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12.09.2026
LL Hansa: Kein Halt vor großen Namen! von Redakteur

Stefan Knauß





vs


SV Curslack-Neuengamme – FC Türkiye 2:1 (1:0)

SV Curslack-Neuengamme: Erschens – Feldpausch (58. Geffert), Bombek, Blättermann, Wilhelm – Indulto,Witmütz (58. Dykier) – Johannsen (Schalitz 90.+1), Schmidt, Franke (39. Werner) - Zoch
FC Türkiye: Mihailovic – Golke, Koras, Taflan (6. Yilmaz),Kuyucu – Sa Borges Dju, Tetteh (68. Bekteshi), Sarikaya, Yushin – Acheampong (68. Izumi), Netzbandt (55. Özgül)
Tore: 1:0 Zoch (26.), 1:1 Sa Borges Dju (73.), 2:1 Dykier (90. +3)
Rot: Indulto (85. grobes Foulspiel)
Bes. Vorkommnisse: Erschens hält FE von Netzbandt (50.)
Schiedsrichter: Phillip Mindermann (Niendorfer TSV): Sein Gespann war nicht immer ganz auf der Höhe. Der Check von Türkiyes Niklas Golke gegen Jim Franke an der Außenlinie hätte ganz klar als Foul bewertet werden müssen. Franke wurde nach dem Sturz auf die Schulter ausgewechselt. Beim zweiten Treffer der Deichkicker war Außen Martin Werner deutlich im Abseits als er rechts los sprintete. Da blieb der Pfiff aus. Zuvor gab es über 90 Minuten sehr viele Abseitsentscheidungen. Der heftige Schubser von Türkiyes Metekaan Yilmaz wurde nur mit Gelb geahndet. Und das Beleidigen auch der eigenen Spieler zieht nach den Regeln einen indirekten Freistoß und möglicherweise eine Karte nach sich. Hier hörte Mindermann anscheinend weg. Der Platzverweis gegen Indulto war glasklar. Ebenso wie der Strafstoß für Türkiye.
Beste Spieler: Erschens, Blättermann, Wilhelm – Yushin, Sarikaya
Zuschauer: 84

Die zeitgleiche Ansetzung in direkter Nachbarschaft von Altengamme gegen Dersimspor, Vier- und Marschlande gegen Voran Ohe und der heutigen Begegnung in Curslack hatte direkten Einfluss auf die Besucherzahlen. Am Gramkowweg fanden sich gerade einmal 84 Zuschauer ein. Dabei waren der Gegner, die Tabellensituation und das Spiel an sich schon enorm spannend. Kreative Curslacker Macher haben dafür eine Lösung parat: die Partien zeitlich nacheinander ansetzen und nur eine Eintrittskarte für drei Spiele anbieten. So können auch die Teams nach ihrem jeweiligen Spiel auf kurzem Weg zur nächsten Begegnung der Konkurrenz bei einem Kaltgetränk zuschauen. Das wäre wohl einzigartig in Deutschlands Amateurfußballligen und eine ziemlich coole Lösung.

Das Wilhelmsburger Lazarett hinter der Bank sollte sich leider im Laufe des Spiel vergrößern. Auf dem Platz wurde Mittelfeldmotor Luis Hacker schmerzlich vermisst. Hacker ist für Türkiyes Goalgetter Michel Netzbandt ein genialer Partner auf der Wiese. Im letzten Spiel gegen Hamm hatte sich Hacker einen Bruch der Kieferhöhle zugezogen und wird noch ein wenig länger aussetzen. Kurz nach Anpfiff musste Kapitän Sahin Taflan anscheinend mit einer muskulären Verletzung ausgewechselt werden (6.). Das ging nicht gut los für die spielstarken Zocker aus Wilhelmsburg. Aber davon unbeeindruckt machte der FC Türkiye das Spiel gegen ebenso starke Curslacker, die sich nicht nur in die eigene Hälfte zurück zogen, sondern auch versuchten, Türkiyes Defensive anzulaufen. Trainer Poschmann: „Wir wussten ja, dass Türkiye sehr gute Kicker in der Offensive hat, aber defensiv manchmal etwas wackelig spielt.“

Die Mannschaft von Türkiyes sehr emotionalem Trainer Roman Schmer erspielte sich zahlreiche Torchancen. Aber verpasste den richtigen Abschluss. Oder scheiterte heute am überragenden Keeper Kai Erschens, der häufig parieren musste. Edison Sa Borges Dju war nach Steckpass von Abdul Tetteh auf rechts durch und scheiterte aus kurzer Distanz an Erschens (7.). Ebenso besaß Benjamin Acheampong zahlreiche Torchancen nach schönen Vorlagen von links durch den quirligen und sehr schnellen japanischen Spieler Hyodo Yushin (8. und 14.). Dann der Torjubel! Nach einer Ecke von Michel Netzbandt von rechts kam Mert Kuyucu frei zum Kopfball und traf (19.). Doch Schiri Mindermann hatte irgendwo ein Foul gesehen und gab den Treffer nicht.

So erzielte Curslack eben den ersten Treffer. Mit einem Konter natürlich. Marcio Johannsen scheiterte zunächst an Türkiyes guten Keeper Goran Mihailovic aus kurzer Distanz vollkommen frei. Der abgewehrte Ball fiel Maximilian Zoch vor die Füße. Diese Chance ließ er sich nicht nehmen und versenkte den Ball halbhoch rechts (26.). Eine etwas überraschende Führung angesichts der vielen Wilhelmsburger Möglichkeiten.

Das Spiel war intensiv und wurde von beiden Seiten leidenschaftlich betrieben. Niklas Golke checkte Jim Franke an der Außenlinie kraftvoll ins Seitenaus. Ein klares Foul, dass Mindermann nicht als solches bewertete. Leider hatte sich Franke dabei an der Schulter verletzt und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Martin Werner in die Partie (39.). Poschmann: „Martin spielte heute etwas glücklos.“ Weil er häufig ins Abseits lief. Mit der knappen Führung ging es in die Pause.

In der zweiten Halbzeit schnürte Türkiye die Heimmannschaft regelrecht ein. Die technisch schönen Kombinationen verteidigte Curslack mit elf Mann und allen Mitteln. Wenn Türkiye zum Abschluss kam, war da noch Erschens, der mehrfach großartig retten konnte. Ein Foul des eingewechselten Robert Pallasch gegen Yushin führte zum Strafstoß für Türkiye. Michel Netzbandt lief an, schoss platziert in die rechte untere Ecke. Poschmann: „Der Elfer war wirklich richtig gut geschossen!“ Aber Erschens tauchte ab und hielt herausragend. Netzbandt arbeitete unglaublich fleißig, aber blieb wie mit diesem Strafstoß heute einfach glücklos. Trainer Schmer reagierte überraschend. Er wechselte Netzbandt kurz danach aus (55.). Eine Entscheidung mit der Netzbandt sichtbar zu kämpfen hatte und diese beim Trainer hinterfragte. Darauf faltete der Trainer seinen Star lautstark zusammen: „Muss ich dir das wirklich erklären? Du hast einfach Sch … gespielt! Mach einfach mal die Chancen rein. Schieß den Elfmeter rein!“ Eine sehr emotionale Reaktion. Dabei zeigte sich Netzbandt nicht wirklich schlechter im Auslassen der Torchancen als z.B. Ex-Profi Acheampong. Motivierend? Schmer: „Montag geht es wieder von vorne los und das ist vergessen.“ Dabei war Michel zusammen mit Hacker zurück nach Wilhelmsburg aufgrund der geradezu familiären Verbindungen gewechselt.

Den verdienten Ausgleich erzielte Edison Sa Borges Dju mit einem Abstauber (73.) nachdem zuvor Golke von rechts an Erschens scheiterte. Wenig später blieb Albin Bekteshi im Rasen hängen und verletzte sich. Nach zwei vorherigen Kreuzbandrissen wurde das Schlimmste befürchtet. Aber Bekteshi ging ohne Hilfe vom Feld. Fortan spielte Türkiye in Unterzahl, weil das Wechselkontingent ausgeschöpft war (77.). Curslack ließ sich jedoch nicht lumpen und zog gleich. Agatino Indulto trat Kuyucu laut hörbar bis nach Altengamme gegen den Unterschenkel und Mindermann zückte zurecht sofort Rot (85.). Fifty fifty! Dann ein langer Ball auf Werner über rechts. Der schien wie mehrfach zuvor deutlich im Abseits zu sein, aber der Pfiff blieb aus. Werner lief bis zur Grundlinie und passte in die Mitte. Anton Geffert scheiterte zunächst an Mihailovic aus fünf Metern. Aber Arwid Dykier nahm den abgewehrten Ball an und versenkte zum umjubelten 2:1 (90. + 3). Curslacker Ekstase pur und Wilhelmsburger Frust auf der anderen Seite. Es blieb beim hart erkämpften Heimsieg für Curslack. Poschmann: „Das ist mit vier Siegen eine schöne Situation für uns. Aber nach fünf Spieltagen ist noch gar nichts los. Eventuell kann man nach zehn Spielen mal eine Tendenz ableiten.“ Für Türkiye ist also trotz hoher Ansprüche noch gar nichts verloren. Aber für Curslack ist immerhin schon vieles gut gelaufen. In der Liga und im Pokal. Umso besser könnte die Attraktivität der Landesliga Hansa durch die einfache Formel „eine Karte für drei Spiele“ unterstützt werden. Macht doch einfach mal!


Stimmen:

Roman Schmer (Trainer FC Türkiye):
Ich glaube, die Mannschaft kann sich nichts vorwerfen außer die Tore nicht gemacht zu haben. Ansonsten müssen wir über die Qualität nicht reden. Ich glaube, wir haben das Spiel 90 Minuten dominiert. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht eine Torchance zugelassen und sind wirklich mit Vollgas 45 Minuten auf deren Tor gegangen. Nicht zwingend genug dann im Strafraum am Ende. Dazu den Elfmeter verschossen. Das einzige ist, wir haben die Tore heute nicht gemacht.

Olaf Poschmann (Trainer SV C/N):
Es ist einfach so, dass wir das Spiel hinten heraus ziemlich glücklich gewonnen haben, weil wir über lange Zeit auch so passiv waren, hinterher gelaufen sind, nicht so gut in die Zweikämpfe gekommen sind. Wir haben vieles von dem, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten nicht so gut umgesetzt. Wir bekommen verdientermaßen das 1:1, weil wir nicht mehr die Ordnung hatten. Das war nicht unser Spiel. Wir haben lange Zeit nichts gut gemacht. Aber wir haben zwei- dreimal etwas ganz gut gemacht. Das waren die beiden Tore und Kai hält den Strafstoß sensationell. Diese Mentalität an uns zu glauben und dass uns noch ein Tor gelingt, das war ja über viele Monate gar nicht mehr da und jetzt kommt so etwas wieder. Dieses Gewinnen lernen und daran zu glauben. Das war heute einfach auch ein Mentalitätssieg. Ein Sieg des Willens.

Statistik:
Gesamt-Punktspielstatistik aus Sicht des Gastgebers (seit Vereinsgründung Türkiye im Jahr 2000): 11 Spiele, 4 Siege, 1 Remis, 6 Niederlagen, 15:23 Tore

2015/16: 0:0 / 1:0 Oberliga Hamburg
2016/17: 1:2 / 1:2 Oberliga Hamburg
2017/18: 5:1 / 1:0 Oberliga Hamburg
2022/23: 0:3 / 1:4 Oberliga Hamburg
2025/26: 1:4 / 2:6 Oberliga Hamburg
2026/27: 2:1 / --- Landesliga Hansa


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