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26.09.2026
"Beknacktes Endergebnis" - Dassendorfer "Bleiwesten" geben Partie aus der Hand von Andreas Killat




vs.


TuS Dassendorf – HT 16 3:3 (3:0)

TuS Dassendorf: Sprang – Kleine (76. Pulido), Hartwig (71. Schmidt), Abe, Irmler (76. Prokaziuk) – Monteiro – Bako, Graudenz, Boakye (56. Bochan), Düwel (46. Knappe) – Iloka
HT 16: Bulanik – Keskin (66. Obeng Boateng), K. Carolus (46. Schlas), Büyüksakarya, Kaya – Lam, N. Gerber (46. Bandoh) – Begsade (25. Güzel), Toksöz, Pekin – Maggio
Tore: 1:0 Iloka (4.), 2:0 Bako (29.), 3:0 Graudenz (32.), 3:1 Güzel (65.), 3:2 Schlas (74.), 3:3 Maggio (79., FE)
Schiedsrichter: Mark Niklas Späth (VfL Lohbrügge): Stellte gefühlt mit jeweils 6 Minuten Nachspielzeit pro Halbzeit einen neuen OL-Rekord auf, was aber wegen der vielen Verletzungsunterbrechungen (insbesondere im ersten Durchgang) durchaus seine Berechtigung hatte. Insbesondere die Gäste ließen kein gutes Haar an ihm, kritisierten im Prinzip jede (!) Entscheidung. So schlimm war es aber keinesfalls. Brachte die Partie ruhig und (fast) geräuschlos (ohne spielentscheidende Fehler) über die Bühne.
Beste Spieler: Graudenz, Abe (beide 1.Hz) – Toksöz, Lam, Pekin
Zuschauer: 306

„Eigentlich haben wir die Abläufe hier zu Hause am Wendelweg im Griff. Da gibt es nichts zu kritisieren“, konnte sich TuS-Coach Oliver Zapel nach dem Abpfiff die anhaltende „Heimschwäche“ (nur acht Punkte aus fünf Partien) nicht erklären. „Nach diesem Spiel müssen wir aber einige Sachen hinterfragen. Auffällig ist die Tendenz der vielen Gegentore. Da müssen wir den Hebel ansetzen. Wenn man bis zur 60. Minute 3:0 führt, sieht das Endergebnis natürlich beknackt aus. Und so fühlt es sich auch an. Die Einwechslungen haben leider keine Frische ins Spiel gebracht, sondern eher Bleiwesten“.

Beim „Revival-Treffen“ ehemaliger TuS-Spieler (u.a. Kerim Carolus, Marvin Büyüksakarya, Zhi-Gin Lam und Mattia Maggio) fehlte ausgerechnet Martin Harnik, der zwar extra seinen Urlaub verschieben wollte, dann aber wegen einer Wadenverletzung absagen musste. Bei den Hausherren stellte Zapel sein System um, schickte Max Düwel (als Ersatz für den fehlenden Appiah) auf die Außenbahn und beorderte dafür Abwehrchef Obinna Iloka ins Sturmzentrum („Ungewollt. Eigentlich mag ich das nicht, sondern wünsche mir Kontinuität und Stabilität“). Doch der „Trick“ funktionierte sofort. Ridel Monteiro mit dem perfektem Zuspiel auf „Obi“, der aus 12 Metern halbrechter Position (leicht abseitsverdächtig) per Flachschuss ins lange Eck zum 1:0 vollendet (4.).

Danach ging der Spielfluss allerdings durch viele verletzungsbedingte Unterbrechungen etwas verloren. Erst musste das große Talent Soheil Begsade am Knie behandelt werden (20. / „Es hat Knack gemacht“), dann ging es für ihn doch (kurz) weiter, bevor er nach einem Weitschuss schreiend zusammensackte und mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste (25.). Gute Besserung! Kerim Carolus musste mit einer Schulterverletzung sogar gleich doppelt behandelt werden (27./45.), hielt aber noch bis zum Pausenpfiff durch. Auf TuS-Seite erwischte es Enock Hartwig, der sich lange Zeit schmerzverzerrt die Hände vors Gesicht hielt (41.), letztlich aber doch weitermachen konnte.

Dann war aber wieder Fußball angesagt – und der Tabellenführer machte mit einem Doppelschlag vermeintlich alles klar. Fabian Graudenz schickt Max Düwel, dessen Schuss HT-Keeper Bünyamin Bulanik noch parieren kann, doch der Nachschuss von Kristian Bako sitzt: 2:0 (29.). Die Gäste reklamierten zwar „Hand“, aber es war wohl eher die Schulter. Pech jedenfalls, dass zu dem Zeitpunkt Carolus nach seiner Verletzung noch nicht wieder auf dem Platz war – und genau auf seiner IV-Position der Gegentreffer fiel. Nur 150 Sekunden später tunnelt Düwel kurz hinter der Mittellinie Burak Keskin, zieht einen Sprint an und bringt das Leder scharf in die Mitte. Graudenz sagt „Danke“ und zimmert das Spielgerät mit Hilfe der Unterkante der Latte zum 3:0 in die Maschen (32.). Also alles klar auf der Andrea Doria?! „Es war nicht alles so rosarot, wie es das Ergebnis vermuten lässt“, so Zapel später.

Tatsächlich hatten auch die Gäste ihre Chancen – nutzten sie aber im Gegensatz zu den effektiven Gastgebern nicht. Erst kommt Nico Gerber nach einer Ecke von Güzel im Fünfmeterraum nicht richtig ran (31.), dann bedient Elyesa Pekin den freistehenden Deran Toksöz, der aus der Drehung nur Zentimeter am langen Pfosten vorbeischiebt (43.).

Nach der Pause ging dann bei der TuS plötzlich fast gar nichts mehr (Zapel: „Bleiwesten“), während sich die Billstedter laut Erdinc Örün „wie in einen Rausch spielten“. Binnen einer Viertelstunde wurde das Ergebnis auf links gedreht: Toksöz mit der Flanke auf Güzel, der aus 14 Metern über den herausgeeilten Keeper Max Sprang zum 1:3 einköpft (65.). Jetzt hatten die Gäste Blut geleckt. Insbesondere der überragende Toksöz war eigentlich an jeder Aktion (hinten wie vorne!) beteiligt. „Wahnsinn, was Deran abgeliefert hat. Der ist trotz Krämpfen noch 70-80 Meter zurückgesprintet. Der labbert nicht rum, sondern geht mit Einsatz und Leistung vorneweg“, so HT-Coach Gökhan Iscan. Wie zum Beweis der nächste Zuckerpass von „DT“ aus dem Fußgelenk auf Kaya, der direkt weiterleitet auf Emmanuel Schlas, dessen Volleyschuss zum 2:3 einschlägt (74.). Die TuS kam gar nicht mehr zum Luft holen und wurde komplett hinten reingedrängt. Nach einem Foul von Monteiro an Chris Bandoh verwandelte Mattia Maggio den fälligen Strafstoß an alter Wirkungsstätte sicher zum 3:3-Ausgleich (79.).

„Wir sind gerade auf der Autobahn“, feuerte Iscan seine Männer weiter an. Die Gäste waren nun tatsächlich am Drücker – und dem Sieg deutlich näher, als die Dassendorfer. Doch ein paar aussichtsreiche Aktionen wurden unsauber zu Ende gespielt – und so blieb es in einem spektakulären Spiel beim 3:3. „Die Tabellenführung sind wir jetzt los“, nahm Zapel nach dem Abpfiff schon einen Sieg von Paloma morgen bei Concordia vorweg.

Stimmen:

Gökhan Iscan (Trainer HT 16):
Ein sehr intensives und spannendes Spiel. Dassendorf war in der ersten Halbzeit gieriger und griffiger und hat sehr konsequent Richtung Tor agiert. Das hat bei uns gefehlt. Aber Respekt, wie wir in der zweiten Halbzeit zurückgekommen sind. Deran Toksöz hatte die Jungs noch auf dem Weg zur Kabine aufgerüttelt und sie aufgefordert, hier nicht mit gesenktem Kopf vom Platz zu gehen. Das waren die richtigen Worte. Danach sind wir mutiger angelaufen, haben die direkten Duelle gesucht und auch gewonnen. Wir sind über die Emotionen zurück ins Spiel gekommen. Man weiß eben nie, wie sich so ein Spiel entwickelt. Das war eine sehr gute zweite Hälfte mit schönen Toren. Insgesamt geht das 3:3 in Ordnung. Letzte Saison hatten wir hier 1:2 verloren und damals habe ich gesagt, dass wir solche Spiele künftig nicht mehr verlieren wollen. Schön zu sehen, dass diese Entwicklung stattgefunden hat. Die Jungs haben ihr Herz auf dem Platz gelassen.

Oliver Zapel (Trainer TuS Dassendorf):
Nach so einem Spielverlauf ist es „gefährlich“, gleich in die tiefere Analyse zu gehen. Wenn man bis zur 60. Minute 3:0 führt, sieht das Endergebnis natürlich beknackt aus. Und so fühlt es sich auch an. Wir mussten unser System umstellen und den Abwehrchef (Iloka) in die Spitze beordern. Das hat erstmal ganz gut funktioniert. Aber schon in der ersten Halbzeit war nicht alles so rosarot, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Es gab ungewöhnliche Abstimmungsfehler und das hat sich nach der Pause fortgesetzt. Die Einwechslungen haben leider keine Frische ins Spiel gebracht, sondern eher Bleiwesten. Das müssen wir unter die Lupe nehmen. Den jungen Spielern fehlt dann einfach die Erfahrung, wie man mit so einem Spielverlauf umgeht. Wenn es ganz dumm läuft, können wir zum Ende sogar noch verlieren. Andererseits hatten wir einige Konterchancen zum vierten Tor. HT ist „All-In“ gegangen und wir waren unfassbar nervös und hektisch. Logisch, dass sich das Ergebnis nicht schön anfühlt. Dieses Spiel hat uns einiges aufgezeigt. Da habe ich mich an der Linie ein bisschen hilflos gefühlt. Die Spieler haben es nur noch dahingehen lassen und auf den Schlusspfiff gehofft. Jetzt sind wir die Tabellenführung los und müssen uns künftig deutlich mehr strecken. Das nächste Spiel in Billstedt wird garantiert nicht angenehmer.


Statistik:
Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1949): 31 Spiele, 14 Siege, 7 Remis, 10 Niederlagen, 71:65 Tore

1959/60: 1:4 / 0:16 Bezirksklasse Sachsenwald
1971/72: 7:1 / 1:4 Bezirksliga Staffel 2
1972/73: 1:2 / 1:3 Bezirksliga Staffel 2
1974/75: 0:2 / 3:0 Verbandsliga Ost
1975/76: 2:1 / 2:1 Verbandsliga Ost
1976/77: 2:1 / 0:0 Verbandsliga Ost
1978/79: 2:2 / 2:2 Bezirksliga Ost
1979/80: 1:2 / 1:3 Kreisliga Staffel 1
1980/81: 3:1 / 0:2 Kreisliga Staffel 1
1981/82: 2:1 / 1:1 Kreisliga Staffel 1
1982/83: 4:0 / 4:1 Kreisliga Staffel 1
1985/86: 2:2 / 5:3 Kreisliga Ost
1986/87: 5:0 / 1:2 Kreisliga Staffel 2
1995/96: 3:1 / 2:2 Bezirksliga Ost
2025/26: 2:1 / 8:1 Gamesright Oberliga Hamburg
2026/27: 3:3 / --- Gamesright Oberliga Hamburg


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