USC Paloma: Grundmann – Burmeister (46. Merkle), Rust, Spranger, Küffner (63. Leptien) – Niemann – Möller (63. Jacob), Topcu, Düzgüner (80. Lekaj) – Koschorreck (63. Blunck), Keßner TSV Sasel: Fenske – Peters, Timm, Mai, Wallner (46. Kourkis) – Lohrke (70. Flandrin), Amiri – Bamba, Janssen (79. Nassar), Scalzi – Gülüm Tore: 1:0 Koschorreck (34.), 1:1 Bamba (40.), 1:2 Peters (72.), 2:2 Topcu (84.), 3:2 Keßner (90.+4) Schiedsrichter: Daniel Gawron (TuS Osdorf): Vor allem die Gäste haderten mit ihm bei einigen „entscheidenden“ Szenen, forderten z.B. „Rot“ für Jacob, der den durchgebrochenen Janssen zu Fall brachte (68.). Das Siegtor fiel nach der angezeigten Nachspielzeit (von drei Minuten). Über das gesamte Spiel gesehen gab es jedoch wenig Anlass zur Kritik am Referee. Beste Spieler: Keßner, Koschorreck, Düzgüner – Fenske, Kourkis Zuschauer: 180
„Ein Spiel entscheidet sich meistens in ein, zwei Szenen“, haderte der frustrierte TSV-Coach Jan Ramelow nach dem Abpfiff mit der Leistung des Unparteiischen. „Es waren einige unglückliche Entscheidungen dabei. Aber jetzt muss ich mit meinen Worten vorsichtig sein, sonst habe ich Mittwoch einen Termin beim Verband“. Insbesondere die lange Nachspielzeit nagte am Gästetrainer (dazu später mehr). Komplett anders verständlicherweise die Gefühlslage bei den Hausherren: „Wir haben heute die letzten zehn Tage nochmal gekrönt“, jubelte USC-Coach Marius Nitsch über das starke Comeback nach 1:2-Rückstand und den vorangegangenen Siegen bei Süderelbe (5:2) und im Pokal gegen Regionalligist ETV (3:1).
Die stark ersatzgeschwächten Gäste machten mit viel Ballbesitz zunächst das Spiel – aber die Chancen hatte der USC! Schon nach 50 Sekunden steht Lennart Keßner (nach feiner Vorarbeit von Til Küffner) am Fünfmeterraum frei vorm Gehäuse, scheitert aber am glänzend reagierenden TSV-Keeper Finn Fenske (1.). „Normalerweise macht er den“, seufzte Nitsch – und musste nur wenig später gleich doppelt schlucken. Diesmal legt Keßner für Jan Koschorreck auf, der aus 12 Metern Fenske nicht bezwingen kann. Doch die Szene bleibt heiß. TSV-Innenverteidiger Marc-Oliver Timm vertändelt das Leder, Koschorreck umkurvt den Torhüter und hat nur noch das (fast) leere Tor vor sich. Doch im letzten Moment grätscht Samir Amiri das Leder von der Linie (16.).
Und weiter gings mit dem Chancenfeuerwerk: Bamba mit dem Ballverlust, Keßner treibt die Kugel nach vorne und legt im Strafraum quer für Can Topcu. Der hat auf halbrechts komplett freie Bahn, knallt aber übers Tor (25.). Nur 100 Sekunden später pariert Fenske bärenstark gegen Keßner (27.) und auch USC-Kapitän Moritz Niemann kommt nicht am TSV-Goalie vorbei (31.). Überfällig schließlich die 1:0-Führung: Keßner mit der Hereingabe vom rechten Flügel und Koschorreck mit dem Kopf (noch leicht vom Kopf eines Verteidigers abgefälscht) zum verdienten 1:0 (34.). Doch die Freude währte (mal wieder) nicht lange: Fast aus dem Nichts der kuriose Ausgleich. Bamba geht über rechts an drei Gegenspielern vorbei in die Box und zieht aus spitzem Winkel ab. Küffner wirft sich in den Schuss, der Ball steigt kerzengerade in die Luft und fällt als Bogenlampe hinter USC-Keeper Tjark Grundmann zum 1:1 in die Maschen (40.). „So ist Fußball“, kommentierte Stadionsprecher Sebastian Buck den Nackenschlag.
Was macht man da als Trainer in der Halbzeit? „Man bringt einen weiteren Stürmer“, so die trockene Antwort von Nitsch. „Mit Merkle kam noch mal ein positiver Impact“. Kurios: Nicht nur die Hausherren „opferten“ in der Pause einen Verteidiger (Burmeister) für einen Stürmer (Merkle), sondern auch Gäste-Trainer Ramelow hatte die gleiche Idee (Kourkis für Wallner).
Nach der Pause gleich wieder De-Fens(ke) im Einsatz. Küffner mit der scharfen Flanke von links, Keßner am zweiten Pfosten mit dem Kopf, aber Fenske erneut unbezwingbar (56.). Und auch Nick Leptien scheitert aus 20 Metern am Saseler Schlussmann (63.). Doch Fenske kann auch offensiv: Sein langer Abschlag landet an der Mittellinie bei Janssen, der (fast) freie Bahn hat, aber von Samuel Jacob leicht gezerrt/gehalten/gezupft/bedrängt wird. Sasel fordert lautstark „Rot“, aber Referee Gawron lässt weiterlaufen (68.). Die Aufregung hatte sich noch nicht ganz gelegt, da führen plötzlich die Gäste! Kourkis mit dem Eckball von rechts, Nick Peters steigt hoch und schädelt zum 1:2 ein (72.). Zu diesem Zeitpunkt ist der TSV Tabellenführer und hat den fünften Sieg in Folge vor Augen.
Doch die „Tauben“ sind noch nicht müde. „Wir resignieren eigentlich nie. Kopf in den Sand stecken gibt es nicht“, so Nitsch. Aber wenn Gülüm nach starkem Solo nicht das 1:3 vergeben hätte (Grundmann mit toller Parade; 80.), dann wäre es wohl nichts geworden mit einem Comeback. So blieb der USC „am Leben“ – und glich ebenfalls nach einer Ecke aus. Aulon Lekaj mit der zielgenauen Hereingabe von rechts und im Zentrum darf der völlig ungedeckte Topcu zum 2:2 einköpfen (84.). „Los jetzt“, feuerte Nitsch seine Truppe an. Und tatsächlich! Tief in der Nachspielzeit (eigentlich waren nur drei Minuten angezeigt) vertändelt der TSV nach einem eigenen (!) Einwurf auf Höhe der linke Eckfahne das Leder, Topcu geht bis an die Grundlinie durch, bringt den Ball scharf vors Tor – und Keßner grätscht das Spielgerät zum 3:2 über die Linie (90.+4). Direkt danach war Schluss. Ekstase in Barmbek! Und (ganz) tiefer Frust bei den Gästen.
Stimmen:
Jan Ramelow (Trainer TSV Sasel): Glückwunsch an Paloma. Sonst noch Fragen…? (pustet tief durch und sagt dann doch noch was zum Spiel). Über das gesamte Spiel hatte Paloma schon ein Chancenplus und von daher ist es nicht ganz unverdient. Wobei das 3:2 nach der abgelaufenen Nachspielzeit fällt und wir auch noch erhebliche Hilfe leisten. Das ist echt ärgerlich – und jetzt muss ich mit meinen Worten vorsichtig sein, sonst habe ich Mittwoch einen Termin beim Verband. Ich will es aber nicht nur am Schiedsrichter festmachen. Die Nachspielzeit ist lange abgelaufen und wir haben einen Einwurf an unserer Eckfahne. Das musst du den Ball in die Schrebergärten feuern und das Spiel ist vorbei.
Marius Nitsch (Trainer USC Paloma): Wir haben heute die letzten zehn 10 Tage gekrönt. Erst das 5:2 bei Süderelbe und Dienstag das Highlight im Pokal gegen ETV (3:1). Da war das heute nochmal eine richtig schwere Aufgabe gegen den Tabellendritten. Wir haben wieder unzählige Chancen herausgespielt. Nach einer Minute muss Keßner schon das 1:0 machen. Aber TSV-Keeper Fenske hat heute wirklich ein überragendes Spiel gemacht. Glückwunsch zu dieser Verpflichtung. Die beiden Gegentore sind ärgerlich. Wir kriegen es einfach nicht hin, unsere Box besser zu schützen. Dafür großes Kompliment ans Team, wie wir nach dem 1:2 zurückgekommen sind. Es macht aktuell viel Spaß und wir sind natürlich happy, dass es am Ende noch drei Punkte geworden sind. Jetzt freuen wir uns auf das „Bonusspiel“ nächste Woche in Dassendorf.
Statistik: Gesamt-Punktspielstatistik aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 54 Spiele, 24 Siege, 12 Remis, 18 Niederlagen, 103:83 Tore
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