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20.08.2005
Interview mit Kai Koch (Stürmer SC Condor) von Alexander Eßer

hafo.de: Herr Koch, zwei Siege zum Auftakt, und das gegen Konkurrenten, gegen die man nicht unbedingt gewinnen muss. Besser hätte es nicht laufen können?
Kai Koch: Genau richtig. Für uns ist das ein Traumstart. Bei unserem Hammer-Auftaktprogramm hätte es nicht besser kommen können. So können wir etwas beruhigter in die kommenden Wochen gehen.

Ein großes Spiel war es gestern jedoch nicht, oder?
Ganz bestimmt nicht. Um ehrlich zu sein, es war ein Grottenkick. Victoria hatte kaum eine Torchance, wir auch nicht viele. Verdient war es schon, keine Frage. Es ist natürlich wichtig, gerade wenn man nicht gut spielt, drei Punkte einfahren zu können.

Gegen Pinneberg war der Kampf der Garant für den Sieg, gegen Victoria konnten Sie und ihr Team auch nicht spielerisch überzeugen. Verwandelt sich Condor in eine Mannschaft, bei der die technischen Elemente nicht mehr im Vordergrund stehen?
Ganz bestimmt nicht. Wir haben genügend spielerisches Potenzial und viele gute Fußballer in unseren Reihen. Allein Meik Ehlert und Markus Schwoy im Mittelfeld sind zwei überdurchschnittliche Akteure. Wir müssen uns erstmal finden, dann werden wir auch spielerisch eine Schippe drauflegen.

Zwei Siege in der Verbandsliga, doch unter der Woche flog man im Pokal beim GSK Bergedorf (Landesliga Hansa-Staffel) raus. Wie ist das zu erklären?
Die Niederlage war völlig verdient. Keiner von uns hatte einen guten Tag erwischt. Bergedorf war insgesamt eine Nummer heißer als wir, das müssen wir uns ankreiden lassen. Natürlich blöd, dass wir kurz vor dem Ende den 2:2-Ausgleich machen und im Gegenzug den erneuten Rückstand hinnehmen müssen.

Nächste Woche kommt Concordia. Eine Woche später geht es zum VfL 93, dann hat man fast alles, was Rang und Namen hat, hinter sich.
Wie gesagt, wir haben ein ganz schweres Auftaktprogramm bekommen. Gegen Cordi können wir ganz locker ins Spiel reingehen. Schade, dass der SC gegen HEBC daheim verloren hat, sonst wäre es ein richtiges Spitzenspiel geworden.

Was war der genaue Grund dafür, dass Sie nicht mehr beim VfL 93 spielen?
Der Trainingsaufwand. VfL-Trainer Hollerbach lässt viermal in der Woche trainieren, das möchte ich nicht mehr. Zum Beispiel wird am Samstagvormittag trainiert, da arbeite ich.

Wenn Sie es beruflich hinbekommen hätten, wären Sie geblieben?
Auch dann nicht, vier Trainingseinheiten sind mir zuviel.

Die Vorbereitung haben Sie unter Hollerbach absolviert. Wie war es?
So etwas habe ich noch nie erlebt. So eine harte Vorbereitung habe ich noch nie mitmachen müssen. Ich glaube, ich bin in den drei Wochen genauso viel gelaufen, wie in den drei Vorbereitungen in den letzten Jahren zusammen. Es war eine Höllentour, doch es wird sich für den VfL über längere Dauer auszahlen. Denn durch die Kondition, die die 93er jetzt besitzen, werden sie einige Spiele in der Schlussphase für sich entscheiden können, da der Gegner abbauen wird. Es war zwar höllisch, es hat aber auch irgendwie Spaß gemacht. Denn wir sind ja nicht blind gelaufen, sondern es hatte alles Hand und Fuß.

Stimmt es, dass es ein Rede- und Lachverbot im Training gibt?
Sagen wir es mal so, es soll sich auf das Training konzentriert werden. Es stimmt, es wurde wenig geredet. Aber nach den Laufeinheiten war mir auch nicht nach sabbeln.

Kann man sich jetzt vorstellen, wie Profis trainieren?
Irgendwie schon. Natürlich war das unter Hollerbach eine abgeschwächte Version, aber man muss auch bedenken, dass die Profis fast nichts anderes machen. Von uns gehen die meisten Spieler jedoch vorher noch zehn Stunden arbeiten.

Was trauen Sie dem VfL zu?
Meister werden die 93er wohl nicht. Dazu sind BU und Cordi zu stark. Wenn sie allerdings Geduld bewahren und auch zu Anfang mit der einen oder anderen Niederlage leben können, werden sie knapp dahinter landen.

Themenwechsel: Condor ist der vierte Verein innerhalb von zwei Jahren. So langsam bekommen Sie das Image eines Wandervogels. Unangenehm?
Geplant waren die Wechsel nicht. Ich hatte vier schöne Jahre bei Paloma. Nur zum Ende unter Trainer Reil passte es nicht mehr. Und wenn es mir keinen Spaß mehr macht, muss man was ändern. Bei HR hatte ich Pech, dass ich mir im Abschlusstraining die Bänder riss. Zudem war das Fahren auch ziemlich zeitaufwendig. Und beim VfL sind es jetzt halt andere Trainingsansprüche. Natürlich möchte ich wieder Kontinuität in den Fußball reinbekommen, dann kann ich auch wieder gute Leistungen bringen.

Sie haben gesagt, dass Sie für zehn bis fünfzehn Tore noch gut sind. Richtig?
Dazu stehe ich auch. Die werde ich auch ganz bestimmt machen. Mir fehlt zurzeit noch etwas die Spritzigkeit, da ich in der Woche, in der die Sprints auf der Tagesordnung standen, noch nicht bei Condor war. Noch ein paar Spiele und ich bin wieder vollkommen der Alte.

Gestern bildeten Sie mit Alao-Fary das Sturmduo. Ein Fingerzeig für die Zukunft?
Nein, das kann man jetzt noch nicht sagen.

Condor besitzt immerhin vier (fast) gleichwertige Angreifer. Das muss doch zu Reibereien führen, es können ja nur zwei spielen?
Es wird nicht dazu kommen. Wir sind vier gute Stürmer, aber eben auch total unterschiedlich. Welche Konstellation sich durchsetzen wird, steht in den Sternen. Eins ist klar: Die Situation erzeugt erhöhten Konkurrenzdruck. Keiner kann sich eine Schwächephase erlauben, man muss sich in jeder Einheit beweisen. Für unseren Trainer ist das auf jeden Fall klasse. Und auch wir haben damit kaum ein Problem. Die anderen Stürmer wurden vor meiner Verpflichtung gefragt, was sie davon halten und alle haben sich positiv geäußert. Über die lange Saison werden alle Stürmer auf ihre Spiele kommen. Das hängt ja auch mit der jeweiligen taktischen Ausrichtung und dem Gegner zusammen.

Und wenn Sie auf der Bank sitzen müssen, haben Sie keine Probleme damit?
Wer sitzt schon gerne auf der Bank. Ich hasse kaum etwas mehr, als nicht gleich zu spielen. So muss das aber auch sein, denn sonst stimmt etwas nicht. Aber für Ärger sorge ich dann nicht.

Ist die neue Verbandsliga wirklich stärker als in den letzten Jahren?
Es ist noch früh, aber ich bin mir fast sicher, dass sie stärker ist. Das Niveau ist besser geworden. Alleine was taktisch jetzt von den Teams umgesetzt wird, ist eine andere Welt als vor drei oder vier Jahren. Viele Teams spielen jetzt mit Kette, es wird sich besser verschoben und das Spiel ist auch schneller geworden.

Abschließend: Auf welchem Platz befindet sich Condor am Ende der Saison?
Realistisch gesehen landen wir zwischen Platz vier und acht. Alles andere wäre eine Überraschung, eine positive oder eben eine negative.


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