24.02.2026 Vorschau: In 80 Tagen um die (Oberliga-)Welt von Andreas Killat
Haben Sie auch schon Entzugserscheinungen, liebe HAFO-Leser? Seit 81 Tagen hat kein Punktspiel mehr stattgefunden (zuletzt am 7. Dezember). Gleich vier (!) Spieltage mussten wegen des „sibirischen“ Winters verlegt werden – und so startet die Gamesright Oberliga Hamburg an diesem Wochenende bereits mit dem 25. Spieltag in die „Rückrunde“. Dabei geht es ab jetzt Schlag auf Schlag, denn in den kommenden 80 Tagen (bis zum Saisonfinale am 15.5./17.5.) müssen 14 komplette Spieltage absolviert werden (hinzu kommen neun Nachholspiele). Und es ist wohl schwer damit zu rechnen, dass weitere Absagen folgen werden (die Rasenplätze dürften bei so viel Wasser kaum bespielbar sein).
Damit der Appetit auf echten Amateurfußball nach der langen Pause wieder wächst, stehen gleich echte „Schmankerl“ auf dem Speise- bzw. Spielplan. Neben dem Top-Duell „MiB“ (Mitten in Barmbek), wo die heimstarken „Tauben“ die personell stark aufgerüsteten Dassendorfer empfangen, dürfte auch am Kiesbarg ordentlich Feuer unter dem Dach sein. Dazu ist fast der komplette „Keller“ unter sich: Türkiye, Buchholz und HR empfangen zu Hause direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.
Übrigens geht es kurz nach dem Abpfiff am Sonntagnachmittag schon am Dienstag/Mittwoch unter der Woche mit dem 24. Spieltag weiter – und weitere zwei Tage danach (ab 6. März) startet der 26. Spieltag! Das sind drei Spieltage (oder 27 OL-Partien) in nur 10 Tagen! Genießen Sie es, liebe HAFO-Leser. Schließlich war die Pause lang genug.
FC Süderelbe (7.) vs. ETV (2.) – Freitag, 19:30 Uhr (Hinserie: 3:1)
Kiesbarg, 21149 Hamburg
Die 0:4-Klatsche vor der Winterpause beim Aufsteiger Nikola Tesla steckt den „Kiesbarglern“ noch ein wenig in den Knochen, aber trotzdem „blickt der FC Süderelbe mit großer Zuversicht auf die laufende und kommende Saison und ist überzeugt, mit personeller Konstanz und Leidenschaft bestens aufgestellt zu sein“, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Seit dem (Wieder-)Aufstieg vor 12 Jahren hat man sich zu einer festen Mittelfeldgröße entwickelt, in den vergangenen Jahre erreichte man die Plätze 10,9,7,11,12,10. Der „Ausbildungs-Klub“ ETV hat wieder ganze Arbeit geleistet. Vor einem Jahr wechselte Piet Scobel (damals 19 Jahre) zur U23 nach Nürnberg (und hat es zwischenzeitlich zu diversen Profi-Einsätzen gebracht), in diesem Winter sind Merlin Sinanovic (Hannover 96 II) und Josh Görtzen (Norderstedt) in die Regionalliga gewechselt – und im Sommer folgt Farid Dibamba (19) den Spuren von Scobel und wechselt ebenfalls nach Nürnberg. „Wir sind durch die Abgänge tatsächlich noch jünger geworden“, schmunzelte ETV-Coach Can Schultz und führt an: „Was das Talent angeht, sind wir weiterhin gut aufgestellt. Wir haben das Potenzial, dass es richtig Spaß machen kann, uns zuzugucken“. HAFO-Tipp: Mit viel Leidenschaft (im Bein) wiederholt der FCS die Hinspiel-Überraschung: 3:1
“Unsere starke Hinrunde hat gezeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft, dem Verein und dem Umfeld steckt“, bilanzierte ETSV-Trainer Jan-Philipp Rose und ergänzte: „Wir wollen jeden Spieler kontinuierlich weiterentwickeln und gemeinsam das Maximum in dieser Spielzeit herausholen“. Der tragische Verlust von Kapitän Sebastian Hertner (verstarb durch einen entsetzlichen Unfall) hat das Team noch enger zusammengeschweißt: „Wir werden in jedem einzelnen Spiel alles für ‚Basti‘ geben“. „Wir wollen das Ding rocken. So ein Sieg gegen Dassendorf kann viel Energie freisetzen und eine gewisse Eigendynamik entwickeln“, hofft Chefcoach Ümit Taytanli nach dem Sieg im Pokal-Achtelfinale. So ein „Schub“ ist auch in der Liga dringend nötig, denn bisher blieb man weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. HAFO-Tipp: “Schub“ gibt es nur für den ETSV-Zug: 4:1
Schiedsrichter: Mark Niklas Späth (VfL Lohbrügge)
SC Victoria (4.) vs. TSV Sasel (9.) – Freitag, 19:30 Uhr (Hinserie: 3:0)
Lokstedter Steindamm 87, 22529 Hamburg
„Ich würde mich freuen, wenn wir endlich mal wieder normal trainieren können“, so SCV-Coach Sascha Bernhardt vor 14 Tagen – und sprach damit wohl den meisten Trainer-Kollegen aus der Seele. Inzwischen sind die (Kunstrasen-)Plätze glücklicherweise abgetaut und einige Einheiten absolviert. Gespannt darf man auf die beiden neuen Stürmer sein: „Mit Charles Kouakou (SV Eichede) und Michael Gries (Billstedt) haben wir mehr Optionen und sind schwerer auszurechnen“, freut sich Liga-Manager Michel Massing. “Wir können mit der Vorbereitung zufrieden sein. Die Testspiele waren wirklich vielversprechend“, zog TSV-Coach Jan Ramelow ein positives Winter-Fazit. Dies gilt auch für die Liga, wo man mit 28 Punkten in direkter Schlagdistanz zu Platz 6 steht und mit 51 Toren den viertbesten Angriff stellt. HAFO-Tipp: Wenn der TSV spielt, sind Tore garantiert (bisher u.a. 9:1, 0:6, 2x 4:4, 6:2, 5:0 und 2:7). Das wird ein wilder Fight: 4:3
Schiedsrichter: Florian Schwarze (MSV Hamburg)
FC Teutonia 05 (6.) vs. HT 16 (8.) – Samstag, 12:00 Uhr (Hinserie: 4:2)
Kreuzkirche, Holstentwiete 47, 22763 Hamburg
„Unentschieden? Was ist das“, sagt man sich an der Kreuzkirche. Sämtliche 21 Pflichtspiele in dieser Saison wurden gegen Oberligisten absolviert (19x in der GOL und 2x im Pokal) – und noch nie gab es ein Remis (11-0-10)! „Langfristig wollen wir zu den Top Fünf gehören“, verkündete HT-Präsident Ahmet Sahin im Interview mit „fussifreunde“ selbstbewusst: „Aber wichtig ist, dass wir kleine und gesunde Schritte machen“. In den letzten sieben Partien gelang allerdings nur ein Sieg (1-2-4), trotzdem steht der Klub als Aufsteiger glänzend da. HAFO-Tipp: In der Heim- bzw. Auswärtstabelle stehen beide Teams jeweils auf Platz 4. Das „riecht“ also nach einem Unentschieden: 1:1
Schiedsrichter: André Heinrich (FSV Harburg-Rönneburg)
USC Paloma (5.) vs. TuS Dassendorf (3.)*** – Sonntag, 10:45 Uhr (Hinserie: 1:3)
Brucknerstr. 24, 22083 Hamburg
„Das war saisonübergreifend ein überaus erfolgreiches Jahr 2025“, bilanzierte USC-Coach Marius Nitsch nach 67 erzielten Punkten (20-7-7) im Kalenderjahr 2025 und (nach 2024) dem erneuten Erreichen des Pokalfinals, sowie dem Einzug ins aktuelle Viertelfinale. Nur die vielen Spielausfälle haben ihn „etwas genervt“. Im März stehen für den USC somit sieben (!) Partien auf dem Programm. „Nationalspieler-Alarm“ im ehemaligen Meisterdorf! Mit Max Kruse (37) landete die TuS einen echten Coup auf dem Transfermarkt. „Ich freue mich auf richtig geile Oberliga-Spiele“, ließ Kruse verlauten und freute sich natürlich insbesondere auf seinen alten Kumpel aus SCVM-Jugendzeiten: „Nochmal mit Martin (Harnik) zusammenzuspielen – das wird ein Highlight“. Hinzu kommen weitere acht (!) Neuzugänge (u.a. Kukanda, Nuxoll, Grünberg, Ay, Dittrich, Hartwig). HAFO-Tipp: In einem Taxi ließ „Pokerface“ Max Kruse einst viel Geld liegen. In Barmbek hingegen bleiben keine Punkte liegen: 3:4
Schiedsrichter: Daniel Gawron (TuS Osdorf)
FC Türkiye (16.) vs. FK Nikola Tesla (14.) – Sonntag, 13:00 Uhr (Hinserie: 2:5)
Karl-Arnold-Ring 3, 21109 Hamburg
“Wir schaffen den Klassenerhalt – zu 100%“, ist sich das FCT-Trainerteam Tolga Odabas und Roman Schmer sicher. „Wir werden die Rückrunde ganz anders angehen“, so Odabas gegenüber „fussifreunde“. Auch beim Aufsteiger ist man sicher, den Klassenerhalt zu schaffen. „Wir haben eine Mega-Qualität. Es gibt keine Ausreden mehr, es liegt allein an uns“, so Coach Nils Hachmann. „Wir haben den Kader jetzt so strukturiert, dass wir auf jeden Fall im Mittelfeld der Oberliga stehen müssen“. Mit den Neuzugängen Finn Fenske, Jed Adotey, Mete Tonyali und Stürmer Ede Zimmermann (ETSV) will man ab sofort durchstarten. HAFO-Tipp: Der März hat es für die Wilhelmsburger mit sechs richtungsweisenden Partien gegen direkte Konkurrenten in sich (Tesla, TuRa, HEBC, Curslack, Billstedt, HT16). Gleich zum Start gibt es einen herben Dämpfer: 1:3
Um es mit dem berühmten Heidedichter zusagen: „Hermann Löns, die Heide brennt“. Nach vier Niederlagen aus den letzten fünf Partien steht der TSV nach 20 Jahren durchgehender Oberligazugehörigkeit aktuell bereits mit einem Bein in der Landesliga. Die beiden kommenden Partien gegen HEBC und Tesla (4. März) haben da fast schon vorentscheidenden Charakter. Die „Reinmüller-Elf“ ließ vor der Winterpause mit Unentschieden gegen Dassendorf (0:0) und ETV (3:3) aufhorchen. Und die Auswärtsfahrten in die Nordheide sind für die Eimsbütteler stets ein Vergnügen: In den letzten Jahren blieb man dort immer ungeschlagen (3-3-0). HAFO-Tipp: Den letzten TSV-Heimsieg gegen die Lila-Weißen gab es vor 20 Jahren. Torschütze zum 4:1-Endstand war damals übrigens ein gewisser Christoph Behrens. Der steht diesmal zwar nicht (mehr) auf dem Rasen, wechselt dafür aber mit einem „goldenen Händchen“ die richtigen Joker zum 3:2-Sieg ein.
Mit nur 18 absolvierten Partien gehört der NTSV zu einem Quintett von Oberliga-Teams, die in den kommenden 80 Tagen noch 16 Begegnungen bestreiten müssen (also alle fünf Tage ein Spiel). Das ist einerseits gut, um in den „Nachholern“ ein paar Extra-Punkte zu sammeln, birgt aber auch die Gefahr, durch die Belastungen noch weiter nach unten auf Platz 14/15 durchgereicht zu werden. Das würde akute Abstiegssorgen auslösen, schließlich würden etwaige Regionalligaabsteiger (Pauli II, Altona, Norderstedt) die Anzahl der OL-Absteiger erhöhen. Mit einem 5:1-Feuerwerk gegen Teutonia verabschiedete sich TuRa kurz vor Nikolaus in die Winterpause. Auswärts hängen die Trauben allerdings deutlich höher, denn bis auf den 7:3-Kantersieg beim Tabellenletzten Curslack hagelte es auf fremden Boden ausschließlich Niederlagen. HAFO-Tipp: Im November und Dezember blieb der NTSV ungeschlagen (2-2-0). Die Serie hält: 2:0
Ob die Partie wirklich stattfinden kann/wird? Die für den 24.02. vorgesehene Nachholpartie gegen Paloma wurde jedenfalls bereits letzte Woche erneut verlegt (auf Ende April), da der Rasen noch gesperrt war. „Es reicht in allen Belangen nicht, um in dieser Liga zu bestehen“, machte SVCN-Coach Olaf Poschmann in der Winterpause aus seinem Herzen keine Mördergrube. Nur 7 Punkte und 100 (!) Gegentore geben dem 58jährigen recht. Trotzdem steht die Mannschaft voll hinter dem Trainer-Team – und der Verein setzte mit der Vertragsverlängerung (!) ein Zeichen. Sportchef Torsten Henke: „Die Trainer haben unser uneingeschränktes Vertrauen. Was vor ein paar Monaten noch alles gut war, kann jetzt auf einmal nicht alles schlecht sein“. HAFO-Tipp: Die Erinnerungen an das Hinspiel sind noch allgegenwärtig. Nach 3:0-Pausenführung (und 4:2 nach gut einer Stunde) wurde HR noch mit 4:7 vermöbelt. Für Heiko Barthel war es das Ende als Coach. Diesmal ist kein Trainer in Gefahr: 2:2
Schiedsrichter: Gerhard Ludolph (Hoisbütteler SV)
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