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01.11.2010
Rückblick: Was hast Du bloß angerichtet, Markus Kaya! von




Markus Kaya wird es nicht wissen. Ihn wird das auch zum jetzigen Zeitpunkt kaum interessieren. Dabei ist das gar nicht böse gemeint von ihm. Kaya ist vor wenigen Tagen 31 geworden, ist gebürtiger Berliner und hat sogar schon ein Bundesligaspiel auf seinem Konto. Es war der letzte Spieltag der Saison 1998/99, als er für Jiri Nemec eingewechselt wurde. Kaya trug das Trikot des FC Schalke 04 und half mit, das die Knappen am Ende mit 5:4 (!) beim TSV 1860 München im altehrwürdigen Münchener Olympiastadion gewannen. Weitere Karrierehöhepunkte waren unter anderem das Tor des Monats Mai 2008, als er aus gut 50 Metern das 2:0 gegen Babelsberg für seinen jetzigen Klub erzielte. Auch schoss er für seinen derzeitigen Verein nach vier Jahren das erste Tor in der für diesen Verein eigentlich vorgesehenen Liga. Sie werden sich jetzt bestimmt fragen, warum sie mit diesem gefährlichen Halbwissen torpediert werden! Wenn Sie nun den Namen des Vereins lesen, dann kommen Ihnen bestimmt die ersten Vorahnungen.

Markus Kaya verdient seine Brötchen und den schnöden Mammon bei RW Oberhausen und war daher am Sonntag, den 15. August in Hamburg zugegen, genauer Hoheluft. Der Kaya war es, der nach dreizehn Minuten etwas zu genau zielte und den Pfosten traf. Die Geschichte, wie es weiterging, ist bekannt. Oberhausen tat sich in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Underdog SC Victoria von Minute zu Minute schwerer, Stephan Rahn traf mit einem herrlichen Freistoß nach einer knappen halben Stunde und in den restlichen 60 Minuten war es eine Mischung zwischen Glück und Können, welches dazu führte, dass Vicky die erste Pokalrunde überstand. Das ganze Ballyhoo um den Verein begann, das Fernsehen meldete sich für die Pokalauslosung an, jeder wusste, dass Stephan Rahn gerne Autos verkauft. Wolfsburg wurde gezogen. Nicht der absolute Topgegner wie Bayern, HSV, Werder oder Dortmund, aber doch so groß, dass man Richtung Millerntor abwanderte und dass dieses Spiel für viele wohl den Höhepunkt der Karriere darstellen wird. Dieses Spiel schwirrte in den Köpfen des Vereins herum. Das wird wohl von einigen geleugnet werden, doch die Wölfe waren präsent. Wer will es den Victorianern verdenken. Plötzlich muss man sich darüber Gedanken machen, ob Diego im Raum oder mit Sonderbewachung gedeckt wird. Wie kriege ich die Außen zu, was machen wir, wenn Dzeko (spielte dann nicht) und Grafite zur Topform auflaufen? Bert Ehm istz bei John Ment und muss über sein Nicht-Handschütteln Auskunft geben, SKY ist beim Abschlusstraining dabei. Da blieb für den SC Condor oder den Oststeinbeker SV wenig Platz in der Konzentration. Und so geht momentan die Saison des Meisters SC Victoria so dahin. Fünf Niederlagen waren es bis zu diesem Wochenende, es sollte die sechste dazu kommen. Die Köpfe, die Emotionen, die Leidenschaft, das alles war noch beim Dienstag. Die Reise nach Meiendorf hatten nur die körperlichen Hüllen angetreten. Am Ende gab es eine auch in der Höhe verdiente 0:3-Pleite beim MSV. Normalerweise nicht schlimm, beim MSV darf man verlieren, doch in dieser Saison ist das ja eigentlich gar nicht der richtige MSV. Der Schatten des SC Victoria verlor also beim Phantom MSV. Dass nun Jan Melich angeblich keine Lust mehr hat, beim SC Victoria zu spielen, weil er im DFB-Pokal nicht eingesetzt wurde, hinterlässt ebenfalls keinen guten Eindruck, zumindest vom Spieler.

Victoria hat nun mehr Niederlagen als Siege aufzuweisen, liegt auf einem nicht für möglich gehaltenen elften Platz. Hinter Schnelsen, hinter Condor, hinter dem OSV, hinter allen Erwartungen und siebzehn Zähler von den Braun-Weißen entfernt. Und wer hat Schuld? Richtig, der Markus Kaya. Wäre sein Pfostenschuss im Tor gelandet, die erste Runde hätte den normalen Werdegang genommen. Kurz vor der Halbzeit das 0:2 für Oberhausen, am Ende 0:3 oder 0:4, RWO wäre weiter gewesen, Vicky hätte sich gefreut, gut mitgehalten zu haben und hätte sich auf die Liga konzentriert. Damit müssen Sie nun leben, Herr Kaya! Es wird ihm egal sein, Kaya hat andere Sorgen. Am Sonntag gab es eine deftige 0:3-Heimpleite gegen Augsburg. Und übrigens, Nachfragen bei Germania Windeck sind erlaubt. Die dachten letztes Jahr, dass das Spiel gegen Schalke im DFB-Pokal das größte Spiel der Vereinsgeschichte sein würde. Ein Jahr später kam man wieder in die Verlosung und zog den FC Bayern München. Manche werden sich noch an den Präsidenten Heinz Georg Willmeroth erinnern, der im Aktuellen Sportstudio so sehr grinste, das einen Tag später so manches Honigkuchenpferd seinen Job quittierte. Victoria ist im Pokal ja noch vertreten. Die Bayern warten!

Wer weiß, für was diese Spielabsage letzte Woche in Wedel gut war. Wahrscheinlich wären die Meiendorfer mit einer gehörigen Portion Druck und ein wenig Angst nach SH gefahren, mit dem Wissen ausgestattet, heute muss gewonnen werden, sonst wird es für uns und den Trainer immer enger. Der Regen hatte etwas gegen die Austragung der Partie und so konnte sich der MSV auf Victoria konzentrieren, in dem Bewusstsein, als Außenseiter in die Begegnung zu gehen. Eine bessere mentale Ausgangslage für die krisengeschüttelten Meiendorfer. Und endlich klappten Sachen, die in den Vorwochen nie funktionierten. Der Gegner ging endlich mal nicht mit der ersten Chance in Führung, endlich setzte der MSV das erste Ausrufezeichen, endlich folgte sogleich das zweite und endlich stand bei Abpfiff die Null hinten. Endlich gab es den dritten Saisonerfolg und keinen wird es mehr freuen und bestätigen als Trainer Lutz Göttling.

Hätte wohl keiner gedacht, dass das Treffen der Meiendorfer mit den Victorianern das Duell eines Abstiegskandidaten mit einer grauen Maus sein wird. Ein richtiges Spitzenspiel gab es an diesem Wochenende aber auch gar nicht. Es fällt jedoch auf, dass die Außeroberligischen etwas sterblicher wirken als im September oder in der ersten Hälfte des Oktobers. Gegen BU langte es mit Mühe und Not zu einem 3:2 auf heimischem Terrain. „Mit etwas Glück wäre ein Punkt drin gewesen“, ließ sich BU-Trainer Thomas Hoffmann zitieren. Komische Sätze, kennt man so gar nicht von den Gegnern des FC St. Pauli. Normalerweise hörte sich das bisher so an. „Das ist eine ganze andere Liga“, oder „da können wir nicht mithalten“, oder „wir können vom Glück reden, dass wir nur fünf bekommen haben“. So oder so ähnlich war es bisher zu vernehmen. Solange es jedoch immer zu drei Punkten reicht, wird das neue Vokabluar Jörn Großkopf nicht unglücklich machen.

Wer ist die beste Mannschaft in den letzten sieben Spielen gewesen? Richtig, die Jungs aus Buchholz. Sechs Siege, ein popeliges Unentschieden, das ist mal eine Ansage. Man möchte als Außenstehender fast heulen, dass der Start der Niedersachsen in die Grütze ging (2-1-3). Der Sieg gegen überforderte Mannen aus Rugenbergen setzte die Erfolgsserie fort. Ein Nobody namens Arne Gilich war per Doppelpack der Mann des Tages. Wirklich sehr überraschend und originell! Die lassen sich in Buchholz immer wieder etwas Neues einfallen. Entweder gibt Gillich die Vorlage oder Gillich markiert das Tor. An 20 von 25 Toren war die AG beteiligt. Das sind, Taschenrechner kurz herausgeholt, genau 80 Prozent. Wenn sie irgendwo einen Spieler kennen, der eine ähnliche Quote zu diesem Zeitpunkt der Saison bei einem Verein aufzuweisen hat, melden sie sich bitte bei mir und schicken mir eine Mail.

Buchholz überholte damit mal wieder Curslack. Ein Überholmänover, welches in den letzten Kurven bzw. Spieltagen des Öfteren vorkam. Sei es von der einen Partei, sei es von der anderen. Curslack hatte an diesem Wochenende aber auch die etwas schwierige Aufgabe vor der Brust. In Norderstedt kam CN „nur“ zu einem 1:1. Das „Nur“ durfte deswegen in diese Zeile, da Norderstedt erst drei Minuten vor dem Abpfiff zum Ausgleich kam. Ansonsten dürfen Spill und Co. Bisher zufrieden sein mit dem Saisonverlauf, Curslack macht generell einen konstanteren Eindruck als letztes Jahr.

Es sind klangvolle Namen, die da am Freitag im Sportpark Hinschenfelde aufeinandertrafen. Beide Namen haben jedoch schon bessere Zeiten in einer traditionsreichen Historie erleben dürfen als diese Momentaufnahme Ende Oktober 2010. Altona siegt beim SC Concordia unter glücklichen Vorzeichen mit 3:2. Thomas Seeliger, seines Zeichens Trainer des AFC, wird unter Umständen am Mittwoch DFB-Pokal gesehen haben. Da verschoss der gute Patrick Helmes für seine Leverkusener in der regulären Spielzeit einen Foulelfmeter (an ihm verübt), sodass es in Gladbach in die Verlängerung und danach ins Elfmeterschießen ging. Dort trafen alle Profis von Gladbach und Leverkusen, bis auf, genau, Patrick Helmes. Gleiche Ecke, gleiche fehlende Präzision, fertig war das Ausscheiden. Seeliger entschied sich vor dem Spiel dafür, den guten Mario „Harry“ Jurkschat mitzuteilen, dass er an diesem Tage unter keinen Umständen ein Elfmeter schießen würde. Grund war sein Fehlschuss aus der Vorwoche gegen Buchholz in der letzten Minute. Nun gut, Altona drömelte über eine halbe Stunde so vor sich hin, als würde es die 93er gar nichts angehen, dass sie ein Punktspiel bei den Concorden absolvierten. Dann kam Jurkschat im Strafraum zu Fall, der Elfmeter wurde gegeben und Jurkschat wird vielleicht eine Zehntelsekunde gedacht haben, den haue ich rein. Dann kam Seeligers Stimmer wieder ins Gehirn und schon hatte Jan Savelsberg den Ball in der Hand. Es ist so, wie wenn ein Kind Stubenarrest hat, dies kurzzeitig vergisst und bei der Frage, ob es jetzt rausgehen darf, schon merkt, dass da doch irgendetwas war, was dieses Unterfangen unmöglich macht. Altona gewann gegen Cordi, weil es Moral bewies, weil es Glück hatte, weil es ein Eigentor als Geschenk annahm und weil es spät traf. Viele Eventualitäten halfen dieses Mal mit. Das passiert jedoch nicht jede Woche. Besonders bitter war für die Marienthaler, dass sie vor der Pause beim Stand von 2:1 einen klaren Elfmeter nicht bekamen. So konnte man schon zur Halbzeit die Uhr danach stellen, wann es für den SC böse ausgehen würde.
Es ist gar nicht so einfach, die gefährdete Abstiegszone einzugrenzen. Macht man den Strich bei Victoria oder bei Norderstedt? Hmm..! Also Wedel gehört sicherlich dazu, diese Feststellung hat keinen revolutionären Charakter, denn Wedel bleibt Letzter der Staffel. In Bergedorf machte sich der TSV lange die Mühe, seinen ramponierten Ruf des auswärtsschwächsten Teams zu polieren. Erst in der Schlussphase belohnten sich die Bergedorfer für ihr Anrennen mit zwei Toren, wodurch sie Kranichs Führungstreffer für die Gäste alt aussehen lassen konnten.

Die zweitbeste Heim-Mannschaft der Liga ist der Oststeinbeker SV. Die meisten Heim-Gegentore, nämlich 18, musste bisher hinnehmen? Der OSV. Beides mag damit zusammenhängen, dass der letztjährige Aufsteiger mit acht Partien schon ganz schön viele Spiele auf eigenem Grund und Boden austragen durfte. Aber es darf auch auf eine schön offensive Spielausrichtung der Oststeinbeker schließen lassen, denn immerhin haben sie in diesen acht Spielen schon 22 Tore erzielen können. Gegen harmlose und erschreckend schwache Bramfelder zauberten die OSVer eine Halbzeit lang, das Sturm-Duo Pohlmann und Hiob sorgte für die dazugehörigen Tore. Viele hatten mit einem Abstiegskampf der Kohfahl-Truppe gerechnet. Dieser mag auch noch kommen, doch bisher sind sie, Nebenkriegsschauplätze hin oder her, weit weg von dem Geschehen im Keller. Respekt!

Gefreut haben wird er sich sicherlich nicht. Da hat der Frank Hüllmann schon so seine Sorgen, dass sich beim Umziehen, beim Warmlaufen, beim Atmen, beim Aufstehen, beim Waschen, beim Arbeiten, beim Schlafen, beim Irgendwas keiner seiner Spieler mehr verletzt, da wird dann auch noch Thiemo Kieckbusch wegen eines gar nicht so brutalen Fouls gleich glatt mit Rot des Platzes verwiesen. Daher war Hüllmann mit dem siebten (!) Remis in dieser Spielzeit durchaus zufrieden, welches seine Resterampe am frühen Morgen beim SC Condor in Unterzahl über die Zeit rettete. Bei der alten Zwei-Punkte-Regelung würde sich das harmoniebedürftige Verhalten seiner Mannschaft, die anderen kriegen einen Punkt und wir kriegen einen Punkt, gar nicht so negativ auswirken. Der USC stünde vor BU, vor Rugenbergen, wäre einen Zähler hinter Schnelsen und hätte zumindest einen Punkt Vorsprung vor dem Abstiegsabgrund. So ist es die Tordifferenz und die Erkenntnis, das Unentschieden zwar für Harmonie sorgen, aber auch zum Abstieg führen können.

Kein Schnoor, keine Punkte! Nee, nee, nee! So einfach ist diese Milchmädchenrechnung dann doch nicht. Der Schnoor, der Stefan, kam nicht zum Einsatz für Germania Schnelsen im Derby gegen Niendorf, da es etwas Wichtiges in Spanien zu tun gab. Machte aber nichts, denn gegen den Nachbarn zeigten die Germanen vielleicht die beste Leistung in dieser Saison und gewannen verdient mit 2:0. Die zweite Zahl gibt darüber Auskunft, dass die Schnelsener Defensive es gut verstand, Davide Pedroso Bussu aus dem Spiel zu nehmen. Keine Selbstverständlichkeit, denn DPB hatte in den letzten Spielen gefühlte 78 Tore mit 200 Stundenkilometern auf dem Gewissen und verbreitet nicht zu Unrecht Angst und Schrecken in der Oberliga. Doch gegen Schnelsen blieb er wirkungslos. Ganz nebenbei musste Ingo Glashoff seine erste Niederlage als Niendorfer Trainer hinnehmen und erklären. Es sei ihm der Song von Stefan Waggershausen und Victor Lazlo aus den späten 80ern Jahren empfohlen. „Beim ersten Mal tat es noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr“, heißt es in den Zeilen des Liedermachers und der belgischen Schönheit. Tja, so richtig trösten wird es ihn nicht.


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