Niendorfer TSV: Quack – Neumann (77. Le. Meyer), Krüger, Ahmadi, Altuntas (32. Huneke) – Lüllemann (77. Kuchenbecker), Janha, Ayane, Okawa – de los Santos, Ofosu (88. Li. Meyer) WTSV Concordia: Schönell – E. Asante (64. Celikten), K. Asante, Schrage, Baffour – Giesenberg, Diarrassouba (46. Hasan), O. Saglam, Jammeh (81. Cassama) – Bitez (90.+3. Souza), Eröksüz (64. Flores) Tore: 0:1 Bitez (10., FE), 0:2 Bitez (15.), 1:2 Okawa (45.+3.) Rote Karte: Giesenberg (38., grobes Foulspiel), Ahmadi (44., Notbremse/letzter Mann) Schiedsrichter: Florian Schwarze (MSV Hamburg): Nicht annähernd so schlecht wie Niendorfs Mittelfeld. Aber beim Foul von Lamin Jammeh an Leon Neumann komplett daneben entschieden (74.). Mehr Rote Karte geht doch gar nicht! Stattdessen Gelb zu zeigen, bleibt wie einige andere Entscheidungen schwerlich nachvollziehbar. Beste Spieler: Keiner – Bitez, O.Saglam, Jammeh, Baffour Zuschauer: 135
Anpfiff am ungewohnten Freitagabend. Dienstag muss Niendorf wieder im Pokal in Börnsen ran. Die heutige Leistung und das wachsende Lazarett lassen die Niendorfer Herzen aber nicht gerade höher schlagen. Linus Meyer blieb der einzige Spieler mit glücklichem Gesichtsausdruck, weil er am Tag vor dem Spiel Vater wurde. Herzlichen Glückwunsch! Ansonsten war der Auftritt der Hausherren besonders in der ersten Hälfte erschreckend schlecht. In allen Mannschaftsteilen unverständlich schlecht. So konnten die ehemaligen "Marienthaler" nach acht (!) Niederlagen in Folge erstmals seit Februar 2016 am Sachsenweg wieder drei Punkte entführen (siehe "Statistik" am Ende des Berichtes).
Schon in der ersten Hälfte musste Niendorfs Trainer Ali Farhadi verletzungsbedingt umstellen. Der gerade erst zurückgekehrte Außenbahnspieler Alpay Altuntas verletzte sich in einem Zweikampf mit Cordis Yacouba Darrassouba am linken Sprunggelenk (32.). Beim Stand von 0:2. Für ihn wurde der angeschlagene Fynn Huneke eingewechselt und in die Spitze beordert. Leandro de los Santos rückte dafür ins Mittelfeld. Bis auf Torwart hat „Santi“ in Niendorf eigentlich schon auf jeder Position gespielt.
Der WTSV Concordia kam wesentlich besser ins Spiel als die Heimmannschaft. Mit einer Mischung aus jungen Wilden und zwei alten Hasen. Im Mittelfeld regierte und leitete Onur Saglam das Spiel. In der Spitze zeigte Mihail Bitez spät berufen, dass er auch in der Oberliga überragend mitspielen kann. Jeder Zweikampf gegen den nicht mehr ganz so schnellen Goalgetter ist eklig und überraschend für die jeweiligen Niendorfer Gegenspieler gewesen. Bitez zieht Fouls, leitet Bälle mit jedem Körperteil technisch brillant weiter und zeigt sich vor dem Tor eiskalt.
Bestens instruiert von Trainer Baris Saglam gelang es Concordia die Defensive Niendorfs immer wieder vor Probleme zu stellen. Auffällig oft schalteten sich die Außenverteidiger ein. Besonders gut: Dennis Baffour flitzte 90 Minuten lang die Außenlinie rauf und runter. Immer wieder mussten Tim Krüger oder Amir Ahmadi in letzter Sekunde löschen. Bei einem dieser Befreiungsschläge traf Ahmadi den aufgerückten Ephrem Giesenberg im Strafraum (8.). Den fälligen Strafstoß wollte Bitez verwandeln und scheiterte jedoch an Julian Quack. Gehalten? Denkste! Schiedsrichter Florian Schwarze ließ den Elfmeter wiederholen, weil einer oder mehrere Niendorfer zu früh in den Strafraum liefen. Den zweiten Penalty lüpfte Bitez locker in die Mitte. Ziemlich frech (10.).
Cordi konnte nachlegen. Baris Saglam: „Wir wollten Bälle über die Kette spielen und freie Räume bespielen.“ Perfekt chippte sein Bruder Onur Saglam aus der Drehung die Kugel hinter Krüger. In diesen Weg lief Bitez, hatte nur noch Quack vor sich und ließ diesem keinerlei Chance (15.). Niendorf schien richtig angeschlagen. Im Mittelfeld fand kein Ball zum eigenen Mitspieler. Die Jungs mühten sich erkennbar. Aber Concordia war auch an Lauf- und Einsatzbereitschaft komplett überlegen. Beflügelt von der Zwei Tore Führung rannten die Jungs immer wieder die Heimmannschaft an. Einen weiteren langen Ball wollte Krüger im eigenen Strafraum klären. Aber auch Giesenberg ging vehement mit gestecktem Fuß auf den Ball. Es knallte. Ein lauter Schrei und Krüger lag auf dem Boden. Schwarze brauchte nicht lange und zog Rot. Möglich. Aber Gelb wäre auch vertretbar gewesen. Das sah auch B. Saglam so: „Eher war das zweite Foul (74.) ein Platzverweis.“ Giesenberg: „Ich wollte an den Ball und treffe meinen Gegenspieler am Fuß.“
Das schien der Weckruf zu sein. Mit einem Mann mehr ging Niendorf gefährlich auf das gegnerische Tor. Sieben Minuten in Überzahl waren es. Dann stoppte Amadi den durchbrechenden Lamin Jammeh mit einem Foul als letzter Mann. Amir sah ebenfalls regelkonform den roten Karton (44.). Den Freistoß konnte Onur Saglam aus guter Distanz nicht nutzen. Aber auf der Gegenseite traf Niendorf kurze Zeit später zum Anschluss (45. +3.). Huneke stecke einen Ball durch die Mitte auf Yoshiya Okawa in den Strafraum. „Yoshi“ ließ Keeper Luca Schönell keine Chance. Pause.
Ali Farhadi verzichtet komplett auf eine Ansprache in der Kabine und ließ seine Jungs alleine tagen. Zuvor hatte Farhadi an der Außenlinie bereits genug lautstark und deutlich das Auftreten seiner Mannschaft kritisiert. Im zweiten Durchgang wurde es dann endlich besser. Niendorf kämpfte sich ins Spiel. Das wurde immer intensiver von beiden Seiten geführt. Angetrieben von Krüger und de los Santos kam Niendorf zu Chancen. Neumann verpasste aus der Mitte (57.) und „Santis“ Abschluss konnte Schönell über die Latte lenken (62.). Bis zur 70. Minute hatte Niendorf mehr Spielanteile. Dann ging es wieder ab in Richtung Niendorfer Tor. Cordi konterte. Ein langen Ball auf Jammeh wollte Neumann an der Außenlinie klären. Aber Jammeh ging ebenfalls zum Ball. Mit gestreckten Füßen voran traf er Neumann am Fußgelenk (74.). In der Folge ergaben sich einige Rudelbildungen auf und neben dem Platz. Schiedsrichter Schwarze zögerte ewig und gab dann Gelb. Erklärung: „Das war kein böses Foul.“ Was denn sonst? Neumann musste ausgewechselt werden und verließ die Anlage später auf Krücken. Farhadi und sein Team konnten sich auch nach Spielende kaum beruhigen.
Um es klar zu formulieren. Jammeh ist keinerlei Absicht zu unterstellen. Aber Foul bleibt Foul. Und das sah recht böse aus. Mit viel Aufregung zwischen den Teams ging es weiter bis zum Schluss. Concordia blieb bei Kontern gefährlich. Ohne Erfolg. Wie auf der Gegenseite. Nach Abpfiff zeigten sich fast alle Akteure wieder entspannter. Niendorf muss weiter improvisieren und hat drei neue Ausfälle zu kompensieren. Zwei verletzte Spieler, die sicherlich länger ausfallen werden und den rot gesperrten Ahmadi.
Stimmen:
Baris Saglam (Trainer Concordia): Es war so, wie wir uns vorbereitet haben. Niendorf haben wir ein paar Spiele gesehen und die Analyse wirklich sehr detailliert durchgezogen. Unsere Jungs maximal vorbereitet. Wir wussten, dass es hier ein sehr intensives Spiel wird. Eine gute Intensität bringen wird. Wir haben als Aufsteiger sehr viel Jungs, die noch nicht Oberliga gespielt haben und das nichtsdestotrotz von Spiel zu Spiel überragend machen.
Ali Farhadi (Trainer Niendorfer TSV): Absolut verletzt. Wieder zwei schwer verletzte Spieler. Das sah nicht gut aus. Aber das Spiel an sich war katastrophal. Wir haben einfach eine Mentalität entwickelt, die ist schlimm. Du machst ein, zwei Spiele, die sind gut. Dann machst du ein, zwei Spiele, die sind katastrophal. Ich weiß nicht, was die Jungs glauben, was wir sind. Da sind Jungs im Mittelfeld, die können keinen Doppelpass spielen. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wir kriegen nicht einen Spielzug zu Ende gespielt. Und dann kommt noch Florian (Schwarze) der Schiedsrichter und sagt, das Foul war nicht so schlimm. Neumann hat einen Knöchel, der ist so dick wie bis Meppen. Am Ende haben wir verdient verloren. Da brauchen wir nicht drüber zu reden.
Statistik: Gesamt-Punktspiel-Bilanz aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 31 Spiele, 13 Siege, 7 Remis, 11 Niederlagen, 63:43 Tore
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