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15.08.2026
Landesliga Hansa: Wehe, wenn das Deichkind aufsteht! von Redakteur

Stefan Knauß




 
vs.

 
SV Curslack-Neuengamme – SC Vier- und Marschlande 2:1 (1:1)

SV Curslack-Neuengamme: Erschens – Feldpausch, Holz (57. Dykier), Blättermann, Damaschke (67. Pallasch) – Schmidt, Wittmütz (57. Bombek) – Johannsen (71. Geffert), Werner, Franke – Zoch
SCVM: Riege – Grimling, Vollrath, Bardowicks, D.J. Tehua (60. Marks), Y. Schlufter – D.S. Tehua, Weitzel, Garbers (71. Sander), Horn (81. Stender)– Polster (71. Goes)
Tore: 0:1 D.S. Tehua (18.), 1:1 Zoch (37.), 2:1 Dykier (79.)
Besondere Vorkommnisse: Rot für Trainer Poschmann SVCN (21., wegen heftigen Bedrängens eines Spielers des SCVM)
Schiedsrichter: Christian Schnabel (HSV): Da ging trotz seiner wunderbaren Vereinszugehörigkeit einiges schief! Die Rote Karte gegen Trainer Olaf Poschmann bleibt unumstritten. Aber dem Verursacher des SCVM nur die gelbe Karte zu zeigen war eine krasse Fehlentscheidung. Ebenso hätte man sich aufgrund der zahlreichen Fouls ein paar Karten mehr gewünscht. Insgesamt ziemlich angespannt.
Beste Spieler: Erschens, Werner – Y. Schlufter
Zuschauer: 410

Den zahlreichen Zuschauern am Gramkowweg wurde heute sehr viel geboten. Tolles Grillgut, eine großartige Stadionzeitung, kalter Gerstensaft, empathische Spielerväter und attraktive Spielerfrauen (wenn man das noch bemerken darf ohne anzüglich wirken zu wollen)!Nur guter Fußball war selten erkennbar. Das lag ganz sicherlich an der tiefstehenden Mannschaft des SCVM (Nachbarn sprachen von der Fünfhausener Siebenerkette), die ähnlich wie beim Pokalsieg gegen Vorwärts Wacker Billstedt damit Gegner und deren Trainer zur Weißglut brachten. In beiden Partien erhielten Trainer einen Platzverweis und es kam zu Rudelbildungen. Das gehört anscheinend zu einem guten Derby dazu?! Blödsinn. Das kann man sich sparen. Genauso wie das Checken von Gegenspielern in die Alubanden. Das ist dumm, lebensgefährlich und hat mit diesem Sport rein nichts zu tun! Doch der Reihe nach.

Curslacks Vereinslegende und sportlicher Leiter Torsten Henke wusste es bereits vor dem Anpfiff: „Das Derby wird schon eine schwere Aufgabe für uns.“ Ganz genau. Bissig und giftig spielten die „Roten“ gegen die „Blauen“ und den Ball. Dabei standen sie tief in der eigenen Hälfte. Um gefährlich zu kontern. Ein Ball auf rechts zu Flemming Polster. Und der passte in die Mitte, wo der wuchtige Dosu Sharon Tehua den Ball ungehindert aus 15 Metern in den Kasten des heute wieder einmal sehr guten Keepers Kai Erschens einschoss (18.). Sehr umjubelt. Auch vom Anhang der Fünfhausener auf der Tribüne.

Giftig ging es weiter. Marcio Johannsen foulte den Torschützen im Mittelfeld. Als dieser liegen blieb rief er ihm zu: „Steh auf, du Deichkind!“ Das ließ sich das „Deichkind“ nicht zweimal sagen, um Johannsen bei der nächsten Gelegenheit genussvoll abseits des Balles zehn Meter links neben der Curslacker Bank in die Bande zu checken. Johannsen blieb schreiend liegen. Was so ein dämliches Foul für Folgen haben kann, weiß man auf Curslacker Seite sehr gut. Erinnern wir uns daran, wie Hendrik Bombek vor nicht ganz so langer Zeit in der Oberliga seinen Gegenspieler Kevin Lohrke vom USC Paloma beim Kampf um den Ball in die Bande an der Mittellinie schickte. Lohrke musste im Krankenhaus mit zwölf Stichen genäht werden. Freunde! Wir unterstellen Bombek natürlich keinerlei Absicht! Dem Spieler Tehua vom SCVM aber schon eher, weil es deutlich erkennbar und ohne Ball war (21.). Poschi rannte (zusammen mit der kompletten Ersatzbank) aufs Feld, um den Übeltäter zu stellen. Nette Worte ergaben sich daraus nicht. Rudelbildung immerhin schon. Rot für den Trainer und nur Gelb für Tehua. Das verstehe wer will!

Danach übernahm Co-Trainer Tim Stegmann im Duett mit Henke. Curslack blieb ruhig und versuchte durch das gegnerische Mauerwerk eine Lücke zu finden. Vorwerfen kann man den Curslackern, dass sie zu wenige tiefe Läufe in Kauf nahmen und sich die Spitzen wenig anboten. Aber unbenommen wird ein Spiel gegen einen so tief stehenden und aggressiven Gegner sehr schwer. Wie es geht zeigte Tim Schmidt mit einem feinen, langen, flachen Pass in die Tiefe auf Maxi Zoch. Der drehte sich einmal und zog ab ins Glück. Der Ausgleich (37.). Etwas glücklich, weil zuvor Flemming Polster frei vor Erschens scheiterte (30.). Das wäre der zweite Treffer in einem Konter gewesen. Aber so ging es in die Pause.

In der zweiten Halbzeit blieben die Randnotizen interessanter als das Spiel, in dem wirklich sehr lange Zeit nicht viel passierte. Henke: „Das war in der zweiten Halbzeit reiner Abnutzungsfußball. Ein hartes Stück Arbeit für uns.“ Dass der gesperrte Poschmann hinter der Curslacker Bank stand, erzürnte einige Zuschauer aus Fünfhausen sehr: „Geh mal rüber und schick den weg!“ Das waren noch die freundlichsten Worte. Ähnlich mitfiebernd aber vollkommen anders stand Trainerlegende Jörn Geffert an der Eckfahne. „Geffi“: „Gleich kommt Anton rein. Mal sehen, wenn er nicht flattert, macht er noch ein Tor!“ Sein Sohn Anton Geffert kam tatsächlich - und flatterte nicht erkennbar (71.). Aber dennoch traf er nicht. Trotzdem toll, dass der Junge nach seiner langen Verletzungszeit seine Zeit bekam. Den Treffer zum 2:1 erzielte Arwid Dykier. Ein langer Ball in die Spitze von Bombek auf Pallasch. Der legte fein per Kopf zurück auf Dykier, der vollkommen frei aus 10 Metern traf (79.). Der spielerische Höhepunkt des Derbys. Später besaß Bombek die Chance auf das dritte Tor. Er lief alleine auf Keeper Lasse Riege zu und scheiterte an ihm (90.+3). Das war's am Gramkowweg! Unter den Augen von Voran Ohes Trainer Jan Krey. Der hat mit seiner Mannschaft im Pokal Dassendorf und Freitag Curslack vor der Brust. Herausfordernd! Aber sagen wir es mit Krey: „Dafür machen wir den Sch … doch alle!“ Recht so! Vielleicht bald mit etwas mehr Contenance (nicht verwandt mit Constance)? Poschi: „Klar, war das keine gute Aktion von mir.“ Emotional immer hin komplett verständlich. Also unbedingt hingehen! Nach Ohe zum Beispiel. Oder zum nächsten Heimspiel des SVCN!

Stimmen:

Denis Schlufter (Trainer SCVM):
Wir haben es in der ersten und zweiten Hälfte sehr gut gegen den Ball gemacht. Haben uns besonders in der ersten Halbzeit viele Konter raus gespielt, die wir dann zum 1:0 ummünzen konnten. Den anderen Konter haben wir leider nicht mehr geschafft. Wir waren Curslack im Nacken und konnten gute Nadelstiche setzen. Der Ballbesitz war schon bei Curslack. Wir haben dann einmal gepennt. So fiel dann auch das 1:1. In der zweiten Halbzeit war es dann eher ein bisschen flau. Da hat sich das Spiel verflacht. Und dann hat es Curslack auch gut gemacht. Clever! Das war also auch schon das Fazit, dass Curslack das Spiel mit ihrer Cleverness gewonnen hat. Das hat uns völlig aus der Fassung gebracht. Da müssen wir lernen. Und mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren ist das dann auch mal eine sehr sehr harte Schulung.

Olaf Poschmann (Trainer SVCN):
Also, ich sage mal, man muss ja immer bei aller Emotionalität und bei aller Rivalität in einem Derby festhalten, gehören gewisse Sachen einfach nicht dazu. Und angezündet aus meiner Sicht hat das Foul gegen Marcio Johannsen. Weil der Ball war weg und er hat die Verletzung von Marcio billigend in Kauf genommen als er ihn mit Absicht in die Bande gecheckt hat. Das war kein Zweikampf. Das war ein Stoß. Und was hätte sich Marcio da alles verletzen können? Und da kann ich als Trainer nicht ruhig bleiben, ich gehe da sofort rauf. Ja, dann nehme ich halt die Rote Karte. Aber nochmal. So ein Foul gehört nicht zu so einem Spiel. Wir wussten, dass es nach dem Gegentreffer schwer wird. Weil sie dann mit einem tiefen Fünferblock stehen und die Bälle hoch nach vorn spielen. Das wirkte zeitweise so, als ob unsere beiden Innenverteidiger den meisten Ballbesitz hatten. Weil da vorne so wenig Bewegung war. Aber das ist auch verdammt schwer. Das Tor hat uns dann wieder ins Spiel gebracht. Unter Strich kann man da sagen, Unentschieden ist gut. Aber ich finde dann, dass wir das Spiel aus meiner Sicht am Ende verdient gewonnen haben.

Statistik:
Punktspielstatistik SVCN – SCVM (seit 1999)*** aus Sicht des Gastgebers: 21 Spiele: 15 Siege, 2 Remis, 4 Niederlagen, 43:25 Tore

1999/00: 1:4 / 1:3 Landesliga Hansa
2003/04: 2:0 / 2:0 Landesliga Hansa
2004/05: 1:2 / 0:0 Landesliga Hansa
2005/06: 2:1 / 1:0 Landesliga Hansa
2011/12: 2:0 / 2:0 Oberliga Hamburg
2012/13: 3:1 / 3:1 Oberliga Hamburg
2013/14: 2:2 / 2:0 Oberliga Hamburg
2014/15: 3:1 / 4:2 Oberliga Hamburg
2023/24: 2:0 / 1:3 Landesliga Hansa
2024/25: 4:2 / 3:2 Landesliga Hansa
2026/27: 2:1 / --- Landesliga Hansa

***Erläuterung zur Punktspielstatistik:
Der SCVM ist erst 1999 aus der Fusion zwischen SV Ochsenwerder-Moorfleet und TSV Kirchwerder entstanden (vorher wiederum der SV Ochsenwerder-Moorfleet 1994 aus Ochsenwerder SV und Moorfleeter SV). Daher finden in der o.g. Statistik nur die Spiele seit 1999 Berücksichtigung.


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