USC Paloma: Grundmann – Adjei, Jacobs (46. Burmeister), Spranger, Küffner (79. Blunck) – Niemann – Möller (62. Jacob), Keßner, Düzgüner, Leptien (62. Lekaj) – Merkle (79. Fané) SC V/W 04 Billstedt: Gruhne – Kühn, Doege, Nuxoll, Rönnau – Cone (76. Al-Furati), Kurt – Kremberg (62. Wiedemann), Grünberg (62. Ghubasaryan), Isik – Degener (46. Graca Marques, 85. Burmester) Tore: 1:0 Merkle (29.), 1:1 Isik (44.), 1:2 Doege (90.+5) Schiedsrichter: André Heinrich (FSV Harburg-Rönneburg): Über weite Strecken sehr aufmerksam mit vielen richtigen Zweikampfbeurteilungen und korrekten Gelben Karten. Zum Ende aber mit einigen diskussionswürdigen Entscheidungen (wie z.B. die beiden nicht geahndeten Szenen mit dem Ellenbogenschlag von Grundmann gegen Wiedemann (66.), oder das Handspiel von Burmeister, 90.+4). Beste Spieler: Möller, Küffner (beide 1.Hz) – Kühn, Isik Zuschauer: 230
„Heute war es schon deutlich enger, vielleicht holen wir ja nächste Saison ein Unentschieden im ersten Heimspiel“, lächelte USC-Coach Marius Nitsch nach dem Abpfiff etwas gequält auf die Nachfrage, warum es inzwischen im vierten Jahr in Folge (!) immer Niederlagen zum Auftakt an der Brucknerstraße gibt (letzte Saison 0:3 gegen Niendorf, davor 1:4 gegen Buchholz und 1:3 gegen Altona).
Die Hausherren taten sich gegen die defensiven Gäste (Nitsch: „So tief hatte ich Wacker nicht erwartet“) sehr schwer. Bis auf einen harmlosen Distanzschuss von Moritz Niemann (28.) hatte V/W-Keeper Christian Gruhne im ersten Durchgang eigentlich nichts zu tun – lag aber trotzdem plötzlich mit 0:1 im Rückstand. Til Küffner mit der lang gezogenen Hereingabe aus dem linken Halbfeld und im Zentrum kommt Lennart Merkle aus sieben Metern völlig ungehindert zum Kopfball. Das Leder klatscht an den rechten Innenpfosten und von dort in die Maschen (29.). Mindestens genauso aus dem „Nichts“ der Ausgleich: Aytunc Isik vom linken Strafraumeck mit einer Art Bogenlampe Richtung USC-Gehäuse. Niemann will auf der Linie klären, kommt aber zu spät: 1:1 (44.).
Auch nach der Pause seltsam lethargische Palomaten. Nach einer Stunde rief Nitsch ins Feld: „Bewegung! Alle mehr!“. Doch der Ruf verhallte ungehört. Billstedt war nun deutlich aktiver und hatte durch Alex da Graca Marques (nach feiner Vorarbeit von Moritz Kühn) die Chance zum 1:2, doch seine Direktabnahme aus 12 Metern strich übers Gehäuse (62.). Kurz danach viel Glück für den USC: Keeper Grundmann hat den Ball bereits in den Händen, springt dabei Marvin Wiedemann an und trifft ihn deutlich sichtbar mit dem Ellenbogen im Gesicht (66.). Über „Rot“ und Elfmeter für Billstedt hätte sich bei den Barmbekern niemand beschweren können. Doch Referee Heinrich (bis dahin mit tadelloser Leistung) beurteilte die Szene offenbar komplett anders und ließ weiterlaufen. Der (zu Recht) sichtlich aufgebrachte V/W-Coach Ümit Taytanli sah sogar noch den Gelben Karton. Es ehrt ihn, dass er nach dem Spiel die Aktion nicht weiter thematisieren wollte („Ich habe es anders gesehen und akzeptiere die Gelbe Karte“).
Danach plätscherte die Partie dem Ende entgegen. Erst Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit die Riesengelegenheit für den perfekten Sechs-Punkte-Start der „Tauben“. Samuel Jacob mit einer präzisen Flanke vom rechten Flügel, Lekaj kommt aus vier Metern im Fallen mit dem Kopf ran – köpft aber genau in die Arme von Gruhne, der im Nachfassen auf der Linie zupacken kann (89.). „Der muss eigentlich drin sein“, haderte Nitsch mit dem vergebenen Matchball. Doch es sollte sogar noch schlimmer kommen.
Wiedemann zieht über links in die Box und will das Leder in die Mitte heben – aber Tom Burmeister „blockt“ mit erhobener Hand zur Ecke (90.+4). Eigentlich ein klarer Handelfmeter. Aber Wacker hadert nicht, sondern bringt die Ecke durch Ghubasaryan scharf vors Tor. Oliver Doege setzt entschlossen nach und befördert die Kugel im Fallen aus spitzem Winkel irgendwie zum 1:2 ins lange Eck (90.+5). Riesenjubel bei den Gästen, Enttäuschung pur beim USC. „jetzt kommt das Pokalspiel und dann Vicky, da müssen wir es eben besser machen“, so Nitsch kämpferisch.
Stimmen:
Ümit Taytanli (Trainer SC V/W 04 Billstedt): Hier bei Paloma ist es immer sehr schwer. Von daher sind wir heute sehr glücklich. Wir haben heute ganz bewusst eine etwas tiefere Startaufstellung gewählt und wollten uns für den schlechten Auftritt von letzter Woche rehabilitieren. Eigentlich war es ein klassisches Unentschieden-Spiel, aber den Lucky-Punch nehmen wir natürlich gerne mit.
Marius Nitsch (Trainer USC Paloma): Das war natürlich ein ganz bitterer Zeitpunkt. Vom Spielverlauf her hätte ich hier gerne einen Punkt mitgenommen. Wir hatten viel Ballbesitz, so tief hatte ich Wacker nicht erwartet. Wir wurden in unserer Hälfte ja gar nicht angelaufen. Leider waren wir heute im Offensivspiel nicht sehr flexibel und haben uns sehr schwer getan. Das 1:1 war Slapstick, den wollte er garantiert nicht so aufs Tor schießen. Bei beiden Gegentoren sahen wir jedenfalls nicht gut aus. Da waren wir viel zu zaghaft und wollten uns nicht weh tun. Ich hätte mir gewünscht, dass wir da konsequent hingehen und im Zweifel eine Platzwunde riskieren. In der zweiten Halbzeit war Wacker einen Tick besser, wir haben etwas die Struktur verloren. Da fassen wir uns an die eigene Nase.
Statistik: Gesamt-Punktspielstatistik aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 39 Spiele, 16 Siege, 7 Remis, 16 Niederlagen, 71:75 Tore
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