„Das Bootcamp hat uns trotz aller Quälereien zusammengeschweißt“, war der neue TuS-Coach Oliver Zapel voll des Lobes über das harte Trainingslager vor einigen Wochen. Doch die gute Vorbereitung fand sich heute nur selten auf dem Platz wieder. „Nach der guten Anfangsphase wurde das Spiel deutlich träger und zäher, mit viel Quergeschiebe und vielen unnötigen Ballverlusten. Das hat leider an alte Zeiten erinnert, die wir nicht wiederholen wollten“. Ein kleiner Seitenhieb auf den letztjährigen Kader und Staff. Apropos „Staff“: Neben Zapel arbeiten jetzt gleich drei (!) Co-Trainer: Mustafa Akgül, Georges Thierry und Sven Schneppel. Ebenfalls neu am Wendelweg: Friedhelm Mienert (Analyst). Hinzu kommen noch die altbekannten Gesichter Jogi Ohle (Athletik-Trainer) und Stani Lenz (Torwart-Trainer). Zusammen mit Hakan Karadiken (Sportchef) und Frank Flatau (Teammanager) ein gewaltiger Funktionärs-Apparat.
Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge gegen den ETSV (siehe „Statistik“ am Ende des Berichtes) hatten sich die Gastgeber viel vorgenommen. „Body-Builder“ Lucas Irmler von der linken Eckfahne mit der scharfen und präzisen Hereingabe und der durchgestartete Fabian Graudenz aus zehn Metern mit der Direktabnahme – krachend an die Latte (3.). Aber auch die „runderneuerten“ Gäste kamen gut rein: Erst spielt Hayato Nakazawa einen starken Steilpass auf Ishmael Schubert-Abubakari, der aus 15 Metern halblinker Position an Keeper Jasper Rump scheitert (21.), dann zieht Nikita Marusenko von der Strafraumkante ab und Rump mit viel Mühe zur Ecke (24.).
Und es ging weiter munter hin und her. Nach einem starken Ballgewinn von Stürmer Jens Wollesen (erinnert nicht nur wegen der Rückennummer 9 ein bisschen an Robert Glatzel) steckt Graudenz das Leder perfekt für Manuel Pulido durch, der völlig „blank“ vor Keeper Osuke Hashiguchi auftaucht, doch sein Lupfer geht knapp links vorbei (28.). Nur Sekunden später die gleiche Kombi: Wieder ist es Graudenz mit dem Zuspiel auf Pulido, der im Fünfmeterraum haarscharf am Ball vorbeirutscht (29.). Danach wurde es allerdings deutlich ruhiger („träge und zäh“, so Zapel). Irgendwann wurde es dem TuS-Coach zu bunt: „Wenn ihr einen Stuhl braucht, sagt Bescheid“, rief er seiner bewegungsarmen Offensive zu. Nach dem Match machte er allerdings deutlich, dass die mangelnde Laufbereitschaft ihren Ursprung in der Defensive hatte: „Das war mir viel zu viel Quergeschiebe im Spielaufbau. Wir müssen von hinten aktiv nach vorne spielen, sonst können sich die Stürmer auch nicht in Position bringen“.
Die „Strafe“ (O-Ton Zapel) folgte auf dem Fuße: Marusenko mit dem Eckball von links und am Fünfmeterraum darf Yannick Siemsen ungehindert zum 0:1 einköpfen (44.). ETSV-Cheftrainer Manuel Demir hatte es Sekunden vorher genau so angekündigt. Die „schwarze Serie“ gegen die Eisenbahner schien also ihre Fortsetzung zu nehmen.
„Wir haben in der Pause klare Worte gefunden“, so Zapel. Doch die erste Chance hatten wieder die Gäste: Mete Tonyali von links mit einem herrlichen Außenrist-Pass ins Zentrum, wo Taiki Iimura nur eine Fußspitze zum 0:2 fehlt (49.). Aufatmen bei der TuS, die nun ihrerseits auf den Ausgleich drängte. Nach tollem Zuspiel von Max Düwel kommt Andy Appiah fünf Meter vor dem Kasten unbedrängt zum Abschluss, aber die bessere Rückgabe ist für Keeper Hashiguchi kein Problem (56.). Ein paar Minuten später ist es wieder Düwel mit dem perfekten Assist, doch Pulido schießt freistehend dem Keeper in die Arme und vergibt damit auch seine dritte gute Gelegenheit (65.).
Danach plätscherte die Partie fast zwanzig Minuten vor sich hin. Zapel wurde zwar nicht müde, sein Team anzufeuern, aber es wollte nun kaum noch etwas gelingen. Ein „Weckruf“ (der ungewollten Art) gab es durch die Gelb-Rote Karte gegen Elia Boakye, der Schubert-Abubakari mit voller Wucht abräumte und in die Bande checkte (82.). Nun war Dassendorf in Unterzahl plötzlich wieder aktiver. Nur 100 Sekunden nach der Hinausstellung pariert der ETSV-Goalie sensationell gegen Düwel, aber die Szene bleibt „heiß“ – und Kristian Bako trifft aus 16 Metern in den rechten Giebel zum 1:1 (84.). Es war allerdings die letzte gute Aktion der Partie – und nach nur drei Minuten Nachspielzeit pfiff der gute Referee Vardar ab.
Stimmen:
Manuel Demir (Trainer ETSV Hamburg): Für mich war das heute ein absolutes Topspiel. Dassendorf hat genau so gespielt, wie wir es erwartet haben. Wir haben ihnen bewusst viel den Ball überlassen. Dassendorf hatte viele Torchancen, aber unser Torwart hat gut gehalten. Kurz nach der Halbzeit können/müssen wir das 2:0 machen, dann geht es hier anders aus. Insgesamt haben wir ein gutes Spiel gemacht, haben viel und gut gegen den Ball gearbeitet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft.
Oliver Zapel (Trainer TuS Dassendorf): Es war ein typisches erstes Saisonspiel mit in- und extern hoher Erwartungshaltung. Wir haben gute Kombinationen gezeigt und hatten viele Chancen – aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Gerade in der Anfangsphase sind viele unserer Ideen aufgegangen. Danach wurde das Spiel deutlich träger und zäher, mit viel Quergeschiebe und vielen unnötigen Ballverlusten. Das hat leider an alte Zeiten erinnert, die wir nicht wiederholen wollten. Und es war wohl ein Zeichen von Strafe, dass wir dann auf einmal im Rückstand sind. Kompliment an meine Mannschaft, dass sie in Unterzahl noch den Ausgleich erzielt hat. Ich bin nicht enttäuscht, aber bei der Anzahl guter Torchancen musst du das Spiel eigentlich gewinnen. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.
Statistik: Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1949): 25 Spiele: 8 Siege, 3 Remis, 14 Niederlagen, 44:50 Tore
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