06.09.2026 Go a little bit more to the right! von Redakteur
Stefan Knauß
präsentiert:
vs
Niendorfer TSV – FC Süderelbe 1:0 (0:0)
Niendorfer TSV: Quack – Neumann, Ahmadi, Petri (22. Huneke), Usov – Le. Meyer, Brooks, Li. Meyer (84. Schilling), Okawa – de los Santos, Ofosu FC Süderelbe: Heinbockel – Yildiz (80. Munoz Hermes), Lucht, Simsek, Lopez – Boakye (66. Asare), Demiri (73. Tewolde), Questaj, Sendzik (66. Stüven) – Güraltunkeser, Akyol (80. Richardt) Tore: 1:0 Ofusu (90.+5) Bes. Vorkommnisse: Akyol scheitert mit Strafstoß an Quack (52.) Schiedsrichter: Dennis Voß (TuS Dassendorf): Sehr großzügige Spielleitung ohne Fehler. Beste Spieler: Quack, Usov, de los Santos - Güraltunkeser Zuschauer: 55
Der NTSV ging mit drei U19 Spielern und zwei heftigen Klatschen (0:6 gegen Vicky und 0:5 gegen TBS Pinneberg) im Rücken in das Spiel gegen eine sehr gut besetzte Mannschaft des FC Süderelbe. Niendorfs Kapitän Fynn Huneke saß mit dem letzten Aufgebot auf der Bank und meinte vor Anpfiff zur derzeitigen Situation: „Wir hätten auch nicht antreten müssen. Aber so sind wir halt nicht. Wir wollen unbedingt spielen.“ Mit dem angeschlagenen Huneke und Torwart Lennard Sievers verblieben lediglich zwei weitere Nachwuchsspieler am Rand. Und Huneke musste nicht lange warten. Jesse Petri verletzte sich bei einem Zweikampf und knickte um. Wechsel bereits in der 22. Minute. Huneke rückte in die Spitze. Man merkte ihm die fehlende Fitness deutlich an. Aber auch er haute sich trotzdem in die Zweikämpfe so gut es ging. Ebenso wie Linus Meyer, der bereits in der Woche Leistenprobleme hatte, aber die Mannschaft nicht alleine lassen wollte.
Niendorf stand sehr tief formiert in der eigenen Hälfte. Süderelbe spielte mit viel Ballbesitz und suchte nach einem Weg gegen den Sachsenweg-Catenaccio. Der verletzte Daniel „Bohne“ Brückner: „Wir wollen unbedingt zu Null spielen!“ Das gelang dank einer starken Defensivleistung, an der alle Niendorfer Spieler teilnahmen. Laufen, kämpfen und grätschen bis zum Abpfiff lautete das Motto.
Süderelbe hat tolle Zocker im Team. Aber auf Naturrasen ist das schnelle Kombinieren eben schwerer als auf Kunstrasen. Der Ball rollt langsamer. Laufen auf der Wiese ist viel anstrengender als auf Plastik. Um einen „Schweizer Riegel“ wie den der Niendorfer auszuspielen, hätte es wesentlich mehr tiefe Läufe auf den beiden Außenpositionen, Opferläufe sowie viel mehr Bewegung zum und weg vom Ball gebraucht. Ohne Vorwurf! Das reichte nicht wirklich, um Niendorf in Verlegenheit zu bringen.
Leandro de los Santos besaß die erste Chance für Niendorf mit einem Kopfball nach einem Freistoß durch Jesse Petri von rechts (9.). Aber „Santi“ köpfte freistehend knapp rechts vorbei. Dagegen ergab sich ebenfalls auch nur eine klare Chance in der ersten Hälfte für den FCS, als Niendorfs ansonsten überragender Keeper Julian Quack weit aus seinem Strafraum lief und einen Zweikampf verlor. Aber den Abschluss von Tyrese Boakye auf das leere Niendorfer Tor konnte Amir Ahmadi letztlich noch erfolgreich vor der Linie klären (29.). So ging es später torlos in einer an Chancen armen Begegnung in die Pause.
Auch in der zweiten Halbzeit ließ Schiedsrichter Dennis Voß sehr viel laufen. Er zeigte auf beiden Seiten eine großzügige Linie in der Zweikampfführung. Festhalten, klammern und schubsen ließ er fast immer durchgehen. Karten für Foulspiele am Boden gab es keine. Süderelbes Blerim Qestaj hatte einige unangenehme schmerzhafte Begegnungen mit den griffigen Niendorfern. Aber ebenso wie auf der Gegenseite ließ Voss die Karten in der Tasche.
Innenverteidiger Ahmadi schlug einen langen Ball auf Maximilian Ofosu. Aber der Niendorfer Stürmer scheiterte aus 11 Metern an Süderelbes Keeper Simon Heinbockel (46.).Beim Zweikampf zwischen Keeper Quack und Boakye zögerte Voß ein paar Sekunden, um dann nach Rücksprache mit SRA Christian Pinnow auf den Punkt zu zeigen. Foulelfmeter für Süderelbe. Dominik Akyol trat an und Quack parierte unten rechts (52.). Auf der Gegenseite scheiterte erneut „Santi“ per Kopfball nach Ecke von Leon Meyer an Heinbockel (62.).
Akyol kam im Liegen aus fünf Metern frei vor Quack zum Abschluss (68.). Den drucklosen Schuss konnte Quack problemlos halten. Sekunden später lenkte Quack einen Fernschuss von Osman Güraltunkeser aus 18 Metern von halbrechts über die Latte (69.). Quack erhielt nach den letzten Niederlagen viel Kritik. Nicht nur vom Trainer. Farhadi: „Die Jungs haben ihm auch schon einiges gesagt.“ Heute avancierte der talentierte Keeper zum Man Of The Match. Mit dem gehaltenen Elfer und vielen weiteren guten Aktionen.
Der „Lucky Punch“ gelang Niendorf in der Nachspielzeit, als sich alle Beteiligten bereits auf ein torloses Remis eingestellt hatten. Süderelbes IV Benjamin Lucht klärte einen Ball über die rechte Außenlinie. Der Einwurf landete bei Huneke. Elegant wie immer ließ der Kapitän zwei Gegenspieler auf der rechten Grundlinie aussteigen und passte ungehindert frei vor das Tor. Ofosu schob den Ball zum umjubelten Treffer ein (90.+5). Schlecht verteidigt von Süderelbe. Nach dem Abpfiff wütete Süderelbes Qestaj lautstark vor der eigenen Bank. Seinen Mitspielern stand ebenfalls ungläubiges Entsetzen in den Gesichtern. Auch Trainer Stefan Arlt war ziemlich bedient, blieb aber wie immer sehr klar in seiner Analyse der Partie.
Niendorf wirkte sehr entschlossen und kämpfte sich mit viel Leidenschaft zum Sieg. Die zusammen gewürfelte Mannschaft zeigte sich als Einheit und überwand auch sprachliche Hindernisse mühelos. Yoshiya Okawa verständigt sich bisher nur in Englischer Sprache. Und so coachten ihn seine Mitspieler entsprechend: „Go a little bit more to the right.“ Passt! Es wird in den kommenden Wochen jedoch nicht einfacher. Auswärts in Sasel am nächsten Spieltag und danach Dassendorf zuhause. Farhadi: „Es ist nicht absehbar, wann welcher Spieler wieder zurück kommt. Ich hoffe, dass Tim Krüger und „Bohne“ in zwei bis drei Wochen wieder dabei sind.“
Stimmen:
Stefan Arlt (Trainer FC Süderelbe): (Langer Seufzer!) Also wir hatten einen Torschuss. Den Elfmeter. Niendorf hatte einen Torschuss, nee zwei: In der ersten Halbzeit und den hält der Torwart überragend. Und dann den Torschuss in der zweiten Halbzeit. Der ist drin. 1:0 für Niendorf. Ich finde dann gewinnen sie verdient. Auch wenn wir mehr Ballbesitz hatten. Die Mannschaft, die frischer gewirkt hat und entschlossener war Niendorf. Der Plan war schon, dass wir gewinnen wollten. Ich denke, das hat man auch gesehen. Aber die Durchschlagskraft vorne in den letzten Metern, die hat halt komplett gefehlt.
Ali Farhadi (Trainer Niendorfer TSV): Ersatzgeschwächt und erfolgreich. Auf den Punkt gebracht. Ersatzgeschwächt. Gestern Abend hatten wir zehn Leute für das heutige Spiel. Ich bin froh, dass unsere Jugend da gleich parat steht. Es war aber auch im Raum, dass wir heute nicht antreten. Das habe ich meinen Jungs angeboten. Weil wir keine elf Leute zusammenkriegen. Dafür muss ich sagen: Wahnsinn! Also ich wäre auch mit einem 0:0 zufrieden gewesen und ich habe gesagt, alles, was wir hinten zu Null spielen ist krass. Wir gehen aber gerade durch eine ganz schlimme Phase. Wir können gerade keinen guten Fußball spielen. Viele andere Trainer finden ja, dass wir die ganze Zeit keinen guten Fußball spielen. Aber grundsätzlich ist es sehr schwer momentan. Eigentlich ist jedes Spiel sehr emotional. Es fehlen bis Ende des Monats bestimmt noch zehn Leute. Jetzt hat sich Linus Meyer auch noch abgemeldet. Da hat die Leiste zugemacht. Jesse Petri musste früh raus mit einer Verletzung im Sprunggelenk. Ist auf jeden Fall hart. Aber ich muss ein Riesenkompliment an meine Jungs machen heute. Mit dieser Entscheidung zu spielen, hat mich das schon sehr geflasht. Das haben sie gut gemacht.
Statistik: Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 26 Spiele, 12 Siege, 4 Remis, 10 Niederlagen, 58:45 Tore
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