„Man muss auch verlieren können“, ärgerte sich TuS-Coach Oliver Zapel nach dem Abpfiff über das (aus seiner Sicht) „respektlose“ Verhalten von Gäste-Coach Jan-Philipp Rose, der schon vor dem Anpfiff offensichtlich nur sehr widerwillig zum üblichen „Handshake“ bereit war – und direkt nach der Pressekonferenz umgehend wort- und grußlos verschwand. Zuvor hatte Rose in der PK den Gegner und dessen (starke!) Leistung mit keinem Wort gewürdigt, sondern nur von „eigenen Fehlern“ gesprochen. Das stieß Zapel äußerst sauer auf („Ich bin etwas überrascht, dass man nach einem 6:0-Sieg offensichtlich nur von Fehlern gelebt hat. Aber es muss jeder selbst wissen, wie man damit umgeht“). „Ich bin kein schlechter Verlierer und ich weiß nicht, warum hier solche Aussagen kommen. Das prallt an mir ab“, konterte Rose. Mächtig „Beef“ am Wendelweg! Irgendetwas muss da wohl zwischen beiden vorgefallen sein, aber trotz Nachfrage wollte Rose nichts weiter sagen („Sonst müsste ich hier weit ausholen“). Was wiederum Zapel ärgerte: „Dann muss man auch Butter bei die Fische tun, wenn solche Anspielungen kommen“. „Alles gut, herzlichen Glückwunsch“, meinte Rose und verschwand.
Zuvor musste er ein historisches Debakel seiner Mannschaft mit ansehen. Ähnlich hoch verlor der AFC zuletzt vor 14 Jahren (0:5 in Meiendorf am 21. April 2012). Schon nach 12 Minuten (!) führten die Gastgeber – nach einer Galavorstellung - mit 3:0. „Wir haben sie schwindelig gespielt“, war Zapel mächtig stolz auf sein Team. Der „Dreierpack“ wurde dabei binnen 360 Sekunden geschnürt: Nach starker Balleroberung von Andy Appiah wird der Schuss von Fabian Graudenz abgefälscht und landet bei Manuel Pulido, der fast von der Grundlinie zum 1:0 trifft (6.). Dassendorf weiter mit fast „unmenschlichem“ Pressing (bei 35 Grad!). Der AFC kam gar nicht aus seiner eigenen Hälfte heraus. Lucas Irmler mit einem blitzschnellen Einwurf an der Mittellinie in den Lauf von Graudenz, der im zweiten Versuch zum 2:0 trifft (11.). Und weiter ging die wilde Fahrt! Wieder ist es Irmler mit dem „Assist“, der über links in den Strafraum ablegt, wo Max Düwel aus kurzer Distanz zum 3:0 einschiebt (12.).
Sprachlosigkeit bei den Gästen und ungläubiges Staunen bei den Zuschauern. Was ist hier denn los? Und die Machtdemonstration war noch nicht zu Ende. Wieder Irmler, wieder ein weiter Einwurf Höhe der rechten Eckfahne. Am Elfmeterpunkt leitet Rauf das Leder mit dem Kopf unglücklich nach hinten weiter. Der hinter ihm lauernde Graudenz ohne Mühe mit dem Kopf zum 4:0 (29.). Jetzt hatte Rose genug gesehen und reagierte mit einem Doppelwechsel (34.). Besser wurde es aber nicht – stattdessen kam noch etwas „Pech“ hinzu. Ein durchaus elfmeterwürdiges Foul an Kobert wird von Referee Porsch nicht geahndet und weil sich Minou Tsimba-Eggers lautstark darüber beschwert, sieht er die Ampelkarte (45.). Eine gute Nachricht gab es dann aber doch noch für die Gäste: Der Halbzeitpfiff als Erlösung.
Nach der Pause war die Luft wie zu erwarten etwas raus. Altona mühte sich in Unterzahl redlich, die Hausherren ließen Ball und Gegner laufen. Nach einem „Geschenk“ von AFC-Keeper Tom Müller, der den Ball genau in den Fuß von Graudenz spielte, fiel aber doch noch der fünfte Treffer (66.). Kurz danach durfte der Hattrick-Schütze unter dem tosenden Applaus der Fans vom Platz. Ebenfalls vom Platz ging es für das 20jährige Talent Maksym Bochan (kam aus der U19 von Kaiserslautern). Bochan war erst in der 54. Minute (für Sven Möller) eingewechselt worden – musste aber nur 26 Minuten später mit Gelb-Rot vom Feld (80.). Auch hier eine sehr harte Entscheidung.
Den Schlusspunkt unter eine denkwürdige Partie setzte Jens Wollesen, der aus der Drehung am Fünfmeterraum wuchtig zum 6:0 einnetzt (86.). Zumindest bis Sonntagnachmittag ist die TuS jetzt da angekommen, wo sie nach eigenem Selbstverständnis hingehört: Auf Platz 1 der Tabelle!
Stimmen:
Jan-Philipp Rose (Trainer Altona 93): Glückwunsch an Dassendorf zu den drei Punkten. Nach so einem Spiel fehlen mir ein wenig die Worte. Wir hatten uns natürlich mehr erhofft und wollten gut ins Spiel reinkommen. Aber wenn es nach 13 Minuten 0:3 steht…sehr schwierig, jetzt darüber zu sprechen. Die Tore waren nicht rausgespielt und wir wurden vom Gegner auch nicht hergespielt, sondern es waren individuelle Fehler von uns. Die müssen wir abstellen - und schnell den Kopf wieder freikriegen. Es geht ja schon am Dienstag im Pokal gegen Süderelbe weiter, da wollen wir eine Runde weiterkommen.
Oliver Zapel (Trainer TuS Dassendorf): Ich bin etwas überrascht, dass man nach einem 6:0-Sieg offensichtlich nur von Fehlern gelebt hat. Aus meiner Sicht haben wir den Gegner schwindelig gespielt. Altona ist in der ersten Viertelstunde gar nicht zum Luftholen gekommen. Das Ergebnis ist angesichts unserer vielen Chancen fast noch zu niedrig ausgefallen. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die sich von der ersten Minute an den von uns erarbeiteten Plan gehalten hat. Riesenrespekt an meine Truppe, wie sie hier heute aufgetreten ist. Das war ein Ausrufezeichen an uns selbst. Man muss auch verlieren können (Richtung Rose). Ich kenne es jedenfalls so, dass man sich nach dem Spiel abklatscht.
Statistik: Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1949): 23 Spiele, 9 Siege, 7 Remis, 7 Niederlagen, 45:34 Tore
Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind alle Texte, Grafiken, Videos und Fotos Eigentum von www.hafo.de. Anderweitige Verwendung nur mit vorheriger Genehmigung.