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25.05.2017
Kommentar: Osdorfs merkwürdige Titelsucht von Mirko Schneider

Dieser Kommentar startet mit einer Preisfrage: „Es ist mir egal, auf welchem Tabellenplatz wir einlaufen. Die Hauptsache ist, wir schaffen unser Ziel, den Klassenerhalt.“ Wer hat das gesagt? Bei richtiger Antwort würden Ihnen drei Punkte winken. Wenn die Zähler nicht schon beim Oberligisten TuS Osdorf gelandet wären. Dessen Trainer Peter Wiehle ist der Urheber des Zitats. Immer wieder bestritt der 47-Jährige auf Nachfragen der Journalisten nach grandiosen Siegen höhere Ambitionen.

Jetzt, am Saisonende, wirkt Wiehles Motto „Klassenerhalt über alles“ so weltfremd wie die Versuche des SV Lurup in den vergangenen zwei Saisons, so etwas Ähnliches wie Fußball zu spielen. Die Osdorfer schmücken sich nämlich stolz mit einem Titel: „Bester Aufsteiger der Saison 2016/17.“ Die Osdorfer Facebookseite verkündete vor zwei Tagen um 18.31 Uhr jubilierend: „Jetzt gehts Schlag auf Schlag! Condor bekommt für Freitag keine Mannschaft zusammen. Somit wird der HFV die Partie 3:0 für uns werten. Ein Lob nochmal an unsere Mannschaft, die geschlossen unbedingt spielen wollte, um die Punkte nach Osdorf zu holen.“

Wer sich dieser Selbstbeweihräucherung anschließt und auf die juristisch korrekte Handlungsweise des Clubs vom Blomkamp verweist, liegt grandios daneben. Fünf Oberligaspiele wurden am 19. Mai wegen eines schweren Gewitters abgebrochen. Der Spielausschuss des Hamburger Fußball-Verbandes unter seinem Vorsitzenden Joachim Dipner traf daraufhin unter der Berücksichtigung des Umstandes, dass die Teams nach Saisonende nun mal zu großen Teilen in Urlaub fahren, die einzig richtige Entscheidung. Er baute den betroffenen Vereinen eine Brücke, wie sie goldener nicht sein konnte. Der Deal lautete: Einigt euch gebührenfrei auf das Ergebnis bei Abbruch, dann machen wir das so. Clever und juristisch korrekt sicherten Dipner & Co. ihre Entscheidung formal einwandfrei über die Rechts- und Verfahrensordnung des Verbandes, § 4, Absatz 2 ab. Dort heißt es: „In Fällen, für die die Regelungen der Satzungen und Ordnungen nicht ausreichend sind, ist nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung des sportlichen Gedankens zu entscheiden.“

Neun Vereine, die übrigens teilweise ebenfalls noch Plätze hätten gutmachen können so wie die nun auf Rang sechs die Saison abschließenden Osdorfer, verwandelten dankend diesen Elfmeter. So wurden die Begegnungen Niendorf – Süderelbe (4:1), Rugenbergen – Victoria (1:2), Curslack – Halstenbek (1:1) und Concordia – Kosova (1:1) gewertet. Osdorf jedoch weigerte sich, das 2:2 beim SC Condor gelten zu lassen, bestand auf einer Wiederholungspartie. Damit hat der Club ein grandioses Eigentor geschossen und seine durch hervorragende sportliche Leistungen in dieser Saison mit Recht gewonnene sportliche Reputation in der Oberliga stark beschädigt.

Um den Titel „Bester Aufsteiger“ zu erlangen, waren den Jungs vom Blomkamp – denn es wurde immer wieder betont, die Mannschaft habe die Entscheidung gefällt, was an sich schon merkwürdig ist, da es sich hier um eine Angelegenheit der Vereinsführung handelt – die Nöte der Condoraner einfach egal. Am Berner Heerweg versuchten sie alles, um für Freitag ein Team auf die Beine zu stellen. Eine Mischung aus ganz wenigen Spielern der ersten Mannschaft sowie der zweiten Mannschaft, der A-Jugend und den Alten Herren. Es war sogar im Gespräch, die Senioren antreten zu lassen. Parallel bemühte sich der Club in Osdorf um Verständnis, stieß aber auf taube Ohren. Selbst gegen einen nicht im Ansatz konkurrenzfähigen Gegner wäre der Aufsteiger lieber angetreten und hätte nachher in der Kabine fröhlich einen Kantersieg begossen, als sich auf ein Remis einzulassen.

Schließlich kapitulierte Condor und teilte dem Verband mit, nicht anzutreten. Dafür muss der HFV den Club nun laut Gebührenordnung mit einer Strafe von 400 Euro belasten. „Wir wissen, dass 400 Euro viel Geld ist, aber es hätte keinen Sinn gemacht, unter diesen Umständen zu spielen“, sagte Condors Manager Marco Krausz. Condors Trainer Christian Woike bewertete das Verhalten der Osdorfer als „schade". Und er sagte noch einen schönen Satz: „Wenn Eitelkeit und Egoismus siegen, dann geht das meistens nicht gut aus.“

Recht hat er! Das Verhalten des Tus Osdorf in dieser Angelegenheit hat, um es unmissverständlich klarzustellen, mit fairem Sportsgeist nichts zu tun! Einen Gegner, der unverschuldet aufgrund einer Sondersituation gar keiner ist, mit allen Mitteln schlagen zu wollen, bringt nur in der Tabelle etwas ein. Sport ist aber mehr als eine Platzierung am Saisonende. Die Hamburger Amateurfußballszene ist auch so etwas wie eine große Familie. Und in einer solchen sollte dieses Verhalten, nur um einen imaginären „Titel“ zu erringen, ganz einfach tabu sein. Man gilt als Fußball-Romantiker, wenn man daran erinnert. Das beweist allerdings nur, wie nötig es in diesen Zeiten ist, daran zu erinnern.

Ironie des Schicksals ist es übrigens, dass Osdorf in dieser Saison mehrfach immense Fairness zuteil wurde, beispielsweise bei den Problemen mit dem Flutlicht auf eigener Anlage, als sich sowohl die Verantwortlichen des VfL Pinneberg (Neuansetzung) als auch die von Altona 93 (knapp zwanzigminütige Unterbrechung) in ihren Kommentaren sehr sportlich zeigten.

Der TuS Osdorf hat in dieser Saison viel Kraft daraus geschöpft, als vermeintlicher Absteiger Nummer eins aus der Außenseiterrolle heraus glänzenden Fußball zu bieten. Kämpferisch sowieso überragend – und spielerisch viel ansehnlicher als von vielen sogenannten Experten vor der Spielzeit vermutet. Er hat seine Fans glücklich gemacht, sich Respekt in der Hamburger Amateurfußballszene erworben, auch und gerade bei den Hamburger Medien, die der Club stets vorbildlich behandelt hat. Dafür sei allen im Verein gedankt. Dass ihr, liebe Osdorfer Mannschaft, die beste Spielzeit eurer Vereinsgeschichte nun mit einem Image-GAU abschließt, ist schade. Um „Bester Aufsteiger“ zu werden, habt ihr in Kauf genommen, das schlechteste Team des letzten Spieltags zu sein. Dafür werden euch drei Sympathiepunkte abgezogen. Mindestens!

(Der Autor vertritt seine Meinung unabhängig von der Redaktion)



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