26.04.2026 Mit Blut und Schweiß von Andreas Killat
präsentiert:
vs.
USC Paloma – ETSV Hamburg 3:2 (1:0)
USC Paloma: Grundmann – Jacob, Burmeister, Spranger, Adjei – Y. Albrecht (79. Rust) – Koschorreck (68. Lekaj), Topcu (79. Buttler), Keßner, Leptien (56. Niemann) – Fané (79. Blunck) ETSV Hamburg: Müller – Appiah (75. Sendzik), Duah, Siemsen, Abdul Rauf – Monteiro, Qestaj (62. Düzgüner) – Jahraus (46. Selutin), Kömürcü (75. Borck), Krasniqi – Heil (62. Akyol) Tore: 1:0 Koschorreck (45.), 2:0 Topcu (47.), 3:0 Koschorreck (59.), 3:1 Siemsen (69.), 3:2 Siemsen (77.) Schiedsrichter: Alexander Teuscher (SC Eilbek): Der Marathon-Mann (vor fünf Tagen in Boston teilgenommen) hatte eine leichte Tendenz zum Heimschiedsrichter. Insbesondere das nicht gegebene 0:1 (21.) verärgerte den ETSV nachhaltig. Beste Spieler: Y. Albrecht, Koschorreck, Topcu, Keßner, Spranger – Müller, Abdul Rauf, Siemsen Zuschauer: 155
„Der Schiedsrichter hat uns ein klares Tor aberkannt, sonst läuft das Spiel ganz anders“, schimpfte ETSV-Coach Jan-Philipp Rose nach dem Abpfiff – und lederte auch noch gleich gegen den Verband: „Die Ansetzung in 48 Stunden am Dienstag gegen Victoria ist eine Frechheit. Wir haben jetzt fünf Spiele in drei Wochen“. In der Aufregung nach der Niederlage vielleicht noch verständlich, aber Rose „vergaß“ dabei geflissentlich, dass durch den harten Winter fast alle Teams noch ein straffes Programm haben – und die „Eisenbahner“ durch die kurzfristige Absage vor 14 Tagen selbst für den vollen Terminkalender gesorgt haben. Ganz anders natürlich die Stimmung bei den Hausherren: „Ein großartiges Spiel meiner Mannschaft. Sie hat heute gezeigt, was alles geht und was in ihr steckt. Das hat heute sehr viel Spaß gemacht“, jubelte USC-Coach Marius Nitsch – und durfte sich über die Fortsetzung einer unglaublichen Serie freuen: Seit 29 Monaten (!) hat man kein Spiel mehr gegen den ETSV verloren (zuletzt am 19.11.2023).
Die Partie der „verhinderten Pokalfinalisten“ (beide scheiterten im Halbfinale) begann mit sehr defensiven Hausherren und dominanten Gästen. Schon nach wenigen Minuten hatte „Superstar“ Erolind Krasniqi aus spitzem Winkel das 0:1 auf dem Fuß, aber Felix Spranger rettete kurz vor der Linie (7.). Die (aus Sicht der Gäste) „spielentscheidende Szene“ dann eine knappe Viertelstunde später: Krasniqi mit der scharfen Hereingabe aus dem linken Halbfeld. USC-Keeper Tjark Grundmann lässt abprallen und Blerim Qestaj (oder Ridel Monteiro?) stochern das Leder über die Linie (21.). Aber Referee Alexander Teuscher hatte ein Foul am Schlussmann gesehen. „Dabei ist der in unsere Spieler reingesprungen“, schimpfte Rose. Und das Pech bleib den „Eisenbahnern“ treu: Wieder Krasniqi aus halblinks, wieder kratzt Spranger den Ball von der Linie (31.).
Erst kurz vor der Pause nahmen auch die (bisher ausschließlich in der Defensive tätigen) Gastgeber am Spielgeschehen teil. Grundmann mit dem langen Ball auf Fané, der das Leder umgehend für Koschorreck auflegt. Der 22jährige Flügelflitzer hatte kurz zuvor viel (Nasen-)Blut auf dem Platz gelassen, feuerte dann aber knallhart aus 14 Metern ins kurze Eck zum 1:0 (45.). Riesenjubel beim USC – und fast sogar noch der zweite Treffer hinterher, aber Topcu von der Strafraumgrenze haarscharf am linken Giebel vorbei (45.+1).
Mit diesem Schock ging der Meisterschaftsfavorit in die Kabine – und kam auch nach der Pause zunächst nicht mit dem Rückstand klar. Albrecht mit einer starken Ecke von rechts, Topcu läuft von hinten durch und köpft sehenswert zum 2:0 ein (47.). Es sollte der Auftakt zu einer „wilden“ zweiten Halbzeit mit gefühlt 20 guten Torchancen sein. Schon 150 Sekunden später schlenzt auf der Gegenseite Abdul Rauf die Kugel aus 14 Metern an den linken Innenpfosten (50.). Und so ging es – auf beiden Seiten – im Minutentakt weiter. Fast unmöglich, hier alle Chancen aufzuführen. Nitsch: „Wir standen mindestens fünfmal alleine vorm Torwart“ (58. Koschorreck/65. Fané/88. Jacob/90. Keßner/90.+3 Buttler). Zum Teil haarsträubend fahrlässig vergeben – aber der dritte Treffer fiel trotzdem: ETSV-Keeper Müller kann zunächst einen Keßner-Schuss abwehren, aber der Nachschuss von Koschorreck sitzt: 3:0 (59.).
Party-Stimmung an der Brucknerstraße! Doch die „Eisenbahn“ war noch nicht komplett zum Erliegen gekommen, sondern „rollte“ noch. „Wir haben Charakter gezeigt“, war Rose stolz, dass sich sein Team nicht dem Schicksal ergab, sondern es (wie die Bayern gestern in Mainz) nochmal wissen wollte. Zweimal Ecke (Krasniqi von links und Düzgüner von rechts), zweimal Siemsen: nur noch 2:3 (69./77.). Jetzt haderte Nitsch mit den vergebenen Top-Chancen zum 4:0 durch Fané (65./66.) und es wurde laut und hektisch auf dem Platz. ETSV drängte auf den Ausgleich, aber wieder ist es Spranger, der einen Schuss von Selutin blocken kann (85.). Zum Ende hin viele Konter für die Hausherren mit 1:1-Situationen alleine vorm ETSV-Keeper (s.o.) – aber es blieb beim 3:2-Sieg. Eine Wahnsinns-Partie, in der auch ein 6:5 oder 4:4 möglich gewesen wäre.
Stimmen:
Jan-Philipp Rose (Trainer ETSV Hamburg): Wir hatten uns viel vorgenommen und sind auch gut in die Partie gestartet. Ich rede zwar nicht gerne über den Schiedsrichter, aber uns wurde ein klares Tor aberkannt (21.). Der Torwart rennt in unseren Spieler rein. Wenn der Treffer zählt, dann geht das Spiel ganz anders aus. Nach dem 0:3 hätten sich andere Teams aufgegeben, aber meine Mannschaft hat Charakter bewiesen. Wir hätten noch den Ausgleich verdient gehabt. Auf diese Leistung bin ich sehr stolz. Für uns geht es jetzt Schlag auf Schlag, in 48 Stunden haben wir mit Victoria den nächsten Top-Gegner. Da verstehe ich den Verband mit der Ansetzung nicht. Wir haben jetzt fünf Spiele in drei Wochen, müssen deswegen schnell regenerieren und wollen Dienstag drei Punkte holen. Wir haben es in eigener Hand und wollen die Meisterschaft klarmachen.
Marius Nitsch (Trainer USC Paloma): Ich bin sehr sehr happy mit der heutigen Leistung. Wir haben nahtlos an die gute zweite Halbzeit in Niendorf angeknüpft. Ein großartiges Spiel meiner Mannschaft. Aus dem Spiel heraus haben wir nicht viel zugelassen, hatten Krasniqi und Kömürcü sehr gut im Griff. Und vorne haben wir uns unzählige Torchancen erspielt. Wir müssen am Ende fast noch hadern, dass wir nicht das vierte und fünfte Tor machen. Wir stehen fünfmal alleine vorm Torwart, das kann dir schnell um die Ohren fliegen. Aber wir sind auch nach dem 2:3 nicht hektisch geworden und haben gegen die beste Mannschaft der Oberliga verdient gewonnen. Die Mannschaft hat heute gezeigt, was alles geht und was in ihr steckt. Das hat heute sehr viel Spaß gemacht.
Statistik: Gesamt-Punktspielstatistik aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 6 Spiele: 3 Siege, 1 Remis, 2 Niederlagen, 11:11Tore
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