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18.05.2010
Interview mit Mike Breitmeier: Das ist noch meine Truppe! von Andreas Killat

Letzte Woche schlug die Meldung ein wie eine Bombe: Der SC Condor, in der Vergangenheit wahrlich nicht für Schnellschüsse bekannt, trennte sich am Montagabend (11.5.) nach nur rd. zehn Monaten von Mike Breitmeier (39), der vorher sechs Jahre beim TSV Wandsetal tätig war, bevor er zu Saisonbeginn das Traineramt von Matthias Bub beim SC Condor übernahm.

Breitmeier, Vater von Zwillingstöchtern und gelernter Industriekaufmann, der einst selbst aktiv beim SC Sperber in der Verbandsliga (bis 1988) und bei Concordia Hamburg in der 3. und 4. Liga kickte (1989-1995) und trotz dreier Kreuzbandrisse heute noch bei den Alten Herren des TSV Wandsetal spielt, stand HAFO für ein ausführliches Interview zur Verfügung:


hafo: Hallo Mike, hast Du den ersten Rauswurf Deiner Trainerkarriere schon verarbeitet?
Mike Breitmeier: Stimmt, ich bin jetzt 15 Jahre Trainer, aber rausgeworfen wurde ich noch nie, habe bis auf die Zeit beim Barsbütteler SV, wo ich im Oktober 2000 nach nur drei Monaten freiwillig gegangen bin, immer meinen Vertrag erfüllt. Der Zuspruch von vielen Trainerkollegen, ehemaligen Spielern und auch von vielen Condoranern (!) hat mir geholfen, mich mit der Situation zurecht zu finden.

hafo: Beim TSV Wandsetal dagegen bist Du 2007 nach dem Abstieg aus der Landesliga aber Trainer geblieben?!
Damals hatte ich die Zusage von 16 Spielern, die alle bleiben und den „Betriebsunfall“ wieder gerade rücken wollten. Und ich bin halt ein Kämpfer.

hafo: Wie bist Du eigentlich 2003 zum Traineramt in Wandsetal gekommen?
Nach jeweils einem Jahr in Reinbek und bei der Cordi B-Jugend (Regionalliga) wollte ich etwas mit langfristiger Perspektive aufbauen, da kam das Angebot aus Hinschenfelde gerade recht, nachdem dort Thomas Giza im Laufe der Saison entlassen worden war und auch Jörg Steffens den Abstieg aus der Verbandsliga nicht verhindern konnte (Anmerkung der Redaktion: Es fehlte am Ende nur ein Punkt). Der Neuaufbau in der Landesliga hat mich sehr gereizt.

Statt Neuaufbau bist Du dann aber 2007 nach vier Jahren gar in die Bezirksliga abgestiegen. Ging Dein Konzept nicht auf?
Der Absturz war megabitter und völlig unnötig, wir waren in einer Spirale nach unten gefangen und sind da nicht mehr rausgekommen. In dem Jahr habe ich aber viel gelernt, auch aus meinen Fehlern, die ich zweifelsohne gemacht habe.

Letztes Jahr habt Ihr dann die Rückkehr in die Landesliga geschafft, warum hast Du den Verein dann trotzdem verlassen?
Ich habe immer gesagt, dass mein Ziel die Oberliga ist, und als im Januar 2009 das Angebot von Condor kam, musste ich mich eben entscheiden. Nach einer Woche Bedenkzeit, in der ich auch die Verantwortlichen bei Wandsetal informiert habe, ergriff ich die Chance und habe bei Condor zugesagt, zumal beim TSV noch kein Konzept für die Landesliga vorlag.

Was gab den Ausschlag für Condor?
Mich hat damals der Umbruch gereizt, Stück für Stück etwas Neues aufzubauen, nachdem dort viele namenhafte Spieler gegangen sind.

Wie sah Dein Konzept vor der Saison aus?
Wie gesagt, wir wollten gemeinsam etwas Neues aufbauen und ich war bereit, diesen Neuanfang bei Condor durchzuführen und mit jungen, hungrigen Spielern etwas zu bewegen! So sind wir auch alle in die Saison gegangen, wir wussten alle, dass es um den Klassenerhalt geht.

Die meisten Experten hatten Dir vor der Saison den Abstieg prophezeit, was entgegnest du solchen Leuten?
Abstiegskampf ja, Absteigen niemals! Und ich glaube, das lief auch ganz gut. Alle „Experten“ haben uns auf Platz 18 getippt, aber so schlecht wie alle meine Truppe gemacht haben, ist sie nicht!

In der Tat. Der Saisonstart war z.B. sensationell, Ende August standet Ihr mit 10 Punkten aus 5 Spielen auf Platz 5, habt u.a. Buchholz und Bergedorf geschlagen und Altona ein Remis abgetrozt. Zu früh gefreut?
Nein, ich habe immer gesagt, dass es schön ist, dass wir die Punkte geholt haben und dass wir da oben stehen, aber ich wusste auch, dass es nicht so bleiben wird und wir nicht Meister werden…

Danach folgte ein Auf- und Ab, nur ein Sieg aus acht Spielen (1-2-5), dafür aber im neuen Jahr drei Heimsiege aus vier Partien. Kontinuität wollte sich wohl nicht richtig einstellen?!
Bei diesen vielen jungen und unerfahrenen Spielern war doch klar, dass es so läuft. Dafür bin ich schon lange genug dabei. Die jungen Spieler müssen Erfahrungen machen und sie für sich verarbeiten. Ich bin mir sicher, dass das im kommenden Jahr schon ganz anders aussieht.

Nach vier Niederlagen in Serie folgte dann am 11. Mai die Entlassung. Hast du damit gerechnet?
Nein, das habe ich wirklich nicht, da die ganze Saison auch im Umfeld davon gesprochen wurde, dass es nur gegen den Abstieg geht und es auch noch eng werden kann. Deshalb spürte ich das Vertrauen und habe ruhig weiter gemacht.

Ausschlaggebend war wohl das desaströse 0:1 zu Hause gegen Lohbrügge und bis zum 0:5 das Spiel in Curslack: Hast du die Mannschaft nicht mehr erreicht, oder hat sie gar gegen dich gespielt?
Das Spiel gegen Lohbrügge war ein glatte Sechs, stimmt! Aber wenn eine Mannschaft in Curslack 0:5 hinten liegt und dann noch fast den Ausgleicht schafft, kann man glaube ich nicht davon sprechen, dass ich an die Mannschaft nicht mehr ran komme, oder diese gegen mich spielt!

Allerdings hatte Curslack da schon den Spielbetrieb quasi eingestellt und Euch gewähren lassen?!
Trotzdem ist die Entlassung sehr enttäuschend für mich. Das ganze Jahr spricht man von Abstiegskampf und jetzt, wo es ernst wird, traut man es mir nicht mehr zu! Aber manchmal kommt es eben anders, als man denkt…

Wie verlief denn das Gespräch am 11. Mai mit den Condor-Verantwortlichen, bist Du „freiwillig“ zurückgetreten und waren es ausschließlich sportliche Gründe, die zur Trennung führten?
Nein, ich bin nicht zurückgetreten, da ich zu 100 % davon überzeugt war und bin, dass ich es auch mit der Truppe geschafft hätte. Es ist nicht mein Charakter, einfach aufzugeben wenn es schwierig wird. Das Gespräch war fair und sehr emotional. Wir haben die Situation analysiert und ich musste die Entscheidung akzeptieren, dass der Verein ein Zeichen setzen wollte.

Hat die Mannschaft diesen „Impuls“, wie es Condors Pressewart Helmut Bielfeldt formulierte, gebraucht?
So sieht es jetzt zumindest aus...

Das Verhältnis scheint aber noch zu stimmen, du besuchst immer noch die Condor-Spiele. Eine Trennung im Guten?
Der SC Condor ist ein ruhig und gut geführter Verein, das ist auch jetzt noch für mich so - trotz meiner Entlassung! Ich habe mich dort wirklich sehr wohlgefühlt und klar gehe ich da noch hin, schließlich spielt dort meine Truppe und der Trainer Meik Ehlert ist mein Freund! Wir sind definitiv im Guten auseinander gegangen.

Du sagst immer noch „meine Truppe“ und hast kürzlich den Satz gesagt: „Das ist doch noch meine Truppe, natürlich fieber ich mit den Jungs noch mit“. Fühlst Du Dich dennoch von der Mannschaft ein bisschen im Stich gelassen, wenn Du die jüngsten Erfolge (Cordi, Paloma) betrachtest?
Natürlich ist dort ein fader Beigeschmack, und man denkt darüber nach. Aber in erster Linie ist wichtig, dass die Mannschaft in der Oberliga bleibt! Alles andere ist zweitrangig, und wenn meine Entlassung am Ende dazu beigetragen hat, dass alle nochmal wach wurden, ist das auch OK!

Gab es Ärger in der Mannschaft? Man munkelt von „Unstimmigkeiten“ mit Marcel Abshagen?!
Unstimmigkeiten gibt es in jeder guten Ehe. Logisch war ich mit dem einen oder anderen nicht auf einer Wellenlänge, weil er nicht gespielt hat und unzufrieden war. Aber ich sage es noch mal: Nur der Spieler stellt sich auf, nämlich wenn er sich sportlich anbietet. Zu Marcel Abshagen nur soviel: Er ist ein toller Typ und gut für jede Truppe - und wenn er in den Wochen vor dem Altona-Spiel so eine Leistung wie in Curslack gezeigt hätte, hätten wir nie über eine Nichtnomminierung diskutieren müssen.

Weitere Unruhe-Herde?
Natürlich waren nicht alle Spieler zufrieden, das ist in keiner Mannschaft so. Aber ich möchte betonen, dass auch Absi kein Unruheherd war! Diskussionen gehören zum Trainerdasein dazu.

Hast Du Fehler gemacht oder welchen Vorwurf musst Du Dir ggf. selbst machen?
Klar habe auch ich Fehler gemacht.....ich bin ein Mensch! Ich war in der ein oder anderen Situation wohl zu gutmütig.

Du hast ja selbst jahrelang auf höchstem Niveau mit Cordi in der Regional- bzw. Oberliga gespielt und hast einen hohen Erfahrungsschatz, wie war die Zeit damals?
Um es mit einem Wort zu sagen: Geil! Der Aufstieg 1994 mit Cordi in die Regionalliga unter Trainer Bernd Enge war ein Highlight, daran erinnert man sich gerne zurück. Ich war Auswahlspieler der Hamburger U 21-Auswahl und durfte sogar mal zum Probetraining beim damaligen Bundesligisten FC St. Pauli vorspielen.

Und das als HSVer…woran scheiterte die Verpflichtung?
Helmut Schulte hat mich damals für zu schlecht befunden, wobei ich aber auch sagen muss, dass ich als junger Kerl ziemlich beeindruckt von dem ganzen Drumherum bei den Profis war und aus lauter Nervosität leider nicht das abgerufen habe, was ich gekonnt hätte.

Der jetzige Pauli-Erfolgstrainer Holger Stanislawski war ja bei Cordi damals sogar Dein Mitspieler, ebenso wie Jörn Großkopf, Walter Laubinger und Marinus Bester (HSV). Bestehen da noch Kontakte?
Nur im fußballerischen, privat gibt es da keine Verbindungen.

Wie geht es nun weiter mit Dir, schon Pläne?
Erstmal werde ich meine Freizeit genießen und einige Dinge an meinem Haus erledigen. Ich will aber so schnell wie möglich wieder trainieren und hoffe, dass ein Verein mit Perspektive an mich herantritt. An oberster Stelle steht in den nächsten Wochen aber der Gewinn des Seniorenpokals mit den Alten Herren des TSV Wandsetal….vielleicht ja im Endspiel gegen Meik Ehlert und Matthias Bub (lacht).

Stimmt es eigentlich, dass Deine Eltern Cordi-Fans und bei allen Heimspielen in Hinschenfelde dabei sind?
Ja. Das kommt natürlich noch aus meiner aktiven Zeit beim SC Concordia und im Cordi-Fan-Club haben meine Eltern viele Freunde gefunden und gehen noch immer dorthin. Sie sind aber auch sehr häufig bei meinen Spielen. Und die Raute haben wir natürlich auch alle im Herzen - NUR DER HSV (lacht).

Also eine fußballverrückte Familie?
Meine Ehefrau lebt damit seit knapp 22 Jahren. Es ist nicht immer einfach für sie, aber sie weiß auch, dass sie mir eine Leidenschaft aus dem Herzen reißen würde, wenn sie mich zum Aufhören drängen würde.

Du hast Zwillingstöchter (Nina und Svea, 10 Jahre): Kicken die auch schon?
Nein, meine Töchter haben mit Fussi nichts am Hut. Es reicht ja auch, wenn der Papa so verrückt ist…

Am 3. November wirst du 40 Jahre alt, große Feier geplant?
Ein Grund zum Feiern ist das natürlich allemal, aber bislang habe ich mir darüber ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht.

Mike, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen frohe Pfingsten und viel Erfolg für Deine weiteren Trainerstationen!



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