06.04.2026 Pokal: Im Scho(o)ngang, mit Glück und Verstand ins Finale! von Redakteur
Stefan Knauß
präsentiert:
Lotto-Pokal, Halbfinale
vs.
HEBC – USC Paloma 6:5 n.E. (0:0) HEBC: Schoon – Grünewald, von Zitzewitz, Wrede, Eggers, Garcia (85. Diekmann) – Wilhelm (67. Lemke), Aug, Stech, Köhler (10. Magens, 85. Verago)) – Schick (46. Scalzi) USC Paloma: Grundmann – Jacob (85. Leptien), Burmeister, Blumauer, Adjei – Niemann, Topcu – Keßner, Jacobs, Blunck (65. Spranger) – Lekaj (65. Fane) Elfmeterschießen: 1:0 Lemke, 1:1 Jacobs, 2:1 Wrede, 2:2 Spranger, 3.2 Diekmann, 3:3 Adjei, 4:3 Scalzi, 4:4 Topcu, 5:4 Stech, 5:5 Niemann, 6:5 Aug Schiedsrichter: Daniel Gawron (TuS Osdorf): Überwiegend sehr gut mit einigen kleinen Fehlern, die beide Teams gut verkraften konnten. Beste Spieler: Schoon, Eggers, Wrede – Topcu, Keßner Zuschauer: 714
Die frühe Anstoßzeit um 10:45 Uhr konnte nicht verhindern, dass sich noch 25 Minuten nach Anpfiff lange Schlangen vor den beiden Eingängen bildeten. Der „Reinmüller“ platzte aus allen Nähten. Ähnlich wie 1983, als HEBC zum letzten Mal ein Halbfinale in einem Pokal-Wettbewerb gewinnen konnte. Einige Spieler von damals schauten heute zu. Vorab hatten einige der früheren Recken (Ulli Natusch und Christian Wriedt) den Jungs von HEBC Trainer Philipp Obloch in einem Video viel Erfolg für die Partie gewünscht. Tolle Aktion in einem Club, der ähnlich wie der USC Paloma von seiner familiären Umgebung profitiert. Ein Hoch auf das Ehrenamt!
Paloma musste nicht so lange auf das nächste Halbfinale warten. Trainer Marius Nitsch nach Abpfiff: „Auch wenn die Jungs das jetzt nicht mehr aufnehmen, aber man muss hervorheben, dass wir dreimal hintereinander ins Halbfinale gekommen sind.“ Mit Unterstützung zahlreicher Fans, die auch am Reinmüller entweder vom Balkon (Christian Merkle) oder direkt hinter der Bank (Carsten Gerdey) beste Aussicht auf ein spannendes Spiel mit allerdings überschaubarem Niveau hatten. Sogar HSV Co-Trainer Loic Fave ließ sich blicken. Bestimmt um mal wieder die scheinbar taktische Ideenlosigkeit der Amateur-Trainer zu kritisieren, wie er das bereits in seiner Vergangenheit als ETV-Trainer genüsslich tat.
Spielerisch war das auf jeden Fall eine zähe Angelegenheit. So merkte ein der Redaktion bekannter Zuschauer an: „Da hätte ich ja noch meinen Geschirrspüler ausräumen können.“ Hart gekämpft wurde aber um jeden Zentimeter. Jedoch immer fair. Früh musste HEBC Stürmer Tjorven Köhler mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden (10.). Zuvor besaß Köhler eine von insgesamt zwei Torabschlüssen der Lila-Weißen im gesamten Spiel. „Tjorvi“ köpfte nach einem Freistoß frei auf Palomas Keeper Tjark Grundmann. Der zweite Abschluss gelang Chris Grünewald als er mit links abzog und nur knapp den rechten Pfosten aus 16 Metern verfehlte (27.).
HEBC stand tief in der eigenen Hälfte. Und wartete auf Umschalt-möglichkeiten. Aber Paloma spielte die Partie total seriös und fast fehlerfrei im Aufbau durch. Defensiv ließ die Mannschaft von Nitsch nichts anbrennen. Offensiv fanden die Tauben aber zu selten den Abschluss. Oder in HEBC Keeper Jannik Schoon einen hervorragenden Torwart, der trotz nicht gerader überragender Körperlänge (1,87m) nahezu jeden hohen Ball ganz sicher herunter pflückte und auch in seinem Stellungsspiel als letzter Mann vor dem eigenen Kasten sehr gut antizipierte. Lediglich mit dem Fuß am Ball gibt es sicherlich noch Luft nach oben. Nach einer Flanke von Michel Blunk köpfte Lennart Keßner quer und Fabian Jacobs kommt frei zum Kopfball. Schoon hält den Ball glänzend auf der Linie (22.). Wenig später ist der Keeper beim Herauslaufen knapp vor Blunck am Ball, nachdem dieser von Lekaij bedient wurde ( (34.). Das war es schon an Höhepunkten in der ersten Hälfte.
Und die zweite Halbzeit ist schnell erzählt. Paloma hatte das Spiel unter Kontrolle ohne die richtig zwingenden Chancen. HEBC verteidigte überwiegend souverän, auch wenn Janek Wrede, Jorma Eggers und Lionel von Zitzewitz gelegentlich Fehler unterliefen. Diese bügelten sie immer wieder aus. Wrede und Eggers gewann fast 100 % der Kopfballduelle. Im Mittelfeld ackerten Basti Stech und Laurel Aug gegen Ball und Gegner. Es war wie immer, wenn die beiden Teams aufeinander treffen. Eng und knapp. HEBC rettete sich ins Elfmeterschießen. Die ersten fünf Strafstöße verwandelten die Schützen beider Teams humorlos und ganz sicher. Obloch: „Klar haben wir das am Samstag auch geübt. Aber das ist ja nicht die gleiche Situation.“ Da gewann übrigens alt gegen jung. Nitsch: „Unsere Jungs haben das auch souverän gemacht.“ Beim sechsten Strafstoß ging HEBC 6:5 in Führung, weil Aug ganz frech den Ball in der Mitte versenkte. Keßner trat für Paloma an und schoss wie zuvor alle seiner Vorgänger in die linke untere Ecke. Schoon parierte glänzend. Ende! Grenzenloser Jubel auf der Heimseite. Tränen und Trauer auf der Gegenseite. Das ist Pokal. Nitsch: „Elferschießen ist Lotterie. Das tut mir leid für meine Jungs, die 90 Minuten überlegen waren.“ Aber am Ende zählt nur das Ergebnis. Schoon: „Ich meinte am Donnerstag zu Speedy schon, ich kann keine Elfmeter. Ich wusste heute aber, dass die Jungs die Dinger machen. Das haben wir gegen Buchholz auch so gemacht. Und mit Glück oder wie auch immer hält man dann einen. Das Glück war dann auf meiner Seite. Ist schon ein krasses Gefühl jetzt im Finale zu stehen.“ Aber: Erfolg ist kein Glück! Und 90 Minuten zuvor zeigte der Keeper eine sehr gute Leistung. Schoon: „Ich fand wir haben heute nichts zugelassen und das habe ich so auch ausgestrahlt.“
Obloch auf die Frage nach einem Wunschgegner: „Ich wünsche mir lieber nichts, das kann mir nur um die Ohren fliegen.“ HEBC trifft im Finale auf Vorwärts Wacker, die heute den ETSV mit 1:0 besiegten. Immerhin konnte sich HEBC in der Liga schon zweimal gegen die Star-Truppe aus Billstedt durchsetzen. Aber das heißt gar nichts. Immerhin lag HEBC gegen Paloma in der Liga auch zweimal hinten.
Marius Nitsch (Trainer USC Paloma): Gerade in der zweiten Halbzeit hat man gemerkt, dass es für HEBC doch etwas zu verlieren gab. Umso dichter die 90. Minute kam, umso mehr wurden die Bälle hinten nur noch raus gepöhlt, keine Struktur mehr und wir haben uns festgesetzt in deren Hälfte. Es war vom Gefühl her nur eine Frage der Zeit, wann noch mal einer reinrutscht. Can hatte noch eine Riesenchance. Aber ist im Pokal am Ende immer ein KO-Spiel, wo leider nicht immer der verdiente Sieger weiterkommt. Wir hatten es ja auch schon mal, dass wir vielleicht glücklich weitergekommen sind. Von daher gebührt der Respekt dem HEBC und der Verein ist auch zu beglückwünschen und dann auch über den gemeinschaftlichen Spirit vielleicht im Finale etwas zu holen. Ich drücke ihnen die Daumen!
Philipp Obloch (Trainer HEBC): Oh, das war schon ein anstrengender Tag, bzw. die letzten drei Tage waren schon anstrengend. Ich muss mir wohl nach wegen der Anspannung mal eine Massage gönnen (lacht). Aber das fällt so langsam auch von alleine ab. Wir haben vor dem Spiel noch ein kleines Video zusammen geschnitten, mit den alten Pokalhelden von vor 43 Jahren und ein paar Statements von denen. Ich hoffe, dass die Jungs von heute Morgen in 20 Jahren auch so ein Video schicken können. Das ist schon ein Super Moment gerade. Es bedeutet mir viel, dass wir ins Finale kommen. Wenn man sieht, wie die Saison super schwer und zäh angefangen hat und obwohl wir jetzt lange nicht mehr verloren haben immer noch so nah an der Gefahrenzone dran sind, dann bedeutet mir das sehr viel, dass wir so ein Highlight für alle Beteiligten kreieren und schaffen konnten. Wir haben schon von der ersten Runde an gesagt, dass der Pokal eine Chance bietet, eine Highlight-Saison zu schaffen. Das war sehr schwer heute. Es war offensiv gefühlt sehr wenig von uns. Das war nicht viel. Aber vom Gegner war das auch nicht viel. Paloma ist eine sehr gute Mannschaft, die sind auf allen Positionen gut besetzt. Sind auch physisch sehr stark. Wahrscheinlich war das Elfmeterschießen heute nur der Weg, der möglich war.
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