? Das wäre ein reales Abbild. Warum 100% negativ? In jeder Talkshow heisst es "alle gegen die AfD" und das soll Leute für Politik begeistern oder sie von der AfD wegbewegen? Und dann wundert man sich, wenn Leute in Deutschland Informationen aus den Medien anzweifeln. Natürlich ist Lügenpresse etc. völliger Schwachsinn, polemisch und unsachlich, aber objektiv informiert fühle ich mich von deutschen Medien nicht mehr und dasselbe gilt auch für große Medien in den USA. Ich finde, dass in AfD, Corona-Leugnern und Trump-Anhängern durchaus 10-20% drinstecken, die berechtigte Kritikpunkte an vielen politischen Entscheidungen und medialer Berichterstattung sind. Leider hauen sich die drei Gruppen durch rechte Tendenzen, Polemik, Nonsense-Thesen etc. diese 10-20% teils guten Argumente selber kaputt. Hier würde ich mir mehr Differenzierung bei den Medien wünschen, da würden m.E. alle von profitieren.
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hawk

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #232 am: 31. Oktober 2020, 22:14:56 »

👍👍👍
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Kev1895

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #233 am: 01. November 2020, 08:23:49 »

Das Problem der "Corona-Leugner" ist leider, dass sie mit einigen Argumenten auch jenseits von Corona durchaus Recht haben, aber durch völlig sinnbefreite Verschwörungstheorien und "Merkel muss weg"-Parolen diese durchaus validen Argumente komplett unglaubwürdig erscheinen lassen. Natürlich ist es kritisch zu sehen, dass die Corona-Regeln am Parlament vorbei entschieden werden, gelebte Demokratie sieht da bissl anders aus. Auch haben die Corona-Leugner dahingehend Recht, dass die Unabhängigkeitsfunktion der Medien heutzutage doch sehr eingeschränkt ist, auch das hat mit Demokratie wenig zu tun. Oder warum habe ich noch nie etwas positives über Donald Trump und die AfD in irgendeinem deutschen Medium gelesen? Weil die 100% ihrer Sachen schlecht machen? Ich bin kein AfD-Wähler oder Befürworter, aber wenn man sich mal deren Anträge im Bundestag anschaut, dann sind da mindestens 20% von absolut mehrheitsfähig, warum berichtet man nicht darüber? Weil es sich nicht gehört, etwas positive über die AfD zu schreiben, das ist medialer Einklang. Warum nicht 80% negativ schreiben, wie es sich über die Partei wahrscheinlich auch gehört, aber dann zumindest 20% positiv? Das wäre ein reales Abbild. Warum 100% negativ? In jeder Talkshow heisst es "alle gegen die AfD" und das soll Leute für Politik begeistern oder sie von der AfD wegbewegen? Und dann wundert man sich, wenn Leute in Deutschland Informationen aus den Medien anzweifeln. Natürlich ist Lügenpresse etc. völliger Schwachsinn, polemisch und unsachlich, aber objektiv informiert fühle ich mich von deutschen Medien nicht mehr und dasselbe gilt auch für große Medien in den USA. Ich finde, dass in AfD, Corona-Leugnern und Trump-Anhängern durchaus 10-20% drinstecken, die berechtigte Kritikpunkte an vielen politischen Entscheidungen und medialer Berichterstattung sind. Leider hauen sich die drei Gruppen durch rechte Tendenzen, Polemik, Nonsense-Thesen etc. diese 10-20% teils guten Argumente selber kaputt. Hier würde ich mir mehr Differenzierung bei den Medien wünschen, da würden m.E. alle von profitieren.

Die Geschichte mit dem Parlament lasse ich gelten, auch wenn ich das Vorgehen angesichts der zeitlichen Eile ein Stück weit nachvollziehen kann.

Was die Medien und v.a. die AfD angeht muss ich entschieden widersprechen! Dass die "Mainstreammedien" nur gegen die AfD berichteten, ist ein rechtes Framing, das einfach nicht den Tatsachen entspricht. Dazu: https://www.volksverpetzer.de/hintergrund/medienmanipulation/

Hätte man mir vor 15 Jahren erzählt, dass heute eine in weiten Teilen faschistische oder zumindest faschismusnahe Partei in diversen Talkshows vertreten ist, reihenweise prominent platzierte Interviews gibt und von vielen Teilen der Presse zitiert wird, ohne ihre menschenverachtenden Aussagen einzuordnen, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Spätestens seit Sarrazin hat sich das Sagbare in Deutschland aber immer weiter nach rechts verschoben und die viel zu unkritische Berichterstattung hat dazu einen gewichtigen Teil beigetragen und mitnichten in weiten Teilen dagegen angekämpft.
Und das mit den "20% Vernünftiges, das von 80% Rassismus etc. übertüncht wird" ist m.E. das alte "Hitler hat auch die Autobahnen gebaut"-Problem: Nur weil eine menschenfeindliche Gruppe, die sich immer mehr vom Boden des Grundgesetzes entfernt zwischendurch zufällig mal was Intelligentes von sich gibt, bleibt sie trotzdem eine menschenfeindliche Gruppe, die sich immer mehr vom Boden des Grundgesetzes entfernt.
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eilbek-andi

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #234 am: 01. November 2020, 10:04:45 »

Ich hätte auch vieles nicht für möglich gehalten. Zum Beispiel, dass aufgrund eines windigen "Infektionsschutzgesetzes" am Parlament vorbei derartige Eingriffe in diverse Grundrechte (!) vorgenommen werden können - und alle noch "Hurra" schreien und etwaige Kritiker sofort pauschal kritisiert (und in eine gewisse Ecke gestellt) werden.

#Weiter so
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Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (Jean-Paul Sartre).

Kev1895

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #235 am: 01. November 2020, 10:44:59 »

Okay, ich beiße an:

Was genau ist am Infektionsschutzgesetz "windig"?

Grundrechte sind nie absolut, wir stecken ja z.B. auch Menschen ins Gefängnis, ohne vorher das Parlament zu fragen.

Und wo schreien "alle" Hurra? Überall sind mahnende/kritische Stimmen zu hören und keine von denen wird unterdrückt. Im Gegenteil, die kriegen beste Sendezeiten, schreiben äußerst erfolgreiche (faktenferne) Bücher etc. pp.

Kritiker werden auch nicht "pauschal" kritisiert. Das passiert nur, wenn sie an den Fakten vorbei hyperventilieren. Wenn jemand sachlich Kritik an einzelnen Entscheidungen vorbringt, ohne gleich von "Diktatur" u.ä. zu reden, wird darauf meist ähnlich sachlich geantwortet (und wenn das nicht passiert, gehört das natürlich ebenso kritisiert). Mal davon ab: Warum genau sollten Kritiker nicht auch kritisiert werden?

In eine gewisse Ecke stellen sie sich ganz von alleine. Wenn ich bspw. auf eine Demo gehe, zu der ganz massiv von Faschisten mobilisiert wird, muss ich schlicht und einfach damit rechnen, dazu gezählt zu werden. Und wenn ich die "Argumente" der Faschisten übernehme, dann muss ich mich ebenso wenig wundern.

Ja, wir leben in schwierigen Zeiten und es ist wichtig, diese kritisch zu begleiten. Aber doch bitte nicht rein schwarz-weiß. So funktioniert das Leben einfach nicht!
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olsen

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #236 am: 01. November 2020, 10:54:05 »

Das Problem der "Corona-Leugner" ist leider, dass sie mit einigen Argumenten auch jenseits von Corona durchaus Recht haben, aber durch völlig sinnbefreite Verschwörungstheorien und "Merkel muss weg"-Parolen diese durchaus validen Argumente komplett unglaubwürdig erscheinen lassen. Natürlich ist es kritisch zu sehen, dass die Corona-Regeln am Parlament vorbei entschieden werden, gelebte Demokratie sieht da bissl anders aus. Auch haben die Corona-Leugner dahingehend Recht, dass die Unabhängigkeitsfunktion der Medien heutzutage doch sehr eingeschränkt ist, auch das hat mit Demokratie wenig zu tun. Oder warum habe ich noch nie etwas positives über Donald Trump und die AfD in irgendeinem deutschen Medium gelesen? Weil die 100% ihrer Sachen schlecht machen? Ich bin kein AfD-Wähler oder Befürworter, aber wenn man sich mal deren Anträge im Bundestag anschaut, dann sind da mindestens 20% von absolut mehrheitsfähig, warum berichtet man nicht darüber? Weil es sich nicht gehört, etwas positive über die AfD zu schreiben, das ist medialer Einklang. Warum nicht 80% negativ schreiben, wie es sich über die Partei wahrscheinlich auch gehört, aber dann zumindest 20% positiv? Das wäre ein reales Abbild. Warum 100% negativ? In jeder Talkshow heisst es "alle gegen die AfD" und das soll Leute für Politik begeistern oder sie von der AfD wegbewegen? Und dann wundert man sich, wenn Leute in Deutschland Informationen aus den Medien anzweifeln. Natürlich ist Lügenpresse etc. völliger Schwachsinn, polemisch und unsachlich, aber objektiv informiert fühle ich mich von deutschen Medien nicht mehr und dasselbe gilt auch für große Medien in den USA. Ich finde, dass in AfD, Corona-Leugnern und Trump-Anhängern durchaus 10-20% drinstecken, die berechtigte Kritikpunkte an vielen politischen Entscheidungen und medialer Berichterstattung sind. Leider hauen sich die drei Gruppen durch rechte Tendenzen, Polemik, Nonsense-Thesen etc. diese 10-20% teils guten Argumente selber kaputt. Hier würde ich mir mehr Differenzierung bei den Medien wünschen, da würden m.E. alle von profitieren.

Die Geschichte mit dem Parlament lasse ich gelten, auch wenn ich das Vorgehen angesichts der zeitlichen Eile ein Stück weit nachvollziehen kann.

Was die Medien und v.a. die AfD angeht muss ich entschieden widersprechen! Dass die "Mainstreammedien" nur gegen die AfD berichteten, ist ein rechtes Framing, das einfach nicht den Tatsachen entspricht. Dazu: https://www.volksverpetzer.de/hintergrund/medienmanipulation/

Hätte man mir vor 15 Jahren erzählt, dass heute eine in weiten Teilen faschistische oder zumindest faschismusnahe Partei in diversen Talkshows vertreten ist, reihenweise prominent platzierte Interviews gibt und von vielen Teilen der Presse zitiert wird, ohne ihre menschenverachtenden Aussagen einzuordnen, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Spätestens seit Sarrazin hat sich das Sagbare in Deutschland aber immer weiter nach rechts verschoben und die viel zu unkritische Berichterstattung hat dazu einen gewichtigen Teil beigetragen und mitnichten in weiten Teilen dagegen angekämpft.
Und das mit den "20% Vernünftiges, das von 80% Rassismus etc. übertüncht wird" ist m.E. das alte "Hitler hat auch die Autobahnen gebaut"-Problem: Nur weil eine menschenfeindliche Gruppe, die sich immer mehr vom Boden des Grundgesetzes entfernt zwischendurch zufällig mal was Intelligentes von sich gibt, bleibt sie trotzdem eine menschenfeindliche Gruppe, die sich immer mehr vom Boden des Grundgesetzes entfernt.

Aber genau das ist das, was ich vorher meinte: Du beschwerst Dich, dass die AfD in Deutschland zu viel Raum und Bedeutung bekommt, trägst aber selber aktiv dazu bei, indem Du die Partei pauschal als faschistisch hinstellst. Damit spielst Du denen doch genau in die Karten, genau so eine Reaktion wollen die doch, um das Bild beim Bürger "alle sind gegen uns, man will uns mundtot machen" zu erzeugen. Wenn Du Dir Wahlanalysen von Landtagswahlen insbesondere im Osten anschaust, dann war das einer der zentralen Gründe, warum so viele die AfD bei vielen Wahlen gewählt haben, dieses "mundtot" machen von Meinungen, die nicht dem Status Quo entsprechen, diese Wähler sind ja nun nicht alles Faschisten. Daher kann ich nicht verstehen, dass wenn Du ein Interesse daran hast, die AfD in Deutschland klein und unbedeutend zu halten (was übrigens mein Interesse auch wäre), Du pauschal die ganze Partei als Faschisten darstellst. Damit wirst Du nur das Gegenteil erreichen, Du musst Dich der Partei argumentativ stellen und dazu zählt dann auch, bei 20% der Argumente zu sagen, passt eigentlich und könnten wir uns anschließen. Das haben die Parteien im Schleswig-Holsteinischen Landtag aus meiner Sicht immer gut gehandhabt, und siehe da, plötzlich hat die AfD nicht mal mehr Fraktionsstatus und ist quasi raus, weil so halt eine Partei in ihre Einzelteile zerlegt wird und sich nicht in eine "alle sind gegen uns"-Abwehrhaltung begeben kann. Ich bleibe dabei: Corona-Leugner und AfD pauschal als Faschisten und Spinner hinzustellen ist genau das, was die beiden Gruppen stark macht. Man sollte die Intelligenz besitzen, sich mit dem Großteil der Gruppe argumentativ auseinanderzusetzen und dann dort die teils wenig vorhandene Substanz an Inhalten enttarnen. Das gilt für Medien wie jeden einzelnen Kritiker.
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otzenpunk

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #237 am: 01. November 2020, 11:17:36 »

Auch haben die Corona-Leugner dahingehend Recht, dass die Unabhängigkeitsfunktion der Medien heutzutage doch sehr eingeschränkt ist,…

Äh, whut?

Natürlich kann man einige Medien sicherlich kritisieren, aber bestimmt nicht aus der Sicht der Verschwörungsideologen, wonach die alle täglich von Merkel instruiert werden. Im Gegenteil.

Irgendein kluger Kopf hat einmal gesagt, wenn die eine Seite behauptet die Sonne scheint, und die andere behauptet, dass es regnet, ist es nicht Aufgabe von Journalismus beide Meinungen gleichberechtigt darzustellen, sondern aus dem Fenster zu sehen wer denn Recht hat.

Was wir aber überall in unserer Medienlandschaft sehen, z.B. beim Klimawandel oder eben auch jetzt bei Corona, ist dass das eben nicht getan wird und nennt sich False Balance. Klar, die absolut irren Verschwörungsmythen, dass es gar kein Coronavirus gibt und die Krankheit wahlweise nicht existiert oder von Mobilfunkmasten ausgelöst wird o.ä., die finden in den seriösen Medien kaum statt. Wäre aber auch absurd, wenn es anders wäre.

Aber warum wird denn z.B. in Teilen der Medienlandschaft der HIV-Experte Streeck so gehypet und zu einem "Anti-Drosten" aufgebaut? Zum einen vielleicht, weil so eine Geschichte von "Streit unter Experten" immer eine spannende Story ist. Zum anderen aber sicher auch, weil er – unterstützt von der PR-Agentur des ehemaligen BILD-Chefs – im Gegensatz zu Drosten gerne die bequemeren "Wahrheiten" erzählt, dass alles gar nicht so schlimm ist, die Pandemie quasi vorbei, dass Kinder praktisch immun sind, usw. (Was dann u.U. zu falschen politischen Entscheidungen führt, die dazu beitragen, dass wir in der Pandemie-Bekämpfung einigen asiatischen und ozeanischen Staaten weit hinterher hinken.)

Man betrachte auch die "lustige Anekdote", als Merkel vor ein paar Wochen sagte, wenn wir nicht wieder unsere Kontakte beschränken, haben wir bis Weihnachten 19200 Neuinfektionen täglich. Und die Medien so: "Haha, die übertreibt mal wieder, die Alte. Hendrick Streeck sagt, das stimmt gar nicht." Und siehe da, die Schätzung war noch viel zu vorsichtig, denn wir haben diese Zahl bereits heute erreicht.

Jedenfalls kann ich da in keiner Weise erkennen, dass es da keine plurale Medienlandschaft gäbe oder dass die alle unkritisch "Merkel-" oder "Drosten-"positionen nachbeten würden. Das ist ein "Lügenpresse light"-Narrativ, das (zumindest was Corona angeht) einfach nicht der Realität entspricht.

Was AfD angeht: 100% das was Kev1895 sagt.

Ich hätte auch vieles nicht für möglich gehalten. Zum Beispiel, dass aufgrund eines windigen "Infektionsschutzgesetzes" am Parlament vorbei derartige Eingriffe in diverse Grundrechte (!) vorgenommen werden können

1. Das geschah nicht am Parlament vorbei, sondern das Parlament hat die Regierung (bzw. eigentlich die Länderregierungen, die Bundesregierung koordiniert, hat aber in der Sache wenig zu sagen) mit Vollmachten ausgestattet und könnte diese jederzeit zurücknehmen, wenn es dafür eine Mehrheit gäbe.

2. Die öffentliche Diskussion darüber ist geradezu exorbitant umfassend und ausführlich, wenn man das mal damit vergleicht, wie in den vergangenen Jahrzehnten echte Grundrechte teilweise kurz vor Mitternacht mit Reden zu Protokoll wirklich und dauerhaft geschleift wurden, weil das angeblich für die Terrorismusbekämpfung super notwendig sei.

Aber genau das ist das, was ich vorher meinte: Du beschwerst Dich, dass die AfD in Deutschland zu viel Raum und Bedeutung bekommt, trägst aber selber aktiv dazu bei, indem Du die Partei pauschal als faschistisch hinstellst. Damit spielst Du denen doch genau in die Karten, genau so eine Reaktion wollen die doch, um das Bild beim Bürger "alle sind gegen uns, man will uns mundtot machen" zu erzeugen. Wenn Du Dir Wahlanalysen von Landtagswahlen insbesondere im Osten anschaust, dann war das einer der zentralen Gründe, warum so viele die AfD bei vielen Wahlen gewählt haben, dieses "mundtot" machen von Meinungen, die nicht dem Status Quo entsprechen,

Das ist leider eine verbreitete Theorie, die aber absolut empirisch nicht haltbar ist. Gerade im Osten, wo die AfD stark ist, wurde doch immer besonders darauf bestanden, man müsse "die Sorgen und Nöte der Leute ernstnehmen". In Sachsen, Thürigen und Sachsen-Anhalt, wo die AfD am stärksten ist, reden halbe CDU-Fraktionen darüber, dass man mit denen doch auch mal eine Koalition machen könnte. Die AfD ist dagegen überall dort schwach, wo der demokratische Konsens hält und faschistische Positionen eben nicht als normale Standpunkte im politischen Diskurs betrachtet werden.

Dass die AfD sich dann als Opfer inszeniert ist dabei völlig irrelevant, denn das tut sie sowieso, egal was man tut.

Die Fakten sprechen also dafür, dass es genau umgekehrt ist als du behauptest.
« Letzte Änderung: 01. November 2020, 11:25:19 von otzenpunk »
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Altona — alles andere ist Quatsch.

Kev1895

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #238 am: 01. November 2020, 11:23:57 »

Das was Otzenpunk sagt.
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olsen

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Re: Corona - "The Days After"
« Antwort #239 am: 01. November 2020, 12:29:36 »

Da muss ich Dir leider vehement widersprechen, Otzenpunkt. In welchen Landtagen werden denn AfD-Abgeordnete massiv von den anderen Parteien als Faschisten und Nazis bezeichnet und wo verlassen denn ganze Abgeordnetengruppen anderer Parteien das Parlament, wenn aus ihrer Sicht Faschisten am Mikro stehen? Nur in den Ostdeutschen Bundesländern, nirgendwo sonst. Schau Dir doch mal an, wie in MeckPom sich der Landtag massiv gegen die NPD gewährt hat, über Parteigrenzen hinweg, nie aufgegeben, ihren Standpunkt gegen Faschismus zu vertreten. Hast Du das mal in Hamburg erlebt damals bei der DVU, bei Schill oder jetzt bei der AfD? Null, da wurden die Parteien nach kurzer Zeit einfach ignoriert und oder irgendwie als normal abgetan, Ergebnis: kaum mediale Erscheinung der AfD in den alten Bundesländern. Also stimmt Deine Thesen überhaupt nicht, dass die AfD genau dort stark ist, wo der demokratische Konsens nicht hält, im Gegenteil, nirgendwo hält der stärker als in den Ostbundesländern, siehe MeckPom und die NPD, siehe das Thüringendesaster und Ramelow als MP über Parteien hinweg. Und jetzt nicht wieder über 1-2 CDU-Abgeordnete, die AfD-nah sind, auf die ganze CDU im Osten schließen, siehe mein Kommentar vorher, das macht es nur noch schlimmer und ist genau das Kernproblem, die fehlende Differenzierung. Ein Kruse der AfD in Hamburg ist kein Höcke und kein Kallwitz, das sollte man zu differenzieren wissen. Und nicht jeder, der in einer Demo der Corona-Leugnern mitläuft ist Faschist. Da laufen durchaus Leute mit, die einfach nicht mehr weiter wissen nach Kurzarbeit, Jobverlust durch Corona etc. Wenn dann nun mal die Demo die einzige Möglichkeit ist, seiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, dann ist das zwar traurig. Dann sollte die Aufgabe aber eher darin bestehen, diesen Menschen anderweitig ein Gehör zu verschaffen als sie noch als Dank obendrauf als Faschisten zu bezeichnen, genau damit spielt man Höcke und Co in die Karten. Die Aufgabe der demokratischen Parteien muss es sein, die echten Faschisten von ihren teils aus völlig anderen Motiven jenseits des Faschismus zugehörigen Followern zu trennen, die eben keine Faschisten sind.

« Letzte Änderung: 01. November 2020, 12:30:41 von olsen »
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