USC Paloma: Grundmann – Leptien, Burmeister (86. Rust), Blumauer, Küffner – Niemann – Lekaj (72. Buttler), M. Fané (62. Merkle), Topcu, Blunck – Keßner ETSV Hamburg: Hashiguchi – Mekic (59. Jamborek), Siemsen, Kiene, Mohara – Marusenko (62. Kassimou), Nakazawa – Iimura (73. S. Fané), Ayano, Schubert-Abubakari – Wedemeyer (73. Zimmermann) Tore: 0:1/0:2 Wedemeyer (2./4.), 1:2 Lekaj (10.), 1:3 Jamborek (67.), 1:4 S. Fané (90.+2) Gelb-Rot: Nakazawa (60.) Schiedsrichter: Dr. André Becker (GW Eimsbüttel): In der Nachspielzeit hätte es für die „Box-Einlage“ vom ETSV-Keeper wohl einen Elfmeter für Paloma geben müssen. Ansonsten aber ein sehr souveräner, sympathischer und pünktlicher (!) Auftritt. Beste Spieler: Keiner – Iimura, Wedemeyer, Kiene, Siemsen Zuschauer: 230
„Es war selten so einfach wie heute, hier zu gewinnen“, gab USC-Trainer Marius Nitsch nach dem Abpfiff unumwunden zu. „Ein rabenschwarzer Auftritt von uns, keiner hat Normalform erreicht. Ein kollektiv schlechtes Spiel“. Die meisten Zuschauer hatten dabei nach dem überpünktlichen Anpfiff von Referee Dr. André Becker (10:44:50) noch gar nicht ihren Platz eingenommen, da war das Spiel nach 200 Sekunden im Prinzip auch schon verloren.
Der „japanische Wirbelwind“ Taiki Iimura zieht über rechts mit großem Tempo locker an Colin Blumauer vorbei und bedient mustergültig den mitgelaufenen Gedion Wedemeyer, der aus zwei Metern nur noch den Fuß reinhalten muss: 0:1 (2.). Und noch bevor sich die Hausherren sortiert hatten, klingelte es schon wieder: Takuro Mohara mit einem schnellen Einwurf an der Mittellinie auf Wedemeyer, der ein paar Schritte Richtung Strafraum macht und dann völlig alleingelassen aus 18 Metern zum 0:2 trifft (4.). Schockstarre beim USC! Doch mit einer Finesse kamen die Hausherren zurück in die Partie. Aulon Lekaj bringt von links einen scharfgezogenen Eckball herein, ETSV-Keeper Osuke Hashiguchi taucht unter durch (bzw. boxt am Leder vorbei) und der Ball landet zum 1:2 in den Maschen (10.). „Was ist hier denn los?“, fragten sich nicht nur die Zuschauer, sondern wohl auch die Spieler und Trainer.
„Knackpunkt“ des Spiels (was zu dem Zeitpunkt natürlich noch keiner wusste), dann die vergebene Chance zum 2:2-Ausgleich: Nick Leptien aus dem Mittelfeld mit dem perfekten Steckpass in die Spitze auf Lennart Keßner, der es über halbrechts eigentlich schon selbst machen kann, aber für den durchgestarteten Michel Blunck am zweiten Pfosten querlegt. Aber Blunck verstolpert den Hundertprozenter und schiebt das Leder aus vier Metern am leeren Tor links vorbei (22.). Und das muntere Spielchen ging fröhlich weiter. Iimura hat über rechts mal wieder freie Bahn und sieht im Rückraum Nikita Marusenko, der aus 18 Metern am „fliegenden“ USC-Keeper Tjark Grundmann scheitert (24.). Nur 100 Sekunden später kommt auf der Gegenseite Blunck aus 14 Metern halblinker Position zum Abschluss. Torhüter Hashiguchi wehrt den Ball mit einer sehr unorthodoxen Pritsch-Einlage (wie beim Volleyball) ab – doch für den Abpraller steht kein USC-Spieler bereit (26.).
Nach der Pause passierte lange Zeit nichts – bis der bereits gelbverwarnte Hayato Nakazawa gegen Lennart Keßner zu spät kommt und Gelb-Rot sieht (60.)! Doch Gäste-Coach Manuel Demir stellte (nach dem Abpfiff) schmunzelnd fest: „Das muss kein Nachteil sein. Solange ich Trainer bin, haben wir in Unterzahl immer gewonnen“. Und so kam es dann auch. Wedemeyer „tanzt“ im Mittelkreis auf engstem Raum zwei, drei USC-Spieler aus und schickt Kufour Jamborek auf die Reise. Der trifft aus 10 Metern halbrechter Position zum 1:3 ins kurze Eck (67.). „Wir stehen mit drei Spielern daneben. Das darf in der Oberliga nicht passieren“, schimpfte Nitsch über die Szene im Mittelkreis. Und auch der USC-Keeper machte dabei keine besonders glückliche Figur.
Die „Tauben“ fanden trotz Überzahl keine spielerischen Lösungen und kamen in der Box nur sehr selten zu Torgelegenheiten. Dafür versuchten sie es mit Gewalt, doch die Fernschüsse von Niemann und Küffner entschärfte Keeper Hashiguchi. Den nachfolgenden Eckball von Küffner köpfte Can Topcu an die Latte (70.). Danach kam nicht mehr viel von den Hausherren. Dafür hatten die Gäste (in Unterzahl) zahlreiche Kontergelegenheiten und hätten das Ergebnis noch in die Höhe schrauben können - unter anderem Fawaz Kassimou mit einem Kopfball (76.) und Ede Zimmermann freistehend aus kurzer Distanz (89.).
In der Nachspielzeit hätte es für Paloma noch einen Elfmeter geben können (respektive müssen), als Keeper Hashiguchi am Ball vorbeiboxt und Lennart Merkle trifft (90.+1). Referee Becker hatte es jedoch anders gesehen und gab Offensivfoul. Im direkten Gegenzug verlängert Zimmermann einen langen Ball auf Sidi Fané (übrigens der Bruder von USC-Stürmer Mohamed), der aus 14 Metern flach links unten zum 1:4-Endstand trifft (90.+2).
Stimmen:
Manuel Demir (Trainer ETSV Hamburg): Wir haben furios angefangen. Ein sehr intensives Spiel mit zwei schnellen Toren für uns. Ein wirklich sehr gutes Spiel mit vielen Torchancen. Auch in Unterzahl war es kein Nachteil. Solange ich Trainer bin, haben wir in Unterzahl übrigens immer gewonnen (lacht). Wir hätten hier auch 5,6,7:1 gewinnen können - und hinten haben wir fast nichts zugelassen, bis auf die Hundertprozentige zum möglichen 2:2 (22.). Jetzt haben wir einen Tag Pause und am Dienstag geht’s im Pokal weiter (gegen Regionalligist Norderstedt).
Marius Nitsch (Trainer USC Paloma): Das war ein hochverdienter Sieg für die „Eisenbahn“, da müssen wir nicht drumherum reden. Ein rabenschwarzer Auftritt von uns heute. Keiner hat Normalform erreicht. Nach vier Minuten läufst du schon einem 0:2 hinterher. Danach hatten wir eine ganz vernünftige Phase mit der Riesenchance zum 2:2. Aber heute hat das Momentum nicht gegriffen. Wir haben es trotz Überzahl nicht geschafft, eine vernünftige Restverteidigung hinzubekommen. Vor dem dritten Gegentor stehen wir mit drei Spielern daneben. Das darf in der Oberliga nicht passieren. Wir waren viel zu lieb und harmlos. Ich will aber nicht zu sehr draufhauen auf die Jungs. Es war nach über zwei Monaten unsere erste Niederlage. Wir sind von Topspiel zu Topspiel geeilt und haben immer am Limit performt. Es war klar, dass auch mal so ein Tag wie heute kommen wird. Heute waren wir alle nicht richtig da und nicht gierig genug. Aber ich weiß, zu was die Mannschaft im Stande ist – und das wir es nächste Woche in Ahrensburg (Pokal) und Buchholz besser machen und wieder unser Paloma-Gesicht zeigen werden. Wir haben bisher eine hervorragende Saison gespielt. Aber das Thema „Tabellenführer“ ist jetzt erstmal durch.
Statistik: Gesamt-Punktspielstatistik aus Sicht des Gastgebers (seit 1945): 7 Spiele: 3 Siege, 1 Remis, 3 Niederlagen, 12:15 Tore
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