21.03.2026 "Das Ziel steht am Ortseingang" von Andreas Killat
vs.
TuS Dassendorf – Niendorfer TSV 2:0 (2:0)
TuS Dassendorf: Wendt – Kleine, Nuxoll, K. Carolus, Kukanda (66. Büyüksakarya) – Kurt (66. Dettmann) – von Knebel, Möller, Kruse (73. Graudenz), Ay (66. Kobert) – Harnik (73. Kurczynski) Niendorfer TSV: Graefe – Akugue (88. Bernitt), Huneke (62. Casale), Krüger, Kuchenbecker, Neumann (84. Khalaf) – Merkle, Speck (84. Le. Meyer) – Heiduck, Brückner – Kutschke (84. Dohrn) Tore: 1:0 Nuxoll (16.), 2:0 Harnik (44.) Schiedsrichter: Johannes Mayer-Lindenberg (HTB): Leider viele Fehlentscheidungen (Ecken, Freistöße, Gelbe Karten). Besonders krass der nicht gegebene Handelfmeter für Niendorf (47.). Unerklärlich, wie er (und sein Assistent) das übersehen konnten. Beste Spieler: Kurt, Carolus – Neumann, Brückner Zuschauer: 347
„Das Ziel gebe nicht ich vor, sondern steht am Ortseingang“, scherzte TuS-Coach Özden Kocadal auf die Frage, ob nun von ihm wieder die Meisterschaft als Ziel ausgerufen wird – und meinte damit, dass der Name „Dassendorf“ (Ortsschild) Programm genug sei. Durch den gestrigen 0:1-Patzer des ETSV hat es die TuS nun wieder selbst in der Hand, zumal die Gerüchteküche kräftig brodelt. Angeblich haben die „Eisenbahner“ nämlich seit Wochen kein Geld mehr bekommen…
Während die Dassendorfer in früheren Jahren mit einem 22er-Kader über die Runden (und zu Meisterehren) kamen, stehen durch die vielen Winterneuzugänge aktuell 36 (!) Spieler auf der Gehaltsliste. „Das ist Fluch und Segen zugleich“, so Kocadal: „Ich musste schon viele „böse“ Nachrichten an Spieler verschicken, wenn sie nicht im Kader sein können. Klar, dass man da bei einigen in Ungnade fällt. So eine Situation hatte ich bisher noch nicht“. So fanden sich heute gleich acht (!) Spieler im Aufgebot der zweiten Mannschaft beim Kreisliga-Derby in Curslack wieder (u.a. Maggio, Brown, Palo, Pietruschka, Kremberg).
Auf dem Platz kam es dafür heute zur Premiere: Die „Medienstars“ Martin Harnik und Max Kruse gemeinsam in der Startelf (und in der 73. Minute auch gemeinsam vom Feld). Und die beiden präsentierten sich gleich als eingespieltes Duo: Kruse mit dem Zuckerpass auf Harnik, der aber kurz vor dem Strafraum vom eigenen Mitspieler Johann von Knebel umgelaufen wird (3.). Der nächste Versuch folgte umgehend: Wieder Kruse durch das Zentrum auf Harnik, der sich diesmal zu weit nach rechts abdrängen lässt, wo sein Schuss geblockt wird (9.). „Einstudiert“ dann die Führung: Okan Kurt mit dem Eckball von links auf den ersten Pfosten, Nuxoll hält energisch den Kopf rein: 1:0 (16.). „Da geht mir als Trainer das Herz auf“, freute sich Kocadal – schließlich hatte man im Abschlusstraining explizit Standards geübt.
Es folgten weitere Gelegenheiten durch Karim Ay ans Außennetz (20.), von Knebel knapp drüber (30.) und nach tollem Zuspiel von Kruse erneut von Knebel, der beim Abschluss geblockt wird (40.). Niendorf verteidigte über weite Strecken mit einer 5-4-1 Formation, wobei die „Sturmspitze“ 40 Meter vor dem Tor in der eigenen Hälfte stand. Doch trotz gefühlt 90% Ballbesitz blieb den Hausherren zunächst ein zweiter Treffer verwehrt. Im Gegenteil: Mit der ersten guten Aktion fast der Ausgleich für die Gäste: Ante Kutschke feuert einen Freistoß aus 35 Metern Richtung linken Giebel. Aber TuS-Keeper Max Wendt zeigt seine ganze Klasse und lenkt die Kugel noch zur Ecke (43.). „Wir machen das Spiel und die kommen aus 70 Metern fast zum Ausgleich“, war Kocadal fassungslos. Aber dieser Warnschuss verfehlte nicht seine Wirkung: Kruse mit einer starken Balleroberung und dem Zuspiel auf Kurt. Der schaut kurz hoch und schickt Harnik mit einem 50-Meter-Pass auf die Reise. Der Ex-Profi steuert ruhig und gelassen auf das NTSV-Gehäuse zu und schiebt das Leder ganz cool zum 2:0 ins lange Eck (44.). Da klatschte sogar Farhadi nach dem Abpfiff symbolisch Beifall („Da können sich unsere Jungs was abgucken“).
Kurz nach der Pause dann eine krasse Fehlentscheidung von Referee Mayer-Lindenberg: Nach Zuspiel von Kutschke wird Leon Neumann im TuS-Strafraum von Kukanda „bearbeitet“, geht dabei aber selbst zu Boden und fällt mit den Händen/Armen auf den Ball (47.). Gefühlt ist der TuS-Verteidiger mehrere Sekunden mit beiden Händen am Leder – aber zur Überraschung aller Beteiligten gibt es keinen Elfmeter. „Den hat er gut gefangen“, scherzte ein Zuschauer. Eindeutiger geht es eigentlich nicht. Wer weiß, wie die Partie ansonsten gelaufen wäre. Die nächste Chance zum Anschlusstreffer hatte Merkle (nach Brückner-Ecke), der aus wenigen Metern haarscharf am rechten Pfosten vorbeiköpfte (55.).
Kurz vor seiner Auswechslung zeigt Max Kruse bei zwei Freistößen aus jeweils rd. 23 Metern nochmal seine Klasse, aber beide Schüsse werden sichere Beute von NTSV-Keeper Graefe (64./70.). Kurios: Die drei frischen Kräfte in einer gemeinsamen Aktion mit der dicken Gelegenheit zum 3:0. Erst wird der Schuss von Graudenz aus 14 Metern geblockt, der Nachschuss von Kobert wird von der Linie gekratzt und schließlich setzt Kurczynski den dritten Versuch ans Außennetz (78.). Wahnsinn. Das hatte jedoch keine weiteren Folgen, weil auf der Gegenseite „Joker“ Leandro Casale ebenfalls glücklos blieb bzw. an der herausragenden Fußabwehr von Wendt scheiterte (90.).
In der Tabelle ist die TuS damit mit dem ETSV gleichgezogen. Und vor dem großen Showdown am 2. April werden wohl nochmal alle 36 TuS-Spieler gemeinsam mit Kocadal den Ortseingang „besuchen“. Der Weg ist das Ziel.
Stimmen:
Ali Farhadi (Trainer Niendorfer TSV): Mit den Mitteln, die uns momentan zur Verfügung stehen, was das mehr als gut heute. Natürlich ist das Ergebnis blöd. Leider führt gleich die erste Ecke zum Gegentor. Aber danach waren wieder im Spiel. Und dann hat Harnik gezeigt, wie man von der Mittellinie ruhig bleibt und das Ding ganz cool in die Ecke schiebt. Zur Halbzeit haben wir uns vorgenommen, hier kein Kanonenfutter zu sein. Und das machen die Jungs gut. Kein Gegentor, das war bärenstark. Wir hätten gerne auch ein Tor gemacht, die Chancen waren da. Aber ich bin absolut zufrieden. Jetzt kommen die Spiele, in denen wir punkten müssen (Curslack, Billstedt).
Özden Kocadal (Trainer TuS Dassendorf): Es war sehr schwer heute auf diesem Rasen und dann gegen eine 5er-Kette plus einen Viererblock davor. Dafür haben wir es gut gemacht, sehr geduldig! Beim 1:0 ist mir als Trainer das Herz aufgegangen, weil wir noch am Donnerstag beim Training Standards geübt haben. Meine Spieler haben heute sehr viel Energie transportiert und die Ziele des Vereins vorangetrieben. Wir haben noch acht Wochen und ich hoffe, dass wir es bis ans Ende durchziehen können. Das Saisonziel (Meisterschaft) formuliere nicht ich, sondern das Ziel steht am Ortseingang („Dassendorf“).
Statistik: Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1949): 24 Spiele, 15 Siege, 4 Remis, 5 Niederlagen, 46:25 Tore
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