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12.09.2026
Das war hart(wig) - Kuriositätenkabinett am Wendelweg von Andreas Killat




vs.


TuS Dassendorf – USC Paloma 1:2 (1:0)

TuS Dassendorf: Rump – Hartwig, Iloka, Abe, Irmler (84. Knappe) – Monteiro – Appiah, Boakye (56. Schmidt), Graudenz (59. Prokaziuk) – Wollesen, Düwel (84. Pulido)
USC Paloma: Grundmann – Möller, Burmeister (46. Küffner), Rust, Spranger, Leptien (90.+3 Adjei) – Niemann – Keßner, Düzgüner (73. Lekaj), Koschorreck (46. Jacob) – Merkle (86. Blunck)
Tore: 1:0 Düwel (23.), 1:1 Niemann (49., FE), 1:2 Niemann (75., HE)
Rote Karte: Iloka (29., Verhinderung einer klaren Torchance als letzter Mann nach doppeltem Ballkontakt beim Abstoß; siehe Spielbericht)
Schiedsrichter: Gerhard Ludolph (Hoisbütteler SV): Ließ sich vor allem in der ersten Halbzeit viel Zeit mit seinen Pfiffen (z.B. bei Abseits und einem Foulspiel), benachteiligte dabei aber niemanden. Stark, wie regelkundig er bei der Roten Karte war („Auch für mich das erste Mal“). Auch die beiden Elfmeterentscheidungen waren völlig korrekt. In der hektischen Schlussphase zeigte er den Hausherren zweimal Gelb (77./89.), verschonte hingegen die Gäste (was beim TuS-Publikum zu einigen Unmutsäußerungen führte). Insgesamt aber eine sehr gute Spielleitung mit sehr vielen richtigen Entscheidungen in schwierigen Szenen.
Beste Spieler: Abe – Düzgüner
Zuschauer: 252

„Die Art und Weise, wie das hier heute gelaufen ist, kann man schon als Kuriositätenkabinett bezeichnen“, musste TuS-Coach Oliver Zapel seine erste Pflichtspiel-Niederlage erstmal sacken lassen. Knackpunkt der Partie war die Rote Karte gegen Innenverteidiger Obinna Iloka (29.). Referee Gerhard Ludolph erklärte die Szene so: „Der TuS-Spieler (Iloka) führt den Abstoß vom Fünfmetereck mit einem kurzen Kontakt aus. Als er merkt, dass der Ball nicht beim Keeper ankommt, spielt er den Ball mit einem zweiten Kontakt nochmal. Damit verhindert er als letzter Mann eine klare Torchance, denn der Paloma-Spieler (Merkle) war bereits angelaufen gekommen“. Eine Regel, die bisher wohl niemand kannte. Zapel: „Das haben wir wohl alle noch nicht erlebt, was da bei der Roten Karte vorgefallen ist. Ich kannte die Regel zwar vom DFB-Fußballlehrer-Lehrgang, hatte mich aber immer gefragt, wie das gehen soll. Jetzt hat man es mal live erlebt/gesehen“. Während Zapel also seine erste Niederlage mit der TuS verarbeiten musste, war sein Gegenüber Marius Nitsch in seinem 200. Pflichtspiel (siehe „Statistik“ ganz am Ende des Berichtes) natürlich glänzender Laune: „Das ist ganz ungewohnt, hier zu gewinnen. Wir hatten seit 22 Jahren nicht mehr gegen Dassendorf gewonnen“, zitierte Nitsch die HAFO-Statistik (0-4-11). Der letzte USC-Erfolg datierte nämlich vom 25.4.2004 (2:1, http://www.hafo.de/news/fullnews.php?id=626).

Dabei lief zunächst alles nach Plan für die Hausherren. Denn kurz vor der Hinausstellung nutzte der Tabellenführer einen schlimmen Fehlpass von Tom Burmeister zur 1:0-Führung (23.). Ridel Monteiro hatte blitzschnell geschaltet und den Fehlpass in einen Steckpass durchs Zentrum auf Fabian Graudenz umgewandelt. Der stand bereits mutterseelenallein vor USC-Keeper Tjark Grundmann, legte aber uneigennützig quer auf Max Düwel, der aus zehn Metern ins leere Tor einschiebt. Wenige Minuten später dann aber Unterzahl für gut eine Stunde. „Plötzlich hatten wir etwas zu verlieren“, erklärte Nitsch das zunächst sehr passive Verhalten seines Teams.

Nach der Pause mutierte TuS-Rechtsverteidiger Enock Hartwig mit zwei verschuldeten Elfmetern zum großen Unglücksraben. Erst ließ er sich von Nick Leptien an der Strafraumgrenze „tunneln“, dann brachte er ihn zu Fall. Klare Sache: Elfmeter! „Capitano“ Moritz Niemann ganz sicher und hart und platziert flach unten links zum 1:1 (49.). Doch die große Offensive der Gäste blieb weiterhin aus. Im Gegenteil: Trotz Unterzahl drängte die Zapel-Elf auf die erneute Führung.

Andy Appiah kommt im Mittelfeld (genau vor der USC-Bank) ins Straucheln und nimmt den Ball im Liegen mit der Hand mit (nicht sichtbar für den Schiedsrichter, aber für die lautstark protestierende Paloma-Bank schon). Appiah rappelt sich auf und schickt Jens Wollesen auf die Reise, der aus 15 Metern halbrechts an einer starken Fußparade von Grundmann scheitert (56.). Nur 100 Sekunden später bringt Graudenz eine Ecke auf den zweiten Pfosten, von wo Lucas Irmler aufs Tordach köpft (58.). Da fehlte nicht viel. Und weiter die TuS: Der bärenstarke Ryusei Abe mit der perfekten Vorlage für Düwel, der das Leder völlig freistehend nicht richtig erwischt (66.). Danach macht es Abe selbst, zieht aus gut 22 Metern ab, aber Grundmann mit einer Glanzparade zur Ecke (69.).

Es schien nur eine Frage der Zeit bis zur Dassendorfer Führung. Aber dann hatte wieder Hartwig (sprichwörtlich) seine Finger (bzw. den Arm) im Spiel. Eine Hereingabe von Lekaj blockt der Unglücksrabe im Strafraum mit dem ausgestreckten Arm. Wieder ein unstrittiger Elfmeter. Und wieder ist es Niemann, diesmal halbhoch links zum 1:2 (75.). Danach war die Luft irgendwie raus, die Gastgeber konnten nicht mehr an die gute Phase zwischen der 50.-70. Minute anknüpfen. Erst in der Nachspielzeit eine letzte Chance zum Ausgleich: Max Knappe dringt über links in die Box ein und bedient Elia Boakye. Doch sein abgefälschter Schuss aus acht Metern ist sichere Beute vom USC-Goalie (90.+1).

Stimmen:

Marius Nitsch (Trainer USC Paloma):
Das ist ganz ungewohnt, hier zu gewinnen (lacht). Wir hatten seit 22 Jahren nicht mehr gegen Dassendorf gewonnen. Geil, dass wir den Schwung so mitnehmen konnten und auswärts ohne Punktverlust bleiben. Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir hatten eine gute Anfangsphase mit zwei guten Dingern auf dem Fuß. Danach ist der Faden etwas gerissen. Natürlich ist die Rote Karte dann spielentscheidend. Ich kannte die Regel nicht. Plötzlich hatten wir etwas zu „verlieren“, weil man in Überzahl unbedingt treffen will. In der zweiten Halbzeit hatten wir viel mehr Struktur im Spiel. Es war aber kein Chancenfeuerwerk. Gegen so eine gute und selbstbewusste Truppe wie Dassendorf müssen wir uns aber nicht schämen. Es war sicher nicht das schönste Spiel von uns, aber ich bin sehr stolz und froh, wie wir hier heute aufgetreten sind.

Oliver Zapel (Trainer TuS Dassendorf):
Inklusive Vorbereitung ist es heute die zweite Niederlage in den letzten drei Monaten. Die Art und Weise, wie das hier heute gelaufen ist, kann man schon als Kuriositätenkabinett bezeichnen. Das haben wir wohl alle noch nicht erlebt, was da bei der Roten Karte vorgefallen ist. Ich kannte die Regel vom DFB-Fußballlehrer-Lehrgang, hatte mich aber immer gefragt, wie das gehen soll. Jetzt hat man es mal live erlebt/gesehen.
Wir hatten eine sehr gewöhnungsbedürftige Startphase, aber danach war wieder Normalform angesagt und ich war mir sehr sicher, dass wir das Spiel gewinnen. Ich mache niemanden einen Vorwurf. Weder bei der Roten Karte, noch bei den beiden Elfmetern. Im Gegenteil. Ich freue mich über eine gute zweite Halbzeit, wo wir in Unterzahl ein Chancenübergewicht hatten. Wir waren sehr nahe am 2:1 und später noch dichter am 2:2. Ich bin zwar wirklich irritiert über so ein Spiel heute, aber nicht sauer oder traurig. Meine Mannschaft muss das auch erstmal verdauen. In der kommenden Trainingswoche wird es ganz bestimmt im positiven Sinne „knallen“ und eine Menge Energie freigesetzt.


Statistik:
Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1949): 20 Spiele, 11 Siege, 5 Remis, 4 Niederlagen, 50:22 Tore

2002/03: 2:2 / 0:2 Verbandsliga Hamburg
2003/04: 1:2 / 1:2 Verbandsliga Hamburg
2014/15: 5:0 / 3:0 Oberliga Hamburg
2015/16: 4:0 / 4:1 Oberliga Hamburg
2019/20: --- / 2:2 Oberliga Hamburg
2020/21: ---
2021/22: 3:0 / 3:1 Oberliga Hamburg (Staffel 1)
2022/23: 6:0 / 2:2 Oberliga Hamburg
2023/24: 1:1 / 2:0 Oberliga Hamburg
2024/25: 3:1 / 3:2 Gamesright Oberliga Hamburg
2025/26: 3:1 / 1:1 Gamesright Oberliga Hamburg
2026/27: 1:2 / --- Gamesright Oberliga Hamburg


Marius Nitsch:
Seit dem 01.07.2021 Trainer USC Paloma

2021/22: Oberliga Hamburg, Staffel 1 (18 Spiele, 9-6-3) und Meisterrunde (8 Spiele, 4-2-2)
2022/23: Oberliga Hamburg (36 Spiele, 19-8-9)
2023/24: Oberliga Hamburg (34 Spiele, 14-8-12)
2024/25: Oberliga Hamburg (34 Spiele, 22-4-8)
2025/26: Oberliga Hamburg (34 Spiele, 18-7-9)
2026/27: Oberliga Hamburg (7 Spiele, 5-1-1); Stand 13.09.2026
Gesamt: 171 Punktspiele (91-36-44); Stand 13.09.2026

Pokal
2020/21: 0 Spiele (Die Regional- und Oberligisten hatten in der 1. Runde ein Freilos. Danach wurde der Wettbewerb wegen der Corona-Pandemie abgebrochen)
2021/22: 3 Spiele (2-0-1)
2022/23: 2 Spiele (1-0-1) (1. Runde kampflos)
2023/24: 8 Spiele (7-0-1)
2024/25: 7 Spiele (6-0-1) (3. Runde Freilos)
2025/26: 7 Spiele (6-0-1)
2026/27: 2 Spiele (2-0-0) (1. Runde kampflos); Stand 13.09.2026
Gesamt: 29 Pokalspiele (24-0-5); Stand 13.09.2026

Gesamt: 200 Pflichtspiele (115-36-49); Stand 13.09.2026


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